Southside 2011 #1
Impressionen Southside Festival 2011, 1.Tag
Packen. Nicht viel. Planung hat kein Rock’n'Roll. Hotelzimmer schon. Zumindest für mich. Mir kackegal was andere sagen. Ich will duschen. Und eine Matratze. Ich wette, ich habe so weniger Zeit mit Planung und Vorbereitung verbracht als die Camper. Egal.
Abfahrt. Blauen Bändel abholen. Gott, ich bin so wichtig. Und ich kenne die richtigen Leute. Ich Glückspilz. Dann aber das erste Problem. Parken. VIP Parkplatz voll. Klar, wenn da auch jeder campt. Scheiß Situation. Kostet Zeit. Und noch viel mehr Nerven. Leute werden mittlerweile willkürlich mit ‘Deine Mutter’ angeschrien. Gefühlte Stunden später ein Stellplatz. Am Arsch der Welt. Ebenfalls gefühlt. Nettolaufzeit aufs Festivalgelände ca. 12-15 Minuten. Ist anstrengend und nervt. ‘Deine Mutter’-Ausraster häufen sich.
Dann aber: Endlich da. Wer spielt? Boysetsfire. Okay. Aber auch erstmal Festivalgelände erkunden. Was hat sich verändert? White Stage ist neu. Okay. Warpaint auf der Blue Stage. Reine Mädchenband. Klingt ja vom Namen her überhaupt nicht wie ne Mädchenband. Die Schlagzeugerin hat ein krasses Hausfrauenoutfit an. Zwei Songs genügen um weiterzuziehen.
Mal sehen was man so mit diesem blauen Bändel anstellen kann. Offenbar weiß keiner der Ordner Bescheid, lässt uns aber trotzdem, oder genau deswegen, überall durch. Bringt allerdings wenig. Passiert nirgends was weltbewegendes. Also mal schnell zu I Blame Coco. Es regnet auch mittlerweile. Trotz entgegengesetzter Voraussage und Niederschlagswahrscheinlichkeit von 13%. Das Wetter ist echt nicht mehr das was es einmal war. Auf keine Vorhersage kann man sich mehr verlassen seit der Kachelmann-Geschichte.
I Blame Coco Publikum erfüllt jedes Klischee. Ich frage mich was schlimmer ist, im Warmen zu stehen und Stings Tochter immer und immer wieder den selben Song singen zu hören oder im strömenden Regen wahllos umher zu irren. Ich entscheide mich für ersteres und tue zweiteres. Was kann man noch mal mit dem blauen Bändel alles?
Jedenfalls wohl nicht die entsprechende Area finden, die wir suchen. Sind dafür aber Backstage und essen der Crew das Catering weg. Auch ne Beschäftigung. Und immerhin nicht ganz so nass. Dafür aber kalt. Gott, das Wetter nervt!
Entscheidungen müssen gefällt werden. Lykke Li im Zelt, Arctic Monkeys im freien Nass oder trockene Klamotten im Auto. Damn it! Bis die Entscheidung schließlich steht, spielen die Monkeys schon. Immerhin hören wir sie noch, während wir durch den Matsch ins Zelt vorstoßen. Gute Entscheidung! Lykke Li rockt. Oder so. Jedenfalls hat sie das x-fache an Ausstrahlung als diese Coco-Tussi. Und der Sound ist auch fetter.
Jetzt aber zum Auto. Wenn man halt noch wüsste wo das genau war. Die Suche beginnt. Die Stimmung sinkt. Und die Socken sind dann auch endgültig durchnässt. Ekelhaft.
Eine dreiviertel Stunde später der Marsch zurück. Die Foo Fighters spielen. Wir sind ein bisschen spät. ‘Rope’ hören wir aus der Ferne. Ich hoffe ‘Best Of You’ nicht verpasst zu haben. Auf dem Weg zur Bühne laufen wir noch bei den Subways vorbei. Habe ich schonmal gesehen. Astreine Rock’n'Roll (Queen) Band. Kann man bei gutem Wetter auf jeden Fall empfehlen.
Foo Fighters. Der Regen hat nachgegeben. Und wir finden raus wofür blaue Bändel gut sind. Erste Reihe. Quasi. Face to face mit Dave Grohl. Stark. Die Foos haben Bock. Merkt man schnell. Dave Grohls Stimme ist der Wahnsinn. Ich hab die Band schonmal live gesehen, aber das war damals ihr letzten Europkonzert nach mehrwöchiger Tournee. Das hatte man ihnen angemerkt. Heute das Gegenteil. Alle voll auf der Höhe. Verspielt. Rock’n'Roll par excellance!
Dave Grohl ist wirklich noch ein richtiger Rockstar. “Der Däve, der woiß holt wie’s goaht.” Zitatende. Kann man dann auch ruhig mal fasziniert sein. Man muss ja nicht gleich von Idol sprechen.
Dann der Wendepunkte. Dramaturgisch ganz groß inszeniert. Das Wetter flippt total aus. Sturm. Der Regen peitscht von rechts. Selbst Dave und Band können es nicht glauben. Noch drei Lieder. Und ich gehe nicht bevor ich nicht ‘Best Of You’ oder ‘Everlong’ gehört habe. Die Stimmung kippt. Ins Positive! Das muss man einfach mit Humor nehmen. Nass bis auf die Haut standen wir da, als uns Dave ansah, anlachte…und die ersten Töne von ‘Everlong’ anstimmte. Was für ein Finish!
‘Best Of You’ hatten wir dann wohl leider tatsächlich am Anfang verpasst. Und wofür? Dafür, dass wir jetzt noch nasser (ist das grammatikalisch korrekt?) da standen und noch mehr froren. Die weitere Abendplanung wurde uns so, mehr oder weniger unfreiwillig, abgenommen. In diesem Zustand ist es halt einfach vorbei. Schade. Auch weil Hercules And Love Affair sicherlich ein schöner Abschluss gewesen wäre.
Aber man muss die Feste eben so feiern wie sie fallen. Richtig? Und wenn Du ganz vorne bei den Foo Fighters stehst, während Dave Grohl bei ‘Everlong’, einem der besten Songs überhaupt, wirklich alles gibt, und du währenddessen hart vom Wetter verprügelt wirst, kannst Du wenigstens behaupten, Du hast was erlebt.
In diesem Sinne also zurück zum Auto. An Clueso vorbei. Aber nicht ohne ein paar Beschimpfungen. Ehrensache. Dann ins Hotel. Mmmhh, kuschelig warm hier. Noch schnell die Schuhe und Hose vom Schlamm befreien, alles zum Trocknen aufhängen und dann ein paar resümierende Zeilen verfassen. Nicht dass man morgen schon wieder alles vergessen hat. Die Fähigkeiten lassen ja irgendwie nach im Alter.
Gute Nacht. Und bis demnächst vielleicht…


















































