3 Generationen ‘Easy’ – covered & remixed
Die Entwicklung von Musik und Muskgeschichte ist ja so ne Sache. Manche behaupten früher war alles besser und ehrlicher- Musiker konnten früher tatsächlich noch Instrumente spielen, Sänger oder Sängerinnen tatsächlich singen und Choreografien oder kurz ‘Choreos’ waren tatsächlich überflüssig.
Der ‘Spirit’ sei verloren gegangen im Laufe der Jahre. Wo sind die Zeiten wo eine Diana Ross oder eine Aretha Franklin Samstag nachts im zugekoksten Studio 54 mittendrin irgendwo zwischen Disco & Fox live einen Lovesong schmetterte und die Leute total ausflippten?
Ich weiß es nicht- ich war ja nicht dabei, aber manchmal wünsche ich es mir. So mitten in den späten 60ern oder 70ern stell ich mir das ganz nett vor- musikalisch zumindest. Damals als die Plattenindustrie noch eine war und Clubs wie das Studio 54 noch wirklich Innovation versprühten. Ganz stark am Rande der Legalität zu schlittern, aber ganz ohne Angst vor Obrigkeiten…und das alles just for good music- und vielleicht noch ein paar Drogen…
Ich glaube entweder die- ich vereinfache es jetzt mal- ‘Disco’ war früher wirklich so cool oder alle Eltern der Welt bekommen nur einfach so glänzende Augen wenn die alten Schallplatten aus dem Regal gezerrt werden. Wobei ich mich dabei ja immer frage, ob meine Augen ähnlich strahlen, wenn ich in vierzig Jahren einen Song aus den 90/2000ern auf meiner Petabyte-Festplatte finde.
Nun ja- worauf ich eigentlich hinaus wollte war die Generationen Geschichte. Beispiel dafür meine Eltern, mein Bruder und ich sowie ein Song den wohl jeder kennt. Ich persönlich mag alle drei Versionen. Ich vermute aber ganz stark, dass meine Eltern und mein Bruder mit der neuesten Version nicht so viel anfangen- selbiges gilt auch für meine Eltern und Version 2.
Da wäre also zuerst mal die Originalversion (falls es jemand nicht wissen sollte) von Lionell Richie und seiner Posse aus dem Jahre 1977:
The Commodores – Easy
Die zweite und vielleicht auch bekannteste (Cover)Version von 1992 kommt von einer sich mittlerweile getrennten und dieses Jahr wiedervereinigten Crossover-Kombo aus den U.S.A., mit der dann eher mein Bruder aufgewachsen ist:
Faith No More – Easy
Und ich bin dann neulich mal über einen ‘Remix’ gestoßen, der leider keinen Künstler im Namen trägt und lediglich mit der Bezeichnung ‘Baile Funk’ gekennzeichnet war. Letzteres ist irgendwie ne Musikrichtung aus Richtung Brasilien. Ich geh jetzt auch einfach mal davon aus, dass die schon eher etwas moderner ist und der Remix auf jeden Fall aus den letzten Jahren stammt.
The Commodores / Faith No More – Easy (Baile Funk Remix)
Jetzt stellt sich zuerst mal die subjektive Frage welcher einem am besten gefällt. Viele Pseudo-Musikliebhaber würden jetzt wahrscheinlich ihre Lieblingsfloskel ‘nichts ist so gut wie das Original’ dreschen und unmittelbar danach damit anfangen über den Zerfall der Plattenindustrie zu philosophieren.
Da ich derart absurdes ‘früher war alles besser Gequatsche’ aber nicht mehr ertragen kann, würde ich jetzt einfach mal folgenden Vorschlag zu Einigung machen:
The Commodores haben den Song entwickelt, Faith No More haben ihn geformt und Mr. unbekannter Baile Funk Remixer hat ihn modernisiert. The Commodores verdienenen als Urheber des Songs nicht nur den Großteil der Lorbeeren, sondern auch bis heute noch finanziell ganz nett. Faith No More hat sich- für die noch größere Bekanntmachung- das Stück vom Kuchen Mitte der Neunziger abgeschnitten und Mister unbekannter Baile Funk Remixer verdient aufgrund der Verkümmerung der Plattenindustrie heute leider gar nix mehr dran.
Der geneigte Musikliebhaber, sofern er denn auch wirklich einer ist, wird sich-ganz egal welche Version er noch in zwanzig Jahren zuerst zu hören bekommt- auch für das Original der Commodores interessieren und ein Verständniss für Musik entwickeln. Wer das nicht ist hört dann halt auch weiterhin Radio oder schaut Musikfernsehen.
Doch was weder Musikliebhaber noch Radiohörer abstreiten können ist die Zeitlosigkeit eines Songs wie ‘Easy’- der ist dreißig Jahre alt, hat im Original wenig bis gar nichts mit Modernität zu tun und ist trotzdem noch heute gut wie eh und je- egal in welcher ‘Version’.
WORD!??
p.s.: Radiohörer als Gegenteil von Musikliebhaber gefällt mir irgendwie- könnte man ja mal dem Herr Duden, Lexikon oder Brockhaus vorschlagen…















