So Freunde, Zeit zu katalysieren. Zu viele verstörende Gedanken haben sich angesammelt und mich die letzten Tage und Wochen immer wieder vom Schlafen abgehalten. Einiges davon habe ich zwar schon aufgeschrieben, kann ich aber aus rein moralischen Gründen nicht veröffentlichen, es sei denn mir bietet irgendjemand genug Geld dafür, denn für letzteres tue ich ja quasi alles. Gedankenpause. Kleiner Scherz.
Aber ich bin ganz ehrlich, entwaffnend ehrlich möchte ich sogar sagen, ich vermute mein in den letzten zwei Wochen drastisch angestiegener Alkoholkonsum trägt einen wesentlichen Teil zu diesen Worten bei. Ich kann an dieser Stelle auch gar nicht mehr genau sagen warum ich dieser ekelhaft erheiternen Mixtour aus Wodka und Bier so munter gefrönt habe, vielleicht auch willenlos verfallen bin, aber man braucht auch nicht immer eine Antwort, habe ich mir überlegt. Antworten bedeuten ja oft Wissen, und wenn ich mir des Öfteren Mal etwas wünsche, dann dass ich irgendetwas nie erfahren hätte. Das würde mein Leben deutlich weniger belasten, mit Müll von anderen. Ich will mir manchmal einfach kein Bild machen! Und wenn ich’s gar nicht erst wüsste, könnte ich auch nicht darüber nachdenken. Das wäre so schön. Und beruhigend. Für meine Seele und deren Frieden.
Aber nein, ich liege nachts wach und frage mich zum Beispiel warum Menschen so intensiv an ihrer äußeren Schönheit arbeiten statt an der inneren. Im nächsten Gedankenzug beschäftigt mich derweil die Frage, warum irgendwelche Marketing-Arschfotzen, Entschuldigung Strategen, von irgendwelchen Plattenlabels versuchen Aura Dione als sexy Vamp zu verkaufen. Paradox! Die Aktion und mein Gedankengang. Ganz ehrlich, ich würde darüber hinweg sehen, wenn ihr Musik nicht so scheiße wäre. Dafür müsste ich auch noch nicht mal “Medienprofi” sein. Bin übrigens dafür, dass das nachträglich zum Unwort des Jahres der letzten vier bis fünf Jahre gekürt wird.
Dabei fällt mir ein, dass mir neulich jemand gesagt hat, dass es sich Menschen, die die neue Lana Del Rey Platte kacke finden genauso einfach machen wie die, die das neue Deichkind Album gut finden. Ich persönlich empfinde das genaue Gegenteil. Schließlich hat sich auch jüngst Sido (mal) wieder vor eine Kamera gestellt und gesagt die neue Scheibe von Deichkind sei scheiße und nicht mehr als Klamaukmusik. Ich dachte mir spontan, dass das genau der richtige sagt. Gefolgt von dem dringenden Bedürfnis ihn mal ordentlich und hart zu beleidigen, also persönlich, unter vier Augen. Ich würde in diesem Zuge sogar die Theorie aufstellen, dass Sido der mit Abstand schlechteste und schlimmste “Künstler” ist, den die deutsche Musikszene in den letzten Jahren hervor gebracht hat. Aber wen würde das wiederum schon interessieren? Nicht mal Bushido, schätze ich.
Ich bin ja immer noch davon überzeugt, dass dieser Aggro Berlin Kack damals schon so geplant war. Also mit dem “Wir haben uns versöhnt, weil Sony uns viel Geld im Voraus gezahlt hat-Album”. Gott, gehen mir die beiden auf den Sack! Ok, Sido geht mir mehr auf den Sack. Da höre ich lieber Haftbefehl. Immerhin hat der auch gesagt “ich sehe Leute, die studiert haben immer noch mit dem Bus fahren.” Grandiose Textzeile, die meinen Hass auf Studenten gebührend zum Ausdruck bringt. Ich finde dafür hat er mindestens den Bambi verdient. Für welche Kategorie auch immer. Spielt ja spätestens seit Bushido eh keine Rolle mehr.
