Das war’s
So, jetzt hätten wir das also auch erledigt. Das DJ-Ding ist durch. Die letzte Party gefeiert. Zumindest die, die ich musikalisch im Wesentlichen mit gestaltet habe. Und, was soll ich sagen, ich bin schon ein bisschen traurig. Aber so ist das Leben, wa!?
Ein typischer Satz für einen Berufsmelancholiker wie mich. So hat mich jedenfalls mein Freund RAM in seinem Beitrag zu meinem letzten Mixtape am Freitag genannt. Ganz unrecht hat er ja nicht. Positive Texte fallen mir zumindest schwerer, wie auch Frau K. aus Doppel-A schon zu bemerken wusste. Ist halt nicht alles Gold was glänzt, sage ich dazu nur. Und es nicht mein Style Dinge schön zu reden. Bringt ja auch niemand was.
Jetzt habe ich ‘I can see clearly now, the rain has gone’ im Ohr. Weiß nicht warum. Ich stehe auf Regen. Das finde ich allerdings eher romantisch als melancholisch. Straight from the heart und so, ihr wisst Bescheid. So wie ich meinen letzten Auftritt angehen wollte.
Hatte alles minutiös durchgeplant. Und trotzdem war ich angespannt. Hatte zwar keine Sorgen, dass alles klappt, aber ich war damit beschäftigt meine eigene Erwartungshaltung nach unten zu schrauben. Denn, eine wesentliche Erfahrung in diesem Business ist, wenn Du zu hohe Erwartungen hast, funktioniert es nie so, wie Du es Dir vorgestellt hast.
Eine gute Party hängt von wenigen, aber wichtigen organisatorischen Faktoren ab, eine legendäre hingegen ist schlicht und einfach unplanbar und hängt an zum größten Teil nicht greifbaren und nicht beeinflussbaren Details.
Nicht zuletzt deswegen glaube ich, dass man in großen Locations nie die beste Party seines Lebens feiern wird. Never ever wirst du dich mit fünfhundert ähnlich coolen Leuten zufällig zu der Nacht deines Lebens treffen. So etwas passiert in einem kleineren Kreis. Oder gar nicht. Da geht es um viele Dinge, aber vor allem um eine: Persönlichkeit.
Die Gefahr in kleineren Locations ist halt immer, dass genau das Gegenteil passiert. Die Leute sind nicht okay, sie sind fürchterlich. So was kann immer mal vorkommen und lässt sich höchstens mit Beharrlichkeit einigermaßen steuern. Ein Fremdwort für viele Veranstalter übrigens.
Ich habe in großen Clubs angefangen und kleine schneller in mein Herz geschlossen. In kleinen verdient man normalerweise halt nicht so gut. Aber dann steht man eben vor der Wahl. “Some people do it all for money, and some do it all for the love”. Beides okay. Und legitim. Man muss nur dazu stehen. Nichts ging mir mehr auf den Sack als die, deren Gier nach Geld oder Anerkennung ihren eigenen Idealen im Weg standen, sofern sie überhaupt welche hatten. Das bringt es wohl am besten auf den Punkt und musste noch mal gesagt werden.
Zum Glück hielten sich die Kritikpunkte an meinem letzten Gig echt in Grenzen. Habe schließlich nicht umsonst die letzten Jahre fleißig aussortiert. Und ich bin auch davon weg gekommen Leute zu zuspammen. Eine einfache Information muss reichen, um ehrliches Interesse zu wecken. Alles andere ist nur ein großes Spiel, bei dem unfassbar viel Energie vergeudet wird. Mein Theorie.
Party ist echt nicht alles im Leben. Menschen haben irgendwann etwas besseres zu tun am Samstag Abend. Und die Suche, wie ich das gerne nenne, ist irgendwann auch vorbei. Oder sie geht, wie in meinem Fall, einfach nur in eine andere Richtung weiter.
Dabei fällt mir ein, hat sich schon mal jemand überlegt, dass “die Party” sowohl vergänglich als auch zeitlos ist. Sie wird immer gefeiert weiter, irgendwo und irgendwie. Nur mit anderen Personen und aus anderen Intentionen heraus. Wie Liebe. Zum Beispiel.
Meine letzte, vergangenen Samstag, in der Corso, meinem dritten Wohnzimmer, mit sehr, sehr vielen Leuten, die ich mag und die gekommen waren, um noch einmal erbarmungslos mit mir zu feiern, war, trotz all jener geradezu fantastischer Vorraussetzungen, nicht die allerbeste Party meines Lebens bisher. Aber sie wird mir immer in Erinnerung bleiben. Und sie zählt schon auch zu den Top-Five, keine Frage.
Mein Set war nur etwas verstörend. Dafür aber auch umso authentischer, schließlich fühlte ich mich auch total verstört. Erst die ganzen Menschen, dann die ganzen Glückwünsche (ich habe in meinen Geburtstag rein gefeiert, falls ich es bisher vergessen habe zu erwähnen) und dann die ganze Party. Viele Impressionen und so.Vielleicht zu viele für nur eine Nacht. Einschließlich den vorher ausgeschriebenen Sex-Angeboten auf dem Klo, die ich dann aber doch ausgeschlagen habe. Man muss eben auch mal nein sagen können im Leben.
Habe dann übrigens auch bewusst nicht auf mein Handy geschaut beim Auflegen. Und weder Bilder noch Videos gemacht. Wollte diesen Moment mal nicht digital speichern, sondern eher so oldschool. If you know what i mean.
Und, was soll ich sagen, es hat geklappt. Habe ich endgültig gemerkt, als die Glückseligkeit beim letzten Lied die Trauer darüber verdrängt hat. Das Leben ist immer noch gut. Nur anders. Genau wie die Zeiten, die wir alle erlebt haben, gerade erleben und noch erleben werden.
In diesem Sinne, Freunde, bevor es zu melancholisch wird, sage ich einfach Danke für die letzten fünf Jahre Party.
xoxo
p.s.: Ich könnte jetzt tausend Songs dazu posten, aber das ist der beste davon. Inklusive dem Video dazu.
Kid Cudi – Pursuit Of Happiness


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