
Es ist Wochenende, ich habe frei und fühle mich verpflichtet ‘auf Party zu gehen’. Freunde besuchen, Kontakte pflegen, Musik hören, Spaß haben. Däncen hingegen ist nicht so mein Ding. Ich finde das sieht meistens bescheuert aus, da muss ich mich nicht auch noch in diese Parallelwelt der Bewegungslegasthenie einreihen. Ich raste gerne innerlich aus, wenn ein besonderes gutes Lied kommt oder der Übergang dazu sitzt. Und ich lass mich gerne inspirieren, auf neue Ideen und neue Tracks bringen. Dazu beobachte ich auch recht gerne, egal ob Leute, Reaktionen oder Umstände. Eingang, Bar, Licht, Ton, Notausgänge. Vermute das ist so eine Art Berufskrankheit.
Meistens habe ich aber ein Problem: Ich langweile mich sehr schnell. Wenn wir zum Beispiel mal zu zweit auflegen, finde ich zwar die Pause wenn der andere spielt im ersten Moment recht angenehm, aber schon nach so zehn bis fünfzehn Minuten und Erledigung der wichtigsten Bedürfnisse (pinkeln, rauchen, Trinken holen) fange ich mich an zu langweilen. Dann würde ich gerne wieder selber spielen. Der Beschäftigung oder besser gesagt der Nicht-Beschäftigung mit anderen Dingen wegen.
Ich mag mich zum Beispiel ganz ungern mit anderen Menschen unterhalten im Club. Es ist einfach zu laut und Gespräche laufen meist auf die üblichen und oberflächlichen Standardphrasen raus. “Hey, alles klar?” “Ja, und bei Dir?” “Bestens. Was machste eigentlich grad so.” “Dies und das. Facebook und Youtube, you know?” “Hä, was?” “Ach nichts, das Selbe wie immer halt.” “Ok cool. Wir sehen uns später, ja!?”
Hat eigentlich schon mal jemand drüber nachgedacht wievielen Leuten man abends beim ‘Clubben’ einen Satz wie “Wir sehen uns später, ja!?” an den Kopf wirft, die man später aber gar nicht mehr sieht? Bei mir persönlich sind das einige würde ich schätzen. Aber egal, die Wahrheit ist ja oft, dass man sich später gar nicht mehr sehen möchte, um auch gar nicht mehr in den peinlichen Zwang das Gespräch fortsetzen zu müssen geraten zu können.
Selbst wenn ich mit Freunden unterwegs bin, auf der Piste, sobald wir einen Club betreten fühle ich mich automatisch isoliert. Reden ist jetzt irgendwie raus und tanzen ja sowieso. Also wird beschäftigungssuchend erstmal die Bar aufgespürt, Drink bestellt, Glas umklammert und in regelmäßigen Abständen und Schluck für Schluck abgeschlürft. Einzige kommunikative Interaktion mit anderen Leuten besteht zu diesem Zeitpunkt nur noch aus zuprosten oder jemandem etwas ins Ohr schreien. Leichtes Nicken gleich zur Kenntnis genommen, starkes Nicken gleich Zustimmung. Kann man hier eigentlich rauchen? Und schon wieder fünf Minuten Beschäftigungstherapie.
Auf dem Weg in den Raucherbereich dränge ich mich durch die Masse. Ich hasse Gedränge. Und ich hasse Menschenmassen. Zumindest wenn ich mich darin befinde. Aufgestaut, zusammengedrückt, unangenehm, ekelhaft. Ich schwitze. Ich hasse schwitzen. Ständig muss ich schwitzen. Und die Körperwärme der Körpermassen summiert mit der nicht vorhandenen Klimaanlage im Club machen das im Ergebnis auch nicht besser. Rauchen gleich Entspannung, Luft gleich Kopfschmerzen. “Sollen wir wieder vor?” “Mmhh…ja okay, dann hol ich mir gleich noch nen neuen Drink.” Verdammter Teufelskreis.
“Hast Du eigentlich keinen Spaß?” “Warum?” “Naja, Du schaust so und stehst nur so rum.” “Ich kann halt auch Spaß haben ohne es gleich zwanghaft so aussehen zu lassen.” “Du bist aber komisch!?” “Glückwunsch, das ist den meisten so schnell noch nicht aufgefallen.”
Leute die mich volllabern und mit ihrer penetrant guten Laune anstecken wollen, ich hasse sie! Leute deren Pseudo Bewegungen andeuten sollen sie seien mindestens so gut drauf wie die Leute im letzten Akon Pool Video, Leute die fast so lange für ihr Outfit gebraucht haben wie sie es dann tragen, Leute die alles scheiße finden weil sie heute der Fahrer sind und sich nicht bis zum Anschlag benebeln können, Leute die vorgeben immer so zu sein wie sie sich gerade geben und Leute die da sind, weil ihnen sonst langweilig wäre, ich hasse sie alle!
Clubben wird schnell zur Tortur für mich. Die Anstrengung über einen eher lächerlichen Zeitraum von drei bis vier Stunden eigentlich nichts zu tun, oder zumindest nichts Produktives, fördert bei mir maximal die geistige Müdigkeit. Die Musik dagegen treibt mich entweder sofort woanders hin (langweilig!) oder meinen Körper in vermeintlich gefühlte Fitnesszustände, die erstmal wieder runterkommen müssen. Auch wenn ich selbst auflege, müsste ich auf die tatsächliche Spielzeit im Prinzip noch die Zeit drauf rechnen die mein Körper danach braucht um annähernd schlafbereit zu sein.
Bis heute bin ich mir unsicher, ob der regelmäßige wenig Schlaf- oder der unregelmäßige und damit auch unterschiedlich lange (Nachtleben-)Schlaf-Rhythmus meinem Körper mehr schadet. Das ist wohl die Crux aus dem ständigen Spiel mit Antrieb und Ausgleich. Fakt ist nur: Clubben macht’s bei mir auf keinen Fall besser.
Stellt sich abschließend nur noch die Frage, ob Clubben überhaupt irgendwas besser macht? Könnte man bei Gelegenheit ja mal genauer ausdiscotieren.