Aber eigentlich wollte ich was ganz anderes loswerden, da bin ich schon wieder fett vom Thema abgekommen. Muss ich dringend verbessern, wenn das jemals was mit dem Literatur-Nobelpreis werden soll.
Also: Vergangenen Freitag war ich in Köln, weil…ähm…grundsätzlich mal alles besser ist als seinen Abend hier in (Str)Esslingen (bitte auf keinen Fall auf Youtube suchen!), meiner Heimatstadt, wie wir sie liebevoll nennen, zu verbringen. Da bin ich schließlich schon eine Woche vorher abgestürzt, was cirka zwei Mal im Jahr passiert und ungefähr immer gleich endet, ernüchternd! Diese Stadt hat einfach so unglaublich wenig zu bieten, dass nicht mal eine Horde Striperinnen die Siuation retten könnte. Ich meine, das einzige was man da an einem gewöhnlichen Samstag Abend machen kann, ist in einer der drei meist frequentierten Kneipen so viel Bier zu trinken bis man mit dem Kopf auf der Theke einschläft. Kein ungewöhnliches Szenario by the way, true story! Aber hier kennt auch keiner das Wort Absprung. Nur das Wort Hefeweizen.
Jedenfalls ist Esslingen bei Nacht so etwas wie RTL bei Tag. Man hat durchweg ein sehr komisches Gefühl aus Scham und Mitleid, dass einen, ja ich möchte sagen, quasi überrollt. Gescheiterte Persönlichkeiten soweit das Auge reicht. Jedes Mal bin ich wieder neu überrascht, obwohl ich es eigentlich besser wissen sollte. Ich sehe Frauen, Entschuldigung Mädchen, die Frauen sein wollen, die nichts als Angst vor Sperma ausstrahlen, weil sie es offensichtlich cool finden oder besser gesagt, wahrscheinlich in irgendeiner absurden Form geradezu brauchen mit ihren roten Lack High Heels in der Entwicklung stehengebliebene Dorftrottel zwischen billigem Warm-Up Schnaps und fröhlicher Stadion-Parolen-Grölerei aufzugeilen. Das ist so armselig, dass mir fast die Worte dafür gefehlt haben das auch adäquat auszudrücken. Ich meine, ernsthaft, das ist noch einfacher als gleich Geld dafür zu nehmen. Titten alleine würden hier ja schon reichen, schließlich haben die meisten bisher nur welche auf ihren Lieblingspornoseiten gesehen.
Dennoch ist es fast schon beeindruckend, wenn auch nicht geistreich, wie der Umgang untereinander seit Jahren, ich sage mal, gepflegt wird. Ich persönlich habe mich immerhin schon nach knapp drei Stunden satt gesehen. Spontan versuche ich mir daher vorzustellen wie es wäre jede Woche hier zu sein. Jede Woche die gleichen gebrandmarkten Fratzen und jede Woche die selben nicht gerade wirklich spannenden Geschichten von früher. Es ist wie ein großes in Erinnerungen schwelgen, nur ohne Highlights. Aber was will man auch erwarten von Menschen, die nicht über den Tellerrand, beziehungsweise die Stadtgrenze raus schauen können oder wollen? Ist es die Angst vor einer anderen, vielleicht besseren Welt, wo hier doch eigentlich alles okay ist? Ich weiß es nicht, und eigentlich will ich es auch nicht wissen. Trotzdem läuft mir ein Schauer über den Rücken, als ich weiter darüber nachdenke. Einen Vorteil hat dieser Lebensstil aber wohl, man kann den Kopf anscheinend relativ einfach dabei ausschalten. Vielleicht darf man ihn aber auch erst gar nicht einschalten, überlege ich mir dann. Puh, das ist mir jetzt fast schon wieder zu kompliziert. Ich bestelle noch ein Bier, weil naja, kein neues würde es vermutlich auch nicht besser machen.
Zwischen Bier sieben und acht stelle ich des weiteren die Theorie auf, dass wenn die Eltern all derer, die ich gerade um mich herum wahrnehme, bereits das Selbe gemacht haben wie ihre Kinder heute, selbige schon miteinander verwandt sein müssten. Das wiederum bringt mich zu der mehr oder minder gewagten These, dass der Erfinder von “Verbotene Liebe” ein Esslinger sein könnte. Vielleicht kommt er aber auch einfach aus einer anderen Schundstadt, in der jetzt gerade ungefähr das gleiche passiert. Wie auch immer, ich könnte das jetzt googlen, aber der Aufwand ist mir die Info nicht wert.
Ich wollte ja eigentlich auch von Köln erzählen. In den Augen von Einheimischen übrigens auch nichts anderes als das was ich von meiner Heimatstadt halte, finde ich heraus als ich mich nachts, mit dem Ziel eines gepflegten Absturzes bei guter Musik, durchfrage. Finde erst mal jemanden mit Euphorie im Gepäck. Hätte ich aber vielleicht auch nicht, wenn ich alle hiesigen Nutten schon gefickt hätte, überlege ich, während ich mich auf eine dezent ausartende Odyssee durch die Weltstadt Köln mache, immer auf der Suche nach nichts weiter als ein bisschen Glück. Wunderbare Metapher auch für’s Leben, fällt mir gerade auf. Die Stadt ist ja auch immer nur so etwas wie die Variable, wenn man mal genauer darüber nachdenkt, aber egal.
Da bin ich also wie gesagt und suche etwas. Etwas dass man vielleicht mit Würze beschreiben könnte. Spice Up Your Life ist das Motto, wie die Spice Girls sagen würden. Kosmopolit möchte ich sein. Die Grenzen sprengen. Mich verlieben, wenn auch nur für eine Nacht. Am nächsten Morgen aufstehen und der gesamten Welt den symbolischen Stinkefinger zeigen, wenn auch nur auf Facebook. Hohe Ziele, ich weiß, aber kleine Brötchen backen kann ja jeder. Ich gebe mich gerne Illusionen hin. Und manchmal scheitere ich auch gerne daran. Schließlich ist es eben so furchtbar einfach den eigenen Schweinehund nicht zu überwinden, die Kopfhörer wieder aufzuziehen und sich abzuschotten.
Vielleicht bin ich deswegen damals auch DJ geworden. Mittendrin und doch in meiner eigenen Welt. Absolut mein Ding, wird mir mehr und mehr klar desto länger ich nicht mehr auflege. Irgendwo muss die Inspiration für meinen Menschenhass ja auch herkommen. Fernsehen reicht schon lange nicht mehr. Spätestens seit das meiste davon gefaked ist. Nichts ist schließlich langweiliger als Stories, die sich andere ausgedacht haben. Das ist kein guter Stoff, höchstens ein betäubender. Die Realität hingegen schreibt vielleicht nicht die besten oder schönsten, dafür aber die ehrlichsten Geschichten. Mut zur hässlichen Wahrheit, auch wenn sie weh tut, das ist das was ich an dieser Stelle lauthals fordern möchte! Aber ich bin ja auch betrunken, und einstecken war eh noch nie meine Stärke. Nur im Reinstecken bin ich…ach egal!
Mit diesem verwirrend wie verstörenden Gedankengang im Gepäck stehe ich mittlerweile in irgendeinem, eigentlich ganz netten Club, in dem es allerdings auch nicht besser ist als irgendwo anders, nur anders eben, und betreibe so etwas wie Marktforschung, während ich mir diese ernüchternde Erkenntnis fast zeitgleich schon wieder mit Wodka runterspüle. Ich hasse es Gast auf einer Party zu sein. Partys, oder vielmehr ihre Gäste, sind so etwas wie ein Querschnitt dieser kaputten, leicht zu beeinflussenden Gesellschaft, die nichts Neues mehr sucht, sondern lediglich Erlebtes verdrängen möchte. Tanzt Marionetten, tanzt! Und liefert mir das, was ich nicht sehen möchte, mir aber trotzdem gleich aufschreiben muss, um es dann unter “Recherche des Lebens” ab zu speichern.
Zum Glück hat mein Hightech-Handy diese simple, aber dennoch für mich elementare Notizfunktion. Ohne sie könnte ich mir wenig bis nichts merken, oder wahrscheinlich nur das unwichtige Zeug. Und, wenn diese Nacht nicht geradezu prädestiniert ist, für einen Haufen sinnvoller wie sinnfreier Gedanken, dann weiß ich auch nicht. Man sieht immerhin so einiges in nur einer Nacht, wofür andere ganze Jahre brauchen, um überhaupt zu realisieren, dass das was sie sehen tatsächlich der Realität entspricht oder zumindest darauf angewandt werden kann. Also am Tag dann.
Unterdessen läuft es wie es eigentlich immer läuft, glaube ich. Ich bin mal wieder schnell frustriert und fasziniert zugleich. Ich beobachte, dass ich Beobachter bin und kein Macher. Und ich weigere mich, mich dafür zu entschuldigen, mit Frauen nicht ins Gespräch zu kommen, weil ich ihr davor nicht versucht habe meinen Finger in die Nase zu stecken! Ich entschuldige mich höchstens dafür, dass ich auch unter massivem Alkoholeinfluss noch ein bisschen Stil habe! Es wäre allerdings auch vermessen in dieser Situation jetzt meiner Mutter die Schuld zu geben, nur weil sie mir zumindest etwas Anstand mitgegeben hat. Aber irgendjemand muss die Schuld tragen, denke ich mir. Nur weil sich das Chaos hat mal wieder akkreditieren lassen, ist es noch lange nicht zu spät ein Umdenken zu fordern! Oder doch? Paradoxe, in Alkohol getränkte, kranke Welt, die es mir verwehrt meine Zunge jetzt in diese leider geile, viel zu leicht zu beeindruckende Bekanntschaft zu schieben. Also so setzt man bestimmt keine Maßstäbe, stelle ich fest und trinke noch einen kurzen Wodka, der mir in seiner Klarheit mittlerweile deutlich überlegen ist.
Warum bin ich eigentlich nicht so leicht zu beeindrucken? Ich meine, ist es falsch, sich so zu verhalten wie man es auch von anderen erwartet, mit ein bisschen Respekt? Offensichtlich! Jedenfalls wenn man heute noch einen wegstecken möchte. Gott, geht mir dieses Rumhuren auf den Sack! Es ist einfach nicht mein Style. Ich bin aber auch nicht Ryan Reynolds, nur ehrlich. Und schon wieder zwei neue Probleme, auf einmal. Da hilft auch die Zunge der, in meinem Zustand auf jeden Fall attraktiven, aber für den Verstand immer noch zu billigen Hure nichts mehr. Denn, Entschuldigung Freunde, jetzt mal ganz ohne Scheiß, auch wenn ich mit dieser Meinung alleine da stehe, aber wenn irgendwas auf dieser Welt echt mal überhaupt gar keinen Sinn macht, dann ist es rum zu knutschen ohne späteren Koitus!
Verkackte Triebe! Verkackter Alkohol! Verkackte Selbstreflektion! Vielleicht auch in einer anderen Reihenfolge, kack egal im Moment! Ich brauche dringend noch ein Bier, dann Musik, Kopfhörer zum Abschotten und ein bisschen Glück, das meiste davon direkt aufgeschrieben zu haben. Notiz Ende. Ach ja, und morgen trinke ich keinen Alkohol, ich habe die Schnauze für’s erste mal wieder gestrichen voll davon!
In diesem Sinne bis zum nächsten Exzess, er wird kommen, so sicher wie der nächste Sonnenschein, darauf gebe ich auch gern mein Wort, oder mehrere
xoxo