Der Kampf der Superlative
Ich hab’ die Schnauze voll! Überall Castingshows. Überall standing ovations. Überall diese Überemotionalisierung. Und überall Superlative. Geht mir echt ein bisschen auf den Sack! Aber Musik ist eben mein Kryptonit, was soll ich machen?
Trotzdem, ich finde schon gar nichts mehr wirklich geil, oder fett, nur noch gut. Maximal! Gefühlt sehe ich ja auch immer die gleiche Performance. Nur die Jury, der Sender oder die Resonanz des Formats ändert sich.
Erst Super-, dann Popstars. Beides mit Fokus auf so einiges, aber nicht zwingend auf die Stimme. Von Persönlichkeit ganz zu schweigen. Storytelling und Show standen im Vordergrund, bestimmten gar das Spiel. Was dem einen sein Erfolgsrezept war, war dem anderen sein Untergang, obwohl beide im wesentlichen das selbe Problem hatten: das Niveau ließ von Jahr zu Jahr nach.
Klare Konsequenz daraus, dass wirklich Talente, zumindest die, die bis drei zählen können, jetzt schon wussten, dass die mediale Aufmerksamkeit nicht mehr für eine Karriere, sondern lediglich für’s Dschungel-Camp reichen sollte.
Während DSDS also eine immer absurdere Jury um Bohlen formierte, und angebliche Voting-Fehler dazu nutzte die Show künstlich zu verlängern, hatte man bei ProSieben dann, wenn auch deutlich zu spät, endlich mal ein Einsehen, und schickte D! samt Format nach Österreich.
Die RTL-Gruppe hatte indes noch einmal fröhlich eingekauft und suchte jetzt unter der Woche auf VOX Sänger mit dem gewissen Etwas. Zum ersten Mal konkurrierten dabei auch die Juroren, was zwar Teil des Konzepts sein sollte, sich aufgrund der Besetzung aber auch gleichzeitig der eigenen Glaubwürdigkeit beraubte. So kam was kommen musste: eine talentierte Siegerin und niemand, der für ein ähnlich gutes Album Geld ausgeben wollte.
Jetzt suchen Sat.1 und ProSieben gemeinsam nach der Voice of Germany. Das Konzept gekauft, die Jury kredibil, die Kandidaten gut, und trotzdem fühlt man sich nahe dem Overkill. Von allem gibt’s jetzt noch mal ein bisschen mehr, mehr, mehr. Eine einzige Lobhudelei und ständig sich wiederholende Liebesbekenntnisse nach jedem verdammten Auftritt. Alle sind so un-fucking-fassbar, dass schon gar keiner mehr heraussticht. Wo soll das denn noch hinführen?
Außerdem will ich mir auch keine Namen mehr merken! Spätestens nach Lena waren meine Castingshow-Ressourcen endgültig erschöpft. Da war alles dabei: Persönlichkeit, Entwicklung und vor allem ein Erfolg, der sich so schnell nicht wiederholen wird. Jetzt wirkt alles irgendwie nicht nur wie eine Kopie, sondern wie eine krampfhafte Suche nach etwas Neuem, das am besten noch mehr Emotionen wecken soll.
Selbst die gerade gestartete Suche nach Lenas Nachfolger, die erstens ja tatsächlich das einzig selbst entwickelte Castingformat im deutschen Fernsehen ist, und zweitens sich soeben mit der Blitztabelle noch einmal selber revolutioniert hat, langweilt mich schon so sehr, dass ich mich immer wieder beim weg zappen erwische.
Vielleicht würde uns allen ein bisschen Abstinenz mal ganz gut tun, dann klappt das mit den Emotionen eventuell auch irgendwann wieder. Oder die deutschen TV-Sender reißen sich endlich mal zusammen und produzieren eine Show a la BBCs „Later with Jools“, wo echte Musiker, egal ob Newcomer oder gestandene Künstler, ihre eigene Musik live präsentieren. Dann, das verspreche ich an dieser Stelle, vergieße ich auch mal wieder ein Freudentränchen.
In diesem Sinne,
xoxo
















