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Artikel der Kategorie ‘~stuff’

Die Menschheit, meine Achillesferse

Dezember 22, 2011 Von: DJN Kategorie: ~stuff Kommentare deaktiviert

Ich bin zurzeit ein bisschen aggro. Nicht wie Berlin. Eher wie Stuttgart. In sich gekehrt. In Stille Menschen hassen, kann man auch sagen. Die Menscheit ist meine Achillesferse. Klingt ein bisschen misanthropisch und ist es glaube ich auch. Kann das langsam nicht mehr abstreiten. Laut der Definition auf Wikipedia trifft das nämlich ziemlich genau auf mich zu. Inklusive dem Part mit dem Altruismus, was die Misanthropie an sich ja nicht ausschließt.

Schließlich ist es schon so, dass ich gerne nett zu Menschen bin. Jedenfalls dann, wenn sie auch nett zu mir sind, oder ich sie nicht für komplette Vollärsche halte. Letzteres passiert leider bedenklich oft. Wenn man doch nur Menschen im echten Leben auch als Spam markieren könnte. Möchten sie diesen Menschen aus ihrem realen Leben ausblenden? Ja! Möchten Sie ihn vorher noch mal beschimpfen? Ja! Nein. Doch! Warum eigentlich nicht?

Gut, ich will ja auch nicht, dass sie mich beschimpfen. Würde mir echt einfach reichen, dass sie mich in Ruhe lassen, wenn sie mich nicht leiden können. So schwer ist das ja wohl nicht. Oder doch?

Ich glaube der Mensch hat lieber vierhundert falsche, als fünf richtige Freunde. Das ist ziemlich traurig. Wie Menschen, die ihren Non-Aktivismus, ein mal pro Jahr auf Weihnachtsmärkten kompensieren.

Neulich war ich auch mal wieder auf einem. Weiß eigentlich nicht genau warum. Wahrscheinlich hatte der Grund zwei Brüste. Bin am Ende ja auch nur ein so triebgesteuertes Wesen wie alle anderen. Jedenfalls stand ich da dann so. Vor ‘nem Glühweinstand vermutlich. Und ich dachte mir dass, wenn ich in die Hölle komme, und sind wir ehrlich, falls es eine geben sollte, komme ich da definitiv hin, das ein Ort wie dieser sein muss. Mit dem einzigen Unterschied, dass es außer Eierpunsch und dieser fürchterlich billigen Weinplörre wahrscheinlich noch laute DJ Ötzi Musik im Hintergrund gibt. Traumhafte Vorstellung.

Zum Glück ist die Hölle nur eine Illusion. Wie mein Gedanke Menschenmassen doch noch irgendwann ertragen zu können. Meine Theorie ist ja, dass Menschen in der Quantität immer an Qualität abnehmen. Sprich: je mehr, desto dümmer agieren sie. Der Mensch, das Rudeltier. Immer wieder faszinierend, wenn die Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner beim IQ endet. 395 Personen gefällt das, der Rest hat immer noch kein Smartphone und war gerade nicht online.

Weltklasse Überleitung: Noch nie war meine Überlegung mich von Facebook abzumelden so ernst gemeint wie derzeit. Denn, selbst diejenigen, die ich nicht auf verbergen habe, gehen mir phasenweise so hart auf den Sack, dass ich schlechte Laune bekomme. Daher habe ich vor rund einer Woche beschlossen mal eine Weile lang keine Statusmeldungen mehr zu lesen. Von niemanden!

Fühle mich zwar ein bisschen abgeschottet jetzt, und bekomme nicht alles sofort mit, aber das ist mir gerade einfach total egal. Wesentliche Nachteile konnte ich noch nicht feststellen. Vielleicht aber auch nur deswegen, weil ich es einfach nicht weiß.

Das einzige was ich weiß, ist, dass Wissen Fluch und Segen zugleich ist. Noch mehr als Geld. Jedenfalls bezogen auf Macht, nach der ja alle irgendwie streben. Klar, mit Geld kannst du auch Macht haben. Aber gegen Wissen ist Geld machtlos. Think about it.

Die Menschen, die ich mag, und das sind, wenn ich das mal nicht in Relation setze, doch erstaunlich viele, haben alle meine Telefonnummer. Und ich geh’ auch meistens ran. Als Zeichen meiner Anerkennung.

Aber zurück zur ‘Facebook-Problematik’ und der Frage warum ich mich nicht gleich abmelde. Erstens kommt mein Menschenhass in verschieden dosierten, und teilweise annehmbaren Phasen, und zweitens braucht man ein Profil, um auch eine Fänseite haben zu können, was wiederum nicht abstreitbare Vorteile bringt, wenn man in meinem/irgendeinem Business ein bisschen Geld verdienen möchte.

Auch ich nehme mittlerweile ja eigentlich nur noch über Facebook Informationen auf. Schließlich wird hier so gut wie alles gebündelt, was mich annähernd interessieren könnte. Habe ja irgendwann mal auf ‘Gefällt mir’ geklickt. Und jetzt befinde ich mich in einem reisengroßen ‘Product Placement’-Geflecht, das mich täglich bombadiert mit Angeboten, die ich nur schwer ausschlagen kann, und mit Informationen, die ich nur im seltensten Fall auch wissen möchte.

Prinzipiell könnte man auch sagen, dass dieser ganze Social Media Marketing Kack sowas wie die moderne Variante davon ist Menschen an der Haustüre Staubsauger zu verkaufen. Würde wiederum implizieren, dass wir alle in der virtuellen Welt so etwas wie Verkäufer sind. Und die wiederum gehören in meiner realen Welt eher zu den grundsätzlich unsympathischeren Persönlichkeiten.

Alles in allem eine verdammte Crux also. Wie der Mensch an sich. “So eigenartig, schön und doch so hässlich. So unwahrscheinlich stark und doch so zerbrechlich.” You can think about that too if you want.

Kurzum: sich abzumelden hat Vor-und Nachteile. Wie alles im Leben. Das ist übrigens auch der Grund warum Frau K aus Doppel A noch lange auf ihren positiven Text warten kann. Zumindest wenn es niemand schafft mir in absehbarer Zeit eine rosarote Brille aufzusetzen.

In diesem Sinne, ein ganz besinnliches

xoxo

Benzin – Menschen

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Benzin

p.s.: In der nächsten Ausgabe verwirrender Gedanken meinerseits berichte ich von einem verrückten Selbstversuch: Zwei Wochen pornofrei! Oder auch: die Auswirkungen sexueller Abgründe auf die Fantasie. Was tun wenn Sex mal nicht mit einem Blow-Job anfängt? Antworten kann ich nicht versprechen, ist ja kein Ratgeber hier. Aber ich gebe mir Mühe!

Das war’s

November 29, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

So, jetzt hätten wir das also auch erledigt. Das DJ-Ding ist durch. Die letzte Party gefeiert. Zumindest die, die ich musikalisch im Wesentlichen mit gestaltet habe. Und, was soll ich sagen, ich bin schon ein bisschen traurig. Aber so ist das Leben, wa!?

Ein typischer Satz für einen Berufsmelancholiker wie mich. So hat mich jedenfalls mein Freund RAM in seinem Beitrag zu meinem letzten Mixtape am Freitag genannt. Ganz unrecht hat er ja nicht. Positive Texte fallen mir zumindest schwerer, wie auch Frau K. aus Doppel-A schon zu bemerken wusste. Ist halt nicht alles Gold was glänzt, sage ich dazu nur. Und es nicht mein Style Dinge schön zu reden. Bringt ja auch niemand was.

Jetzt habe ich ‘I can see clearly now, the rain has gone’ im Ohr. Weiß nicht warum. Ich stehe auf Regen. Das finde ich allerdings eher romantisch als melancholisch. Straight from the heart und so, ihr wisst Bescheid. So wie ich meinen letzten Auftritt angehen wollte.

Hatte alles minutiös durchgeplant. Und trotzdem war ich angespannt. Hatte zwar keine Sorgen, dass alles klappt, aber ich war damit beschäftigt meine eigene Erwartungshaltung nach unten zu schrauben. Denn, eine wesentliche Erfahrung in diesem Business ist, wenn Du zu hohe Erwartungen hast, funktioniert es nie so, wie Du es Dir vorgestellt hast.

Eine gute Party hängt von wenigen, aber wichtigen organisatorischen Faktoren ab, eine legendäre hingegen ist schlicht und einfach unplanbar und hängt an zum größten Teil nicht greifbaren und nicht beeinflussbaren Details.

Nicht zuletzt deswegen glaube ich, dass man in großen Locations nie die beste Party seines Lebens feiern wird. Never ever wirst du dich mit fünfhundert ähnlich coolen Leuten zufällig zu der Nacht deines Lebens treffen. So etwas passiert in einem kleineren Kreis. Oder gar nicht. Da geht es um viele Dinge, aber vor allem um eine: Persönlichkeit.

Die Gefahr in kleineren Locations ist halt immer, dass genau das Gegenteil passiert. Die Leute sind nicht okay, sie sind fürchterlich. So was kann immer mal vorkommen und lässt sich höchstens mit Beharrlichkeit einigermaßen steuern. Ein Fremdwort für viele Veranstalter übrigens.

Ich habe in großen Clubs angefangen und kleine schneller in mein Herz geschlossen. In kleinen verdient man normalerweise halt nicht so gut. Aber dann steht man eben vor der Wahl. