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Artikel der Kategorie ‘clubs & events’

Das war’s

November 29, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

So, jetzt hätten wir das also auch erledigt. Das DJ-Ding ist durch. Die letzte Party gefeiert. Zumindest die, die ich musikalisch im Wesentlichen mit gestaltet habe. Und, was soll ich sagen, ich bin schon ein bisschen traurig. Aber so ist das Leben, wa!?

Ein typischer Satz für einen Berufsmelancholiker wie mich. So hat mich jedenfalls mein Freund RAM in seinem Beitrag zu meinem letzten Mixtape am Freitag genannt. Ganz unrecht hat er ja nicht. Positive Texte fallen mir zumindest schwerer, wie auch Frau K. aus Doppel-A schon zu bemerken wusste. Ist halt nicht alles Gold was glänzt, sage ich dazu nur. Und es nicht mein Style Dinge schön zu reden. Bringt ja auch niemand was.

Jetzt habe ich ‘I can see clearly now, the rain has gone’ im Ohr. Weiß nicht warum. Ich stehe auf Regen. Das finde ich allerdings eher romantisch als melancholisch. Straight from the heart und so, ihr wisst Bescheid. So wie ich meinen letzten Auftritt angehen wollte.

Hatte alles minutiös durchgeplant. Und trotzdem war ich angespannt. Hatte zwar keine Sorgen, dass alles klappt, aber ich war damit beschäftigt meine eigene Erwartungshaltung nach unten zu schrauben. Denn, eine wesentliche Erfahrung in diesem Business ist, wenn Du zu hohe Erwartungen hast, funktioniert es nie so, wie Du es Dir vorgestellt hast.

Eine gute Party hängt von wenigen, aber wichtigen organisatorischen Faktoren ab, eine legendäre hingegen ist schlicht und einfach unplanbar und hängt an zum größten Teil nicht greifbaren und nicht beeinflussbaren Details.

Nicht zuletzt deswegen glaube ich, dass man in großen Locations nie die beste Party seines Lebens feiern wird. Never ever wirst du dich mit fünfhundert ähnlich coolen Leuten zufällig zu der Nacht deines Lebens treffen. So etwas passiert in einem kleineren Kreis. Oder gar nicht. Da geht es um viele Dinge, aber vor allem um eine: Persönlichkeit.

Die Gefahr in kleineren Locations ist halt immer, dass genau das Gegenteil passiert. Die Leute sind nicht okay, sie sind fürchterlich. So was kann immer mal vorkommen und lässt sich höchstens mit Beharrlichkeit einigermaßen steuern. Ein Fremdwort für viele Veranstalter übrigens.

Ich habe in großen Clubs angefangen und kleine schneller in mein Herz geschlossen. In kleinen verdient man normalerweise halt nicht so gut. Aber dann steht man eben vor der Wahl. “Some people do it all for money, and some do it all for the love”. Beides okay. Und legitim. Man muss nur dazu stehen. Nichts ging mir mehr auf den Sack als die, deren Gier nach Geld oder Anerkennung ihren eigenen Idealen im Weg standen, sofern sie überhaupt welche hatten. Das bringt es wohl am besten auf den Punkt und musste noch mal gesagt werden.

Zum Glück hielten sich die Kritikpunkte an meinem letzten Gig echt in Grenzen. Habe schließlich nicht umsonst die letzten Jahre fleißig aussortiert. Und ich bin auch davon weg gekommen Leute zu zuspammen. Eine einfache Information muss reichen, um ehrliches Interesse zu wecken. Alles andere ist nur ein großes Spiel, bei dem unfassbar viel Energie vergeudet wird. Mein Theorie.

Party ist echt nicht alles im Leben. Menschen haben irgendwann etwas besseres zu tun am Samstag Abend. Und die Suche, wie ich das gerne nenne, ist irgendwann auch vorbei. Oder sie geht, wie in meinem Fall, einfach nur in eine andere Richtung weiter.

Dabei fällt mir ein, hat sich schon mal jemand überlegt, dass “die Party” sowohl vergänglich als auch zeitlos ist. Sie wird immer gefeiert weiter, irgendwo und irgendwie. Nur mit anderen Personen und aus anderen Intentionen heraus. Wie Liebe. Zum Beispiel.

Meine letzte, vergangenen Samstag, in der Corso, meinem dritten Wohnzimmer, mit sehr, sehr vielen Leuten, die ich mag und die gekommen waren, um noch einmal erbarmungslos mit mir zu feiern, war, trotz all jener geradezu fantastischer Vorraussetzungen, nicht die allerbeste Party meines Lebens bisher. Aber sie wird mir immer in Erinnerung bleiben. Und sie zählt schon auch zu den Top-Five, keine Frage.

Mein Set war nur etwas verstörend. Dafür aber auch umso authentischer, schließlich fühlte ich mich auch total verstört. Erst die ganzen Menschen, dann die ganzen Glückwünsche (ich habe in meinen Geburtstag rein gefeiert, falls ich es bisher vergessen habe zu erwähnen) und dann die ganze Party. Viele Impressionen und so.Vielleicht zu viele für nur eine Nacht. Einschließlich den vorher ausgeschriebenen Sex-Angeboten auf dem Klo, die ich dann aber doch ausgeschlagen habe. Man muss eben auch mal nein sagen können im Leben.

Habe dann übrigens auch bewusst nicht auf mein Handy geschaut beim Auflegen. Und weder Bilder noch Videos gemacht. Wollte diesen Moment mal nicht digital speichern, sondern eher so oldschool. If you know what i mean.

Und, was soll ich sagen, es hat geklappt. Habe ich endgültig gemerkt, als die Glückseligkeit beim letzten Lied die Trauer darüber verdrängt hat. Das Leben ist immer noch gut. Nur anders. Genau wie die Zeiten, die wir alle erlebt haben, gerade erleben und noch erleben werden.

In diesem Sinne, Freunde, bevor es zu melancholisch wird, sage ich einfach Danke für die letzten fünf Jahre Party.

xoxo

p.s.: Ich könnte jetzt tausend Songs dazu posten, aber das ist der beste davon. Inklusive dem Video dazu.

Kid Cudi – Pursuit Of Happiness

Pursuit of Happiness (Nightmare) [feat. MGMT & Ratatat] - Man On the Moon - The End of Day (Expanded Version)

Die Zeit ist gekommen…

November 25, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events Kommentare deaktiviert

One day to go. Ich weiß es wird gut. Aber noch freue ich mich nicht so richtig. Bin angespannt. Habe Schlafstörungen. Und Rückenschmerzen wie Hölle. Sven, wenn Du das hier liest, wir müssen uns nächste Woche noch mal unterhalten.

Ich bin ehrlich, ich bin froh wenn es vorbei ist. Ich bereue die Entscheidung nicht. Und ich habe sie immer noch nicht ernsthaft in Frage gestellt. Ich weiß einfach, dass es richtig ist. Für mich und mein Leben. Ich habe das Gefühl den Fuß von der Bremse zu nehmen.

Keine um die Ohren geschlagene Nächte mehr. Keine Groupies. Und kein Gedisse. Ist mir alles echt total kack egal. DJs sollen DJs bleiben, aber mich verdammt noch mal in Ruhe lassen. Ich scheiß auf eure Ego-Probleme. Ich bekomme auch so Groupie-Love. Weil ich einfach ein cooler Typ bin. In meiner Welt natürlich der coolste, eh klar.

Aber ernsthaft, ich habe mich noch nie darüber profiliert. Ich bin DJ geworden, weil ich Musik liebe. Sie ist elementar für mein verficktes Leben. Ich kann nicht ohne. Geht einfach nicht. True story!

Leider bin ich total unbegabt was Musikinstrumente spielen, singen oder produzieren angeht. Ich kann nur hören. Aber das reicht um DJ zu werden. Ehrlich, es ist nicht so schwer. Zumindest um eine ordentliche Party zu feiern braucht es nicht das Übertalent am Mischpult.

Am Anfang, als ich noch nicht richtig mixen konnte, habe ich immer gesagt, der nächste Song ist wichtiger als der Mix dahin. Dazu stehe ich heute noch. Wenn man das Publikum nicht lesen kann oder will, hat man verdammt noch mal nichts hinter einem DJ-Pult verloren! Aber was rege ich mich eigentlich noch darüber auf, am Ende gilt eines immer: You get what you give.

Ich habe viel von mir gegeben die letzten fünf Jahre. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich es jetzt einfach wegschmeiße. Ich habe viel mitgenommen, gutes wie schlechtes. Jede Erfahrung macht einen ja auch erfahrener, wie ich ab sofort immer sagen werde.

Der Trick ist ja die guten Dinge mitzunehmen und aus den schlechten zu lernen. Wie in einer Beziehung. Ich scheiß auf „die nächste ist die letzte“. Ich werde mich solange nicht festlegen, so lange mir die Welt noch so viele Chancen eröffnet.

Ein paar Jahre lange in Clubs auflegen kann man schon mal machen, keine Frage, aber da draußen gibt es noch deutlich mehr zu entdecken. Kann man halt nicht wissen, wenn man nicht über den Tellerrand schauen kann. Meine absolute Lieblingsfloskel übrigens.

Und, wenn mir eines wirklich bewusst geworden ist die letzten Jahre, unabhängig vom Auflegen, dann dass das wertvollste was dir das Leben mitgegeben hat Zeit ist. Da bin ich total down mit Flavour Flav sozusagen. Werde mir vielleicht auch noch ne riesige Uhr um den Hals hängen am Samstag. Weiß ich noch nicht. Habe viel zu viele Ideen meinen Abgang pompös zu inszenieren.

Vielleicht mache ich auch einfach gar nichts. Understatement und so. Ach was weiß ich denn? Die schönsten Momente im Leben sind ja eh unplanbar. Behaupte ich jetzt einfach mal und beschäftige mich weiter mit meinem Set. Würde natürlich am liebsten alle meine Lieblingssongs spielen, aber wie soll man das schaffen in dreieinhalb Stunden? Unmöglich!

Deswegen, soviel kann ich garantieren, gibt es einen fluffigen Querschnitt aus allem was mich und jede gute Tanzfläche der Welt bewegt. Und in der letzten halben Stunde wird’s vielleicht ein bisschen sentimental. Ehrensache. Wenn sich die Möglichkeit bietet habe ich da aber schon Sex auf dem Klo. Das wollte ich noch abhaken bevor ich abtrete.

Ansonsten gibt’s nicht mehr viel zu sagen. Ich lasse mich einfach überraschen was die Nacht bringen wird. Das wichtigste an dem Abend bin schließlich nicht ich, sondern die Zeit, die ich mit all denen teilen darf, die mich in den letzten Jahren begleitet und unterstützt haben. Und davon haben sich fast alle angekündigt. Das macht mich unbezahlbar glücklich. Ich danke euch.

xoxo

p.s.: Damit Ihr wisst wann wirklich Schluss ist und Ihr mich zum letzten Mal abklatschen dürft, verrate ich an dieser Stelle schon die letzten zwei Lieder und meinen letzten Übergang.

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In diesem Sinne: Life is good, waste it!

Nachtleben #7 – Struktur

November 14, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

Mir fehlt gerade etwas die Struktur. Das ist der dritte Text, den ich in nur sehr kurzer Zeit anfange. Ich versuche Gedanken zu sammeln, aber ich kann sie nicht miteinander verbinden. Ein Fließtext scheint unmöglich. Zu verwirrend alles. Jetzt brauche ich einen guten Song. Oder besser, ein gutes Album. Am besten eines, das genauso verwirrend ist und keine zusammenhängende Geschichte erzählt. Glücklicherweise ist das ja bei den meisten so…

Ich denke über die oft in Frage gestellte Definition des DJs nach. Meine ist: Wenn Du keine zwei Songs auf Vinyl ineinander mischen kannst, bist Du keiner! Ernsthaft. Dann hast Du einfach schon mal das Grundding nicht verstanden. Gott, würde ich gerne mal jemandem im Club seine Midi-Konsole zerstören, so wie im Video ‚Smack My Bitch Up‘ von The Prodigdy. Und dann stelle ich ihm einen vollbepackten Plattenkoffer hin. Kommentarlos. Geile Idee!

Fast so gut wie die, die irgendeinen, der das jetzt liest, unermesslich reich machen wird. Die ‚Resteficken-App‘. Dabei kann jeder User noch während der Party angeben wie weit er bereit ist zu sinken, um jetzt noch einen wegzustecken. Abgerechnet wird natürlich pro Annonce, bei der zudem auch angeben kann in welcher körperlichen und mentalen Verfassung man sich gerade befindet- stark angetrunken, sexuell frustriert, abenteuerlustig, einsam, generell ungeliebt, oversexed and underfucked, und so weiter. Bild hochladen geht zwar, wird aber nur in wenigen Fällen auch angeraten.  P.s.: Der erste, der damit wirklich reich wird, bitte mich in den Credits erwähnen, als Visionär. Danke.

Seit neustem glaube ich übrigens, dass, wenn dem Erfolg einer Party irgendetwas im Wege steht, das im Wesentlichen fehlender Respekt ist. Respekt der Gäste, DJs und Veranstalter- untereinander. Oder es ist doch nur mangelnde Intelligenz. Ach, ich weiß es nicht. Spielt es überhaupt eine Rolle? Eine andere Theorie von mir besagt schließlich, dass ab zwei Uhr nachts eh nichts mehr richtig zählt.

Diese Widersprüche in mir machen mich fertig. Und sie sind die Legitimation von grau in meinem Leben, wenn Ihr versteht was ich damit meine.

Im Hintergrund läuft gerade mein Fernseher. Ein Konzert von Revolverheld. Es ist wie ein Sinnbild dafür, dass überall wo Sonne scheint auch ein Schatten fällt. Warum gibt es eigentlich niemand, der sowas einfach verbieten kann? Wie die GEMA, nur in cool. >>Leider kann dieses Konzert nicht bedenkenfrei ausgestrahlt werden, da es Musik enthält, für die die Geschmackspolizei nicht die erforderlichen Rechte eingeräumt hat. Das tut uns leid. <<

Wunschvorstellung, ich weiß. Wie die, dass das Radio endlich stirbt. Mir fällt echt nichts ein, was noch schneller gewachsen ist, als mein Hass auf das Medium Radio. Und es macht mittlerweile auch so gar keinen Sinn mehr, das Radio. Zumindest für Leute, die bis drei zählen können. Mal ernsthaft, wer heute noch überzeugt Radio hört, besitzt auf gar keinen Fall die Intelligenz Musik überhaupt verstehen zu können. Geschweige denn die Leidenschaft sie wirklich zu fühlen.

Apropos Leidenschaft, erst letzte Woche haben wir noch darüber gesprochen, dass sich jeder in einen Club stellen kann und Tracks abspielen. Aber die wenigsten haben ein Gefühl dafür. Weder für den Club, noch für das Publikum, aber vor allem nicht für die Musik.

Ich habe viele DJs getroffen, die okay waren. Die wenigsten waren aber mit der Professionalität und Leidenschaft dabei, mit der sie dabei sein hätten sollen. Und, wenn ich ehrlich zu mir selber bin, glaube ich, dass ich im Laufe der letzten Jahre und Gigs ein Stück eben jener Leidenschaft verloren habe. Kein großes, aber trotzdem ein bedenkliches. So bedenklich zumindest, dass ich meine Entscheidung noch nicht ernsthaft in Frage gestellt habe. Was mich aber noch viel mehr fasziniert, ist die Tatsache, dass ich seit meiner Ankündigung, frei und vor allem viel entspannter aufspiele, als davor.

Vorletzte Woche zum Beispiel. Ein Club im nirgendwo. So sehr im Nirgendwo, dass wir Kühe riechen und Ziegen hören. So sehr im Nirgendwo, dass Leute zu Danza Koduro (ich bin echt zu desinteressiert und faul, um zu recherchieren, ob das richtig geschrieben ist!) ausflippen, mit ‚Woiza‘ in der Hand und Gehirn im Schoß. So sehr im Nirgendwo, dass mein Shirt definitiv zu cool dafür ist. So sehr im Nirgendwo, dass Menschen sich tatsächlich erst Bushido und dann Bryan Adams wünschen (True Story!), während im Hintergrund Jason Derulo gerade mal wieder am Anfang eines Songs seinen eigenen Namen singt. Es ist zusammengefasst nicht mehr als ein ‘Ey ho, let’s’ go, wie Taio Cruz sagen würde.

Normalerweise wäre ich aus dem Kopf schütteln nicht mehr rausgekommen, aber dieses Mal konnte ich nicht mit Grinsen aufhören. Selbst dann nicht als ich diesem einem, unbeschreiblich absurden Typen erklärte, dass hier zwar offensichtlich scheiß Musik läuft, aber auch das ein Grenze hat. In diesem Fall halt Bushido.  Des weiteren konnte ich mir es nicht verkneifen zu erwähnen, dass ‚Summer of 69‘ das zweitschlechteste Lied der Welt ist, nach ‚Sweet Home Alabama‘. Man möge sich an dieser Stelle ja gar nicht erst vorstellen, was für eine Kindheit der Nachwuchs solcher Menschen durzustehen hat.

Kurze Zeit später fällt mir, immer noch grinsend, auf, dass ich wirklich zu alt für den Scheiß bin, es  aber wenigstens erkannt habe und nicht nur ständig darüber rede. Und das wiederum lässt mich glauben, dass ich so einigen einen Schritt voraus bin. Dann blicke wieder in die Menge, wir spielen mittlerweile abwechselnd, der Langeweile wegen. Mein Kollege, auf den nichts Negatives aus diesem Text zutrifft, spielt 2Pac mit ‚Changes‘, ein absolutes No Go für jede Party, die etwas mit Coolness zu tun haben möchte, aber es spiegelt die Situation eben so gut wieder. Gib dem Affen Zucker lautet die Devise. Ich spiele mit ‚Hip Hop Is Dead‘, einen wirklich fetter Track und wir feiern uns selber für die Message der Kombination der beiden Tracks. Kapiert natürlich keiner. Aber wir sind ja auch im Nirgendwo. Dabei bestätigt sich mir aber meine eigene, vor Jahren aufgestellte Theorie, der Frage nach dem, was es dir bringt einen Schritt voraus zu sein, wenn alle anderen zwei hinterher hinken.

Guter Satz, um ihn jetzt einfach mal so im Raum stehen zu lassen. (Finde, dafür hab ich auch ‘nen Bambi verdient. Kategorie egal.) Werde dann wieder darauf eingehen, wenn ich eine zufriedenstellende Antwort parat habe. Bis dahin rate ich allen, denen es ebenfalls an Struktur und Antworten mangelt, als Gegenbewegung quasi, und bis eine Besserung in Sicht ist, zu unkontrolliertem und rüdem Aufhüpfen. Und wenn’s nur für die Seele ist.

In diesem Sinne, ein aus dem tiefsten Herzen kommendes

xoxo

Der Song dazu:

Black Machine – Funky Funky People (Other Mix)

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Black Machine

Chilly fucking Gonzales

November 04, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events Kommentare deaktiviert

Thema: Chilly Gonzales – oder auch: Kultur trifft meinen Humor

3.11.2011, Chilly Gonzales and The Quintet live in Mannheim in der Alten Feuerwache. Ich wollte unbedingt hin. Habe Chilly schon vor knapp drei Monaten in Hamburg verpasst. War krank. Und deswegen doppelt frustriert. Bin spätestens seit ‘Ivory Tower’ großer Fän und wollte das unbedingt mal hautnah erleben.

Also hab ich erst mal wieder alle möglichen Leute vollgelabert. Hey Chilly Gonzales, kennste nicht? Der Shit! Glaub mir, muss man mal gesehen haben. Und die Chance bietet sich nicht so oft. Wann habe ich Dir jemals was uncooles empfohlen? Siehste! Machmer!

So oder so ungefähr und mein Auto nach Mannheim war tatsächlich vollbepackt. Mit tollen Menschen, die das Leben schöner machen. Oh mann, jetzt habe ich ‘nen Ohrwurm. Und trotzdem weiß ich spontan nicht aus welcher Werbung der Song ist. Wisst Ihr was ich meine? Haben die Marketingstrategen wohl doch versagt. Fett!

Jedenfalls, Auto fahren nervt! Zumindest zum Feierabendverkehr von Stuttgart nach Mannheim. Und nichts nervt mehr als stockender Verkehr, weil Leute zu blöd sind, um ein Reisverschlussverfahren richtig zu machen. So kommen wir schlussendlich auch zehn Minuten zu spät. Chilly spielt schon. Wir stehen ganz hinten. Noch hinter den Sitzreihen. Normalerweise nervt mich das, weil ich gehöre zu den Menschen, die nicht gerne lange ruhig stehen. Ich muss mich ständig bewegen. Und damit nerve ich meistens meine Nebenleute. Aber wir sind schnell abgelenkt von dem was sich auf der Bühne abspielt.

Wie soll man das jetzt am besten jemandem beschreiben, der noch nie was von Chilly Gonzales gehört hat? Im grundsätzlichen Sinne ist das Klassik, würde ich sagen. Chilly ist Pianist, knapp vierzig und naja, er ist eindeutig verrückt. “Ach deswegen magst Du ihn so”, flüstert mir meine Begleitung nach zwei Songs ins Ohr. Sie hat Recht. Ich fühle mich auf der einen Seite irgendwie kulturell interessiert, gar kultiviert und, auf der anderen, doch humortechnisch voll angesprochen. Ja, es ist ein Widerspruch. Zumindest für die Mehrheit der Leute, die mich kennen.

Ich bin fasziniert davon, wie Chilly Gonzales es schafft, Menschen, die sich für wirklich kulturell interessiert halten, weil sie mit ihren Weintrinker-Freunden ein Konzert im Rahmen der Jazz-Tage besuchen, erst mit einem Vortrag über den Unterschied zwischen einem 4/4-Takt und ‘nem 3/4 Takt und dann mit einem abartigen Piano-Solo, zu dem er Sätze wie ‘I put it in your mouth, so you don’t see it coming’ rappt, zu entertainen.

Eineinhalb Stunden verfliegen, wie ich es davor nur selten erlebt habe. Er spielt, er erklärt, er unterhält. Die Kompositionen sind groß und kommen live mit Streichern noch mal ein Stück pompöser rüber. Die Showeinlagen machen ihrem Namen alle Ehre und unterbewusst schafft er damit etwas, was nur wenige können: Er verbindet Geschmäcker und Generationen, lässt sie dabei geradezu verschmelzen und schmettert sie einem dann direkt ungefiltert in die Gehörgänge. Er macht Dinge, die man irgendwie auch erwartet von jemandem, der in Bademantel und Slippern auf der Bühne steht. Perfektes Image, das er sich da aufgebaut hat. Man glaubt ihm einfach, dass er immer so rumläuft. Und dabei immer bereit ist für den nächsten genialen Einfall.

Die Zeit zwischen jenen Einfällen vertreibt er sich mit Weltrekordversuchen im Piano am Stück spielen (27 Stunden) und Showcases zusammen mit Künstlern wie Feist, Helge Schneider oder A-Trak. Musikalisch betrachtet macht er den Anschein, als ob es einfach nichts gibt, was nicht in seiner Vorstellungskraft liegt. Das ist so authentisch, dass man es erst gar nicht in Frage stellt.

In der Zugabe erzählt er dann wie simpel die Komposition von ‘Never Stop’, der Titelmelodie des Apple iPads, in Wirklichkeit wahr. Stolz ist er trotzdem, das merkt man man. Vielmehr überwiegt dabei allerdings die ehrliche Freude darüber, dass er so mit seiner Kunst noch mehr Leute auf sich aufmerksam machen konnte. Und dafür lebt ein Künstler ja schließlich. Und, sehen wir das mal realistisch, Kunst wird ja erst dann zu welcher, wenn irgendjemand anderer sie so bezeichnen würde, oder?

Ich persönlich tue das. Und ich wünsche mir, dass dieser Knaller-Typ Chilly Gonzales irgendwann mal die ganz großen Hallen ausverkauft, denn, ich bin überzeugt davon, auch die würde er genauso erfolgreich unterhalten können. Klar, man sollte eine gewisse Offenheit für Klassik, das Piano, Streicher, offenherzige Worte und, sagen wir einfach mal Verrücktheiten, mitbringen. Aber im Prinzip reicht auch wirklich schon eine Brise Liebe zur Musik, um eine Chilly Gonzales Show großartig zu finden.

In diesem Sinne ermutige ich hiermit alle, die bis hierhin gelesen haben, höret weiter!

xoxo

Chilly Gonzales – Never Stop (Rap Version)


(click to full prelisten)

 


(click to full prelisten)

Chilly Gonzales live @ La Cigale (Paris / 06.06.11)

YouTube Preview Image

Chilly Gonzales on Chilly Gonzales

Nachtleben #6 – Vorwärts leben, rückwärts verstehen

November 01, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

Aktuell gilt in meinem Leben nur eines hauptsächlich, ich verstehe wie ich zähle: Rückwärts. In 26 Tagen werde ich meinen letzten Übergang im Club spielen. Welche zwei Songs das sein werden weiß ich noch nicht. Sind derzeit so knapp zehn in der engeren Auswahl. Ich weiß nur, dass ich danach einen Hammer und einen Nagel nehme, um selbigen erst in die Wand hinter mir zu schlagen, um dann wiederum meinen Kopfhörer daran aufhängen zu können. Der Symbolik wegen und so.

Dann habe ich ein Statussymbol weniger. Also den Kopfhörer, nicht den Hammer. Aber Leute mit Charakter brauchen auch keine, habe ich mir neulich überlegt. Also Statussymbole. Und was mich persönlich angeht, sage ich außerdem auch: I don’t need no groupie love. Egal ob mit oder ohne Kopfhörer.

Vergangenes Wochenende war lang und auch ergiebig. Brücken-und Feiertag. Insgesamt also eigentlich fünf Tage, beziehungsweise Nächte. (Ich zähle Donnerstag mit.) Die ersten drei war ich mit dabei. Eine Seltenheit in den letzten Jahren, wie mir gerade auffällt. Man ist halt echt keine achtzehn mehr und wacht am nächsten Tag auch nicht mehr ohne ‘Kopf’ auf. Knapp acht Jahre später muss man sich leider eingestehen, dass es rapide abwärts geht. Ich hab dann oft den Gedanken, hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es irgendwie anders gemacht. Generell klasse Weisheit für Leute, die genauso ungern im Voraus planen wie ich. Und überraschender Weise noch nie der Refrain eines deutschen Singer-Songwriter Songs. Oder es gibt doch einen und er ist nur an mir vorbeigegangen. Könnte jetzt Google fragen, aber der Satz lebt irgendwie davon, dass ich die Antwort eben nicht weiß.

Jedenfalls denke ich mir dann, solange ich noch nicht jeden Sonntag Mittag den gleichen mitleidserhaschenden Satz auf Facebook poste, ist alles noch irgendwie im Rahmen. Allen anderen, die genau das tun, möchte ich auf diesem Weg mal mitteilen, ja, “Ihr seid wirklich zu alt für den Scheiß!” Hört einfach auf damit und sucht Euch reale Freunde, die Ihr vollheulen könnt! Wenn Ihr Glück habt findet Ihr vielleicht auch jemand, der Euch mal dezent darauf hinweist, dass ‘ne Flasche Schnaps am Abend, weil man es sonst nicht erträgt, nicht weit davon weg ist, irgendwann mit gleich bedauernswert schwachen Persönlichkeiten in “Kur” zu gehen. Aber ganz ehrlich jetzt, was kümmern mich eigentlich die Alkoholprobleme von anderen?

Mit irgendwas muss man ja schließlich die Abgründe erklären, die sich da so auftun. Und warum Selbstkritik am eigenen Anstand, wenn man es so einfach auf den unkontrollierten Konsum von Hochprozentigem schieben kann?

Nicht zuletzt deswegen nehme ich einfach schon lange nichts mehr ernst, was nach zwei Uhr nachts passiert. Stichwort Wahrnehmungsverschiebung. Alternativ auch back to the roots. Jäger und Sammler-Triebe, die sich von den ursprünglichen höchstens im dabei lang zurecht gelegten Outfit unterscheiden. Manchmal warte ich zwischen vier und sechs Uhr nur noch darauf, dass einer mit ‘ner Keule reinkommt, ein paarungswilliges Weibchen erlegt, auf die Schulter wirft und grunzend wieder von dannen zieht. Wäre nicht nur voll Retro, hätte oft auch noch mehr Stil als alles andere was sich jetzt abspielt, um noch irgendjemand begatten zu können. Resteficken eben. Oder Tiefseeanglen. Trifft es beides ganz gut.

Ich will einfach nicht wissen warum und wie genau andere Menschen leichtfertig Geschlechtskrankheiten in Kauf nehmen. Und wofür? Kosten und Ertrag stehen dabei auf keinen Fall in Relation, um das jetzt auch mal so unsexy auszudrücken wie es meistens auch ist. Bringt mich zu der Theorie, dass Nachtleben eine noch größere Hure ist, als die Hure selber.

Das einzige was dabei am Ende für mich persönlich und meinen gerne ausgelebten Beobachtungsfetischismus hängen bleibt, ist der Beweis der Existenz von Menschen, die RTL schauen und im Zweifelsfall auch gleich noch die Vorlage für die Scripter liefern. Den Job könnte ich übrigens wirklich sofort und ohne Probleme antreten, wenn ich nicht doch noch eine gewisse Restmoral besitzen würde.

Ich mag sehr wenige Menschen aus dem Nachtleben ist mir aufgefallen. Also  zumindest in Relation zu denen, die ich dabei kennengelernt habe. Mein scharfsinniger Verstand sagt mir aber, dass das vermutlich auch am Tag nicht anders ist. Der Unterschied ist nur, dass die meisten am Tag versuchen so gut wie möglich zu verstecken, was für riesengroße Idioten sie eigentlich sind. Nachts dagegen mutiert ja jeder irgendwie. (Wollte nicht verwandeln schreiben, weil mutieren viel drastischer klingt.) Ist zwar auch irgendwie ehrlicher, dafür aber auch umso bedenklicher.

Besondere Menschen sind rar gesät. So oder so. Und für mich gilt: Um so besonderer, umso weniger Klischees erfüllen sie. Nikes im Club und Stiefel im Bett, das ist die wahre Coolness, Mädels! Zumindest für mich ginge das schon mal Richtung die Richtige. Aber was mache ich mir vor? Liebe ist ja mittlerweile auch nur so ein verficktes Gefühl, dass einem von Hollywood vorgegaukelt wird. Völlig übertriebene Happy Ends, die ehrlich gemeinte ausgesprochene Liebe als nicht besonders genug abstempelt. Echt super Nummer. Danke Julia Roberts und Co.!

Nichts ist einfacher als Leute im Kino glücklich zu machen. Die Kunst ist sie zum Weinen zu bringen. Emotionen statt Triebe. Oder eben Emotionen und Triebe. Egal was Du tust, tu‘s einfach mit Liebe. Sei eine Hure, kein Problem, aber sei endlich auch Dein eigener Zuhälter!

Vielleicht klappt’s ja irgendwann mal, wer weiß? Weil wenn es eines sicher ist, dann dass Zeiten sich ändern. Und Dich. Wie Bushido schon wusste.

Dazu passt auch meine neue Lieblingsweisheit, die ich neulich in einem Songtext gehört habe und seitdem auf Wahrheit prüfe: „Wer nie vom Weg abkommt, bleibt meistens auf der Strecke.“ U2! Wie Bono Vox sagen würde.

In diesem Sinne, i might like you better, if we slept together. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur sehr unreif, weil die Antwort kenne ich ja schließlich schon.

Booka Shade vs. Amanda Blank – In White Rooms I Might Like You Better (Second Letter & Junior’s Party Banga)

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Amanda Blank

xxx

Update

(via perfect-heels.blogspot.com)

Nachtleben #5 – Die Stille nach dem Sturm

Oktober 26, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

Ich habe irgendwann mal geschrieben, dass Stille die zweitbeste Sache der Welt nach Musik ist. Ist mir neulich wieder eingefallen. Warum weiß ich nicht. Aber ich habe dann wieder darüber nachgedacht, kam allerdings zu keinem befriedigenden Ergebnis. Genau wie bei der Aufhören-mit-Auflegen-Sache. Ja, es beschäftigt mich sehr. Ist kein Geheimnis. Kann man ja hier alles nachlesen. Versuche mir das irgendwie selber schlüssig zu erklären mit jedem Text, den ich seit dem Entschluss schreibe. Und ich möchte mal festhalten, Entschluss ist Entschluss. Oder um den Lieblingssatz einer Freundin zu zitieren, es ist wie es ist!

Trotzdem ist es nicht einfach für mich. Denn, wenn ich ehrlich bin, wird es mein Leben schon irgendwie auch grundlegend verändern. Letzte Woche hatte ich den Gedanken, dass es ja zum Glück bald alles vorbei ist. Ich weiß nicht genau warum. Ich glaube, es belastet mich mittlerweile zu sehr. Also nicht wie einen Sebastian Deisler oder einen Ralf Ragnick. Aber ich spüre schon unterbewusst diesen Druck auf den Punkt da sein und abliefern zu müssen. Und das geht meist auf Kosten der Zeit drumherum. Eine gewisse Nervosität vor dem Club konnte ich mir bis heute nicht abgewöhnen. Ist aber vielleicht für den Club dann auch nicht so schlecht. Ähnlich wie Lampenfieber bei richtigen Künstlern.

Nach dem Club fällt dann immer alles von mir ab. Entspannung setzt ein. Und trotzdem kann ich nicht richtig schlafen. Der Tag danach, und der danach, sind oft total im Arsch. Erkennt man daran, dass mein Handy lautlos ist und ich wirklich nur das nötigste beantworte. Außerdem rede ich sehr wenig, weil ich keine Lust dazu habe.

Darüber hinaus glaube ich, dass ich einfach nicht dafür geschaffen bin in der Öffentlichkeit zu stehen. Auch wenn es nur eine popelige Dorf-Öffentlichkeit ist. Wenn ich mal reich und berühmt bin, also mein Pseudonym, dann werde ich auf jeden Fall jemanden dafür beschäftigen, öffentliche Termine für mich wahrzunehmen. Irgendeine Rampensau, die ekelhaft lässig mit der Kamera und dem Publikum spielt.
Ich war schon immer mehr der Typ im Hintergrund. Übrigens auch eine Philosophie von mir was eigene Events angeht: Die besten Veranstalter sind die, denen man es nicht ansieht. Impliziert damit auch schon mal sich nicht ausgiebig selbst zu feiern. Oder generell einen auf dicke Hose zu machen. Nichts ist schlimmer als Leute, die sich für prominent oder wichtig halten, aber weder das eine, noch das andere sind.

Vielleicht habe ich über die Sache mit der Stille nachgedacht, weil es danach ziemlich still werden wird am Wochenende. Zumindest mal stiller als zuvor. Und so sehr ich Menschenmassen hasse, brauche ich auch irgendwie Leben um mich rum. Ich muss dringend mitten in die Stadt ziehen! Stille muss meine Option werden, nicht der Normalfall. Bin echt nicht der Typ für’s Land.

Spitzen Überleitung zu unserer Party vergangenes Wochenende in Esslingen. Kopfhörer-Party. Heißt: Jeder bekommt ‘nen Kopfhörer und kann dann selber zwischen zwei Kanälen wählen, was, beziehungsweise welches DJ Set er hören möchte. Im Hintergrund ist es unterdessen still. Klingt erstmal absurd, und war es auch. Aber im positiven Sinne. Weil: Die kann man ruhig auch mal erweitern. Mal neue Wege gehen und so. Außerdem hat es gleichzeitig unser Hauptproblem gelöst, die Anwohnerbeschwerden. Auch wenn mir Leute, die in die Innenstadt ziehen, um sich dann am Wochenende über echt erträglichen Lärm zu beschweren, immer noch mehr als suspekt sind, musste man es so hinnehmen. Es ist eben wie es ist.

Mit der Kopfhörer-Geschichte hatten wir also mal was gewagt. Denn Gäste, besonders in Vorstädten, tun sich ja öfters mal ein bisschen schwer damit sich selbst zu darzustellen. Muss man aber, wenn man aber auf ‘ner Kopfhörer-Party steht. Da merkt man dann schon schnell, wem es immer noch wichtig ist, was sein Nebenmann von einem denkt. In der Masse untergehen funktioniert nicht mehr so richtig. Zum Glück haben wir generell gutes Publikum. Haben wir uns ja auch jahrelang hinerzogen, möchte ich jetzt mal so sagen.

Angefangen mit klaren Messages:

Über klare Ansagen: Wenn’s Stress gibt, gibt’s keine Partys. Und wer sich daneben benimmt, braucht auch gleich nie wieder kommen. Nicht mal zum Kaffee trinken mittags. Hat alles gezogen.

So war es, ehrlich gesagt, auch keine riesige Überraschung, dass wir noch mal ein Party-Highlight setzen konnten. Klar, es hat ein bisschen gedauert bis sich die Leute an die Kopfhörer gewöhnt hatten, aber davon war auch auszugehen. Dann war es aber schnell wirklich ausgelassen. Und ziemlich lustig. Mitgrölsongs hatten natürlich ‘nen kleinen Vorteil…

x

… was des Öfteren auch mal darin gemu(e)ndet ist, dass der eine Teil den Song auf Kanal A und der andere den auf Kanal B mitgesungen hat. Gerne auch mal auf der Toliette, weil der Empfang war auch bis dahin einwandfrei. Zudem hatte man das Gefühl die Leute haben mehr auf sich und ihre umstehenden Mitmenschen geachtet. Weniger Gedrängel, weniger Grundpegel und ganz einfach weniger Stress, der auf den Gast einprasselt. Und das wirkt sich auch aus. Ich würde sogar so weit gehen und die Stimmung als einzigartig bezeichnen. Kopfhörer auf gleich Partymodus, Kopfhörer ab gleich belustigtes Staunen. Ist einfach wirklich was ganz Eigenes. Ich würde es zwar nicht jede Woche haben wollen, aber ab und zu ist das definitiv ein Highlight. Und das Interesse daran wird wachsen, da bin ich mir sicher.

Zum Glück habe ich mich kurz vor meinem DJ-Ende noch getraut, das hier so durchzuziehen. Als Erster in der Region wohlgemerkt. Hab vielleicht doch einfach die dicksten Eier hier. Oder in meinem Kopf spielen sich eben noch verrücktere Sachen ab als in anderen. So oder so, wir hatten einen schönen Abend. Und das ist das einzige was am Ende zählt.

In diesem Sinne auf noch viele Abende, die einem in Erinnerung bleiben werden.

xoxo

Nachtleben #2 – Vorfreude

Oktober 15, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

Freitag, 14.10., 23.55 Uhr

Nach der geradezu überwältigenden Resonanz auf meinen letzten Text, sitze ich schon wieder am nächsten. Weil, nach der Party ist vor der Party, und morgen ist Blogwart-Treffen. Eine Partyreihe, die mein Freund RAM, Mastermind hinter Stuttgarts Most Famous Blog ever Kessel.tv, und ich ins Leben gerufen haben. Nette Idee, aerodynamite.TV meets Kessel.tv und so weiter. Mittlerweile schon zum fünften Mal. Und natürlich immer noch dort, wo alles angefangen hat, in der Corso.

Letztere ist in den letzten Monaten sowas wie mein drittes Wohnzimmer geworden. Kann man eigentlich immer hingehen. Good people, good music und kein überflüssiges Gehate. Eine Rarität in der Szene, wo sonst ganz gerne mal um 20 Euro mehr oder weniger Gage gefeilscht wird.

In der Corso läuft’s immer straight und fair. Und außerdem gehen die Themen auch oft übers Nachtleben hinaus, was mitunter recht angenehm ist.
Die einzige Schwierigkeit besteht darin nüchtern aus dem Laden zu kommen. Möchte gar nicht wissen wieviel Sambuca hier jedes Wochenende vernichtet wird. Immerhin bekomme ich mittlerweile, exklusiv sozusagen, Vodka (bitte russisch ausgesprochen denken), weil mir dieser Sambuca-Scheiß nicht schmeckt.

Des weiteren bleibt positiv festzuhalten, dass man es auch, ohne sonderlich überrascht oder gekränkt zu sein, akzeptiert, wenn man mal nichts Alkoholisches trinken möchte.
Hört sich jetzt zwar erstmal vernünftig an, aber man glaubt gar nicht wie oft einen Veranstalter oder DJ “Kollegen” blöd schauen, wenn man Wasser bestellt. Im Normalfall ist das auch das erste Anzeichen dafür, dass hier ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr viel zu holen ist, was irgendjemand morgen noch in Erinnerung wäre.
Da sagt man dann auch nichts mehr, wenn der andere DJ binnen fünf Liedern um knapp 30 BPM pitcht oder den verkackten Übergang auf den Crossfader schiebt. Was soll’s? Das einzige was die DJ-Diva neben mir morgen noch maximal weiß, sind seine Facebook-Status-Updates “checked in @…”, “… rockt” und “jetzt noch Döner und dann ab in die Falle, morgen geht’s genauso weiter”.

Für alle Dichties dieser Welt noch besser als ein Tagebuch, dieses Facebook. Aber ja ich weiß, wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein oder so ähnlich. Ich kann’s manchmal auch nicht lassen. Aber zu meiner Verteidigung, ich bin nachfolgend auch nicht sauer, wenn mich jemand deswegen aus seiner Freundesliste wirft oder auf verbergen setzt. Bin Fän, wenn sich die Spreu vom Weizen trennt.

Ich hätte gerne weniger virtuelle Freunde! Manchmal poste ich sogar was total abartiges, um zu überprüfen, wer danach immernoch zu mir hält. Killer Taktik, um sich noch beliebter zu machen! Ich glaube, wenn ich meine Kopfhörer endgültig an den Nagel gehängt habe, werfe ich erstmal hundert Leute raus. Einfach so.
Aber noch ist ja ein bisschen hin. Und solange bin ich noch top motiviert!

Lag die ganze Woche mit Grippe flach und habe hart daran gearbeitet morgen zumindest so fit zu sein, um ne Schachtel Zigaretten beim Legen zu rauchen. Das ist im Normalfall das letzte Zeichen dafür, dass es meinem Körper wieder gut genug geht. Und ich steh einfach so auf rauchen! Hab jetzt vier Tage nicht und mich dabei schon wieder voll auf die erste gefreut. Super Sache! Also in meiner Welt.

Jedenfalls bin ich so motiviert, dass ich seit Stunden neue Tracks suche, um meinem Set wieder ein bisschen mehr Pepp zu verleihen. Geiles Wort übrigens: Pepp! Klingt voll 80s igendwie.

Ich suche ein Mashup, das ich neulich im Club gehört habe. ‘Hit The Road Jack’, aber ich glaube in der Buster Poindexter Version, mit ‘Roc Boys’ von Jay-Z. Killer Ding. Wirklich.
Aber ich find es nicht! Macht mich wahnsinnig. Fühle mich wie vor fünf Jahren, als man noch ähnlich lang für den neusten Shit gesucht hat. Nix mit ‘lass mich das mal eben googlen’.

Egal. Hab ein paar andere nette Sachen gefunden. Mal morgen Mittag antesten. Wenn das Nachbarskind wieder schreit. Dann reiße ich erst meine Balkontür auf und dann die Anlage. Macht am meisten Spaß so. Und ist fast jeden Samstag das gleiche Spiel. Wie die Bundesliga.

Nun gut, habe ich hier schon wieder fett einen weggelabert. Dabei wollte ich ja eigentlich nur sagen, dass ich mich auf morgen freue. Bin total heiß drauf sozusagen. Kann ich auch noch einmal den RAM ärgern. Dumme Sprüche inklusive. Morgen hau ich alles raus, was ich Dir schon immer sagen wollte, RAM! Wird ein reiner Knaller!

In diesem Sinne bis zum Nachbericht.

xoxo

p.s.: Ich verschenke Gästeliste, weil ich a) so n knorke Typ bin, und b) weil ich es kann. Just message me. Am liebsten über Facebook.

Chilly Gonzales live @ La Cigale

Juni 22, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, live Noch keine Kommentare →

Chilly Gonzales, schon auf Tournee, mit Orchester. Representing sein neues Rap Orchester Album ‘The Unspeakable’. Was einen da so erwartet kann man hier schon mal vorfühlen.

Chilly Gonzales & Orchester live @ La Cigale (Paris / 06.06.11)

YouTube Preview Image

So., 26.06. Volksbühne Berlin
Di., 28.06. Kampnagel Hamburg

Southside #3

Juni 20, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events Noch keine Kommentare →

Tag 3. Aufstehen. Muss man immer, wenn man davor gelegen hat. Egal wo. Oder wie. Frühstück. Und gleich die erste Erkenntnis: Bei gekochten Eiern verhält es sich wie beim Sex, ich mag es härter. So, das Niveau wäre damit auch schon wieder im Keller. Wie die Temperaturen. Deprimierend. Es ist Mitte Juni und ich muss mich damit beschäftigen welche Jacke mehr wärmt. Demotivation macht sich breit. Aber wir müssen los.

Auf dem Gelände. Ich versinke im Schlamm. Der Wind pfeift. Vor Stärke 8 wird gewarnt. Frustrierend. Ich ziehe meine Sonnenbrille auf. Aus Protest. Ein Festival ist wie New York, es interessiert niemanden wie Du rumläufst.

Wir splitten uns. Ich irre erstmal wahllos umher. Das kann ich gut. Blue Stage. Brutale Indie-Pimmelhausen Bühne, um mal meinen ehemaligen Kollegen zu zitieren. Fuck yeah und so. Widerwärtig! British Sea Power. Ich höre nur Flächen. Und Bass. Die Anlage spackt total. Könnte man auch als Tontechniker bemerken. Egal. Wäre wahrscheinlich auch in gut nicht besser.

Kvelertak. Heavy Metal. Kann ich jetzt gar nicht gebrauchen. Ein warmes Plätzchen wäre aber wichtig. Da der Wind von rechts kommt, stelle ich mich links neben das FOH auf der Green Stage. Ich bin so clever. All Time Low spielen. Sie werden mir als die schlechteste Band des Wochenendes in Erinnerung bleiben. Denn wenn die Welt etwas überhaupt nicht braucht, dann noch eine College-Pop-Punk-Band aus Amerika, die es witzig finden über Masturbation zu singen. Und zwischen den Songs auch noch über Masturbation redet. Hauptsache ‚Fuck‘ gesagt. Solche Typen müssen kleine Pimmel haben. Meine Theorie.

Dann Jupiter Jones. Die will ich mir eigentlich nur anschauen, um meine Meinung, dass ich sie kacke finde, zu festigen. Es misslingt. Ich finde sie zwar nicht richtig gut, aber leider sehr sympathisch und authentisch. Allerdings treffen sie auch damit einfach nicht meinen Geschmack. Und ich bleibe dabei, dass sie, textlich betrachtet, auch zwischen Laith Al-Deen und den Söhnen Mannheims spielen könnten.

Ich muss mich setzen. Stehe immerhin ja schon wieder zwei Stunden. Ich hab das Gefühl, es gibt rapide abwärts mit mir. Dann schiebe ich es aber aufs Wetter. Schlechtes Wetter  demoralisiert mich. Und offensichtlich auch meinen Körper.

Knapp zwei Stunden später. Ich habe mich tatsächlich noch mal aufgerafft. White Stage. Circus. Gibt es über den Mittag mehrere Shows. Um mir das besser vorstellen zu können, schaue ich es mir mal an. Da ich es gerade noch so zur letzten Show des Wochenendes geschafft habe, kann ich es leider nicht mit einer anderen Show vergleichen. Ich mutmaße aber, dass es immer die gleiche Show ist. Oder zumindest ähnlich. Pantomimen, Artisten, BMX-Freestyler, ein Schlagzeuger, der zu pompösem Sound trommelt. Alles was man sich eben so vorstellt. Ach ja…und Robeat. Der beatboxt. Das nervt mich. Hat aber eher persönliche Gründe. Sowas passiert eben wenn man Künstler mal kennenlernt.  Immer gefährlich sowas. Kunst gut, Persönlichkeit nicht. Ist einfach eine schlechte Kombination. Für die Kunst. Aber unabhängig davon, das kann man festhalten, die Show war absolut entertaining.

Dann Two Door Cinema Club. Alles bestätigt sich. Die Musik top, das Publikum Flop. Wie sehr ich kleine Indiemädchen verabscheue. Unbeschreiblich. Was soll aus der Jugend werden, wenn man jemandem wie den Sänger von Two Door Cinema Club zum Vorbild hat? Also erstens ist das die allerletzte Kackfrisur, die ich je gesehen habe. Und zweitens kann man wohl schwer noch weniger Charisma versprühen.

Gogol Bordello. Mehr Charisma, weniger gute Musik. Für meinen Geschmack. Ich trinke Wasser. Und zähle die Minuten.  Mal den DASDING-Bereich checken. Ob die es jemals lernen etwas Spannendes da hin zu stellen? Ich bezweifle es leise. Wie ein Hund. Spricht nicht, kann aber verstehen.

Wie auch immer. Chase & Status auf der White Stage. Rocken gut. Sagt man doch so in der Szene, oder? Ein bisschen wie Prodigy. Gepaart mit Mike-Posner-Lala-R’n’B. Gewagt. Aber geht.

Kasabian. Blue Stage. Band top! Anlage immer noch unterirdisch. Ich höre an meinem Parkplatz, Luftlinie cirka 200m genauso gut…wenig, wie 20m direkt vor der Bühne. True story!

‚You can cut it here and we’re done!‘

Southside #2

Juni 19, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events Noch keine Kommentare →

Tag 2. Aufstehen. Schwierig. Fühle mich damaged, damaged. Erkenntnis 1: Trocknen der Sachen hat NICHTS gebracht. Jacke durch. Da muss schnell ne neue her. Ein Blick aus dem Fenster sagt nämlich gar nichts Gutes.

Aber erstmal frühstücken. Im Hotel inklusive. Und genau das was ich jetzt brauche. Eier, Obstsalat, n Saft und Meßkirchs Backwaren. Tight, wie ich in solchen Momenten gerne zu sagen pflege.

Dann aber husch, husch. Wir sind schließlich auf dem Dorf und es ist Samstag kurz vor 12. Da kann man mal berechtige Angst haben, nichts mehr einkaufen zu können.

Aber das Glück scheint uns hold zu sein. Keine zwanzig Meter weiter ein NKD (Niedrig Kalkuliert Discount). Per pedes. Ein Dorf kann auch Vorteile haben. Nichts desto trotz ist der Punkt gekommen, an dem Geschmack keine Rolle mehr spielt. Die erste, annähernd nach wasserfest aussehende Jacke wird gekauft.

Dann ein prägender Moment in meinem Leben. Ich dachte/hoffte, dass es NIE so weit kommen würde. Aber die Investition in ein paar Gummistiefel war an dieser Stelle mit keinem (un)vernünftigen Argument mehr abzuwenden. Dazu gleich auch noch mehrere Paar neue Socken. Ich hatte wohl etwas zu gutgläubig kalkuliert.

Nachdem diese Schmach also vom Tisch war, und wir zu allem Überfluss mit selbiger so viel Zeit vertrödelt hatten, dass wir eh nicht mehr rechtzeitig zu Yoav kommen sollten, fuhren wir trotzdem los. VIP Parkplatz sichern. Hat Dank dem Charme meiner Begleitung (natürlich weiblich) auch tatsächlich funktioniert. Was würde ich bloß ohne sie tun? Nicht zuletzt sie trieb mir auch wenige Minuten zuvor die allerletzten Flusen aus, doch keine Gummistiefel anzuziehen. Hab ich halt kein Style, dafür aber das Geld.

Ich kommentierte das des weiteren noch mit einem lässigen “ich finde, ich kann das tragen”, und, als ob dem noch nicht genug wäre, fotografierte ich, mit einer gehörigen Portion Reststolz, die inzwischen in Schlamm getränkten GS und speicherte dazu mental ab, dass ich fortan weiß, wie sich Leute fühlen, die später noch zu David Guetta gehen.

Jetzt aber genug rumgeflachst. Wir sind ja wegen der Musik hier. Everything Everything auf der Red Stage. Haben allerdings nur noch zwei Songs gehört. Das reichte nicht aus, um einen Satz wie ‘hätten sie sich lieber Nothing Nothing genannt’ mit Überzeugung rüberzubringen.

Green Stage. Blood Red Shoes. Gefällt schnell. Vor allem wegen der Sängerin. Die kann nicht nur singen, sie ist auch extrem süß. Ich kalkuliere meine Chancen ihr Hotelzimmer zu inspizieren. Dann realisiere ich allerdings, dass ich ja Gummistiefel trage. Naja, wenigstens sind die Füße warm und trocken.

Weiter auf die Blue Stage. Wir sind verabredet. Blöderweise hat sich der Zeitplan geändert und die Band, die wir sehen wollten, ist bereits fertig mit spielen. Klasse. Die Blue Stage mausert sich langsam aber sicher zum Flop des Wochenendes.

Wir ziehen weiter zu Darwin Deez. Gute Entscheidung. Die Red Stage grenzt an Überfüllung. Ich muss spontan an die Love Parade in Duisburg denken. Panisch suche ich nach möglichen Fluchtwegen auf denen ein McFit Logo abgebildet ist. Aber soweit kommt es natürlich nicht. Darwin Deez begeistern derweil die Massen. Exzess. Die Leute flippen total aus. Und das liegt nicht zuletzt an den choreografierten Zwischeneinlagen der Vier. Das läuft ganz klar unter Entertainment. Also so richtigem, meine ich. Nicht wie ‘Wetten, dass…’

Eine Stunde später sind wir etwas durchgeschwitzt, dafür aber alle gut drauf. Zeit zum Chillen. Und der Parkplatzwächter muss für morgen ja auch noch bestochen werden.

Kurze Zeit darauf drängen wir erneut ins Zelt. William Fitzsimmons spielt. Draußen werden wir noch über die Videoleinwand aufgeklärt, dass die Red Stage eigentlich überfüllt ist und wir deswegen bitte Verständnis haben sollen, dass niemand mehr reinkommt. Aber erstens kontrolliert das gerade gar niemand und zweitens sorgt Mister Fitzsimmons höchstpersönlich dafür, dass Leute in Scharen nach draußen stürmen. Sein Sound und er selbst nehmen sich da nichts: Beide haben sooo nen Bart (Insider). Aber dafür wird er wohl keine Einschlafprobleme haben.

Abendessen. Und an einer Umfrage via iPad (mit Taucherschutzfolie) teilnehmen. Wie stehst Du dem Unternehmen Telekom gegenüber? Schlecht! Stimmst Du folgender Aussage zu? Sponsoring ist okay…weil solche Events ohne Sponsoring gar nicht zu stemmen wären. Deine Mutter ist ohne Sponsoring nicht zu stemmen! Bewerte das Line-Up der einzelnen Bühnen. Blue Stage: Wo kann man hier ‘überflüssig’ ankreuzen? White Stage: Da waren wir ja noch gar nicht. Das gibt mir zu denken. Ich schaue rüber und sehe auf der Videoleinwand vor dem Zelt, dass Robeat gerade on stage performt. Das wiederum reicht mir, um einen Besuch guten Gewissens aufzuschieben. Da schaue ich lieber mal bei The Asteroids Galaxy Tour vorbei, bevor ich mich dann mental auf A-Trak vorbereite.

Doch soweit kommt es erst gar nicht, da stehe ich auf einmal ein paar Meter von A-Trak entfernt. Backstage. Er chillt. Ich versuche das Gleiche zu tun. Peinlich. Ich fühle mich wie ein Fänboy und muss ständig rüber schauen. DIE Chance auf ein gemeinsames Foto. Wo sind die aerodynamite.tv-Aufkleber? Ach verdammt, ich kann so was nicht bringen. Ich möchte einfach nicht aufdringlich sein. Und was kann man da auch sagen, was nicht total dämlich rüber kommt? Wir diskutieren es aus. Ich erläutere meinen Standpunkt mit Nachdruck, stelle mir aber währenddessen bereits die Kommentare zu dem Foto auf Facebook vor. Ändert jedoch nichts. Ich tue es nicht. Ist einfach nicht mein Ding. Außerdem ist A-Trak jetzt auch kurz vor seinem Auftritt und hinter der Bühne verschwunden. Ich begebe mich, aus Respekt, vor selbige und warte gespannt auf die Show.

Da stehe ich also. In Gummistiefeln. Und warte auf eines meiner DJ-Idole. Der blanke Hohn. Eine Situation ad absurdum sozusagen. Ich frage mich, warum es eigentlich keine Gummistiefel-Kollektion von Nike gibt? Und warum Kärcher keine Festivals sponsort? Zwei revolutionäre Ideen auf einmal. Und nur eine davon habe ich geklaut.

Dann habe ich keine Zeit mehr zu denken. A-Trak spielt. Und das tut er wirklich. Obwohl er ‘nur’ DJ ist und sich als solcher eben vorgestellt hat. Die ersten Scratches haben es bereits in sich. Dann driftet er allerdings etwas ab und brettert. Eine gute halbe Stunde harter Elektro-Shizzle. Nicht mehr mein Geschmack. Dann aber ein Break. Das Sample von ‘Show Me What You Got’ von Jay-Z ertönt. A-Trak scratcht wieder. Die Meute tobt.

Hip Hop Hooray und so. Jetzt verstehen wir uns. A-Trak wird immer schneller. Das ist die Show, die ich sehen wollte. Ich starre fasziniert. Mein Platz ist gut. Daft Punk mit ‘Robot Rock’ erklingt. Der Klassiker. Schon gefühlte hundert Mal von A-Trak so gesehen. Ich bin trotzdem beeindruckt. Live ist das halt doch noch mal was Anderes. A-Trak hat auch Spaß. Das kommt auf Youtube sonst eher selten so raus wie just in diesem Moment. Ich würde gern ein Foto davon machen, aber ich habe keine Hand frei, denn ich muss klatschen. Außerdem ist die Blackberry-Kamera eh für den Arsch, wollte ich noch erwähnt haben. A-Trak ist wieder bei cirka 126 BPM. Krasser Cut. Abartig in Szene gesetzt. Oh. Jetzt kommt es gleich. Gleich rastet das, mittlerweile bis zum Anschlag gefüllte Zelt total aus. BARBRA STREISAND!

Ich frage mich, ob sich A-Trak fragt, wie krass das ist, dass hier in Deutschland gerade Tausende einen Song feiern, auf dessen Sample sich die Eltern dieser Leute schon vor Jahrzehnten einen rausschwooften? Hätte ich ihn ja fragen können. Damn it! Warum fallen mir solche Sachen immer viel zu spät ein?

Ein paar Tracks und noch viel mehr Scratches später ist die A-Trak Show dann zu Ende. Die Crookers warten bereits an der Seite der Bühne. Die würde ich jedoch auch ohne Rückenschmerzen nicht sehen wollen. Scheiß Rumstehen. Ich fühle mich wie Horst Schlemmer. Ich muss dringend noch mal chillen.

Gerade als der Regen einsetzt bin ich wieder fit. Astreines Timing. Ich wollte mir mal Arcade Fire anschauen, nachdem ich davon bisher nur Lobeshymnen-Ähnliches gehört hatte. Sollte sich lohnen. Live durchaus kurzweilig. Ständige Instrumentenwechsel. Und acht Musiker, die ihre Musik auf der Bühne leben.

Jetzt geht der Akku aber langsam leer. Letzte Station: Klaxons. Glücklicherweise kamen während meiner Cola und der anschließenden Kippe alle Songs, die ich unbedingt hören wollte. Das nahm ich als Zeichen. Also nichts wie ab zurück ins Hotel, wo es übrigens immer noch kuschelig warm ist, und die Augen einfach zu fallen lassen. Gute Nacht.

to be continued…maybe

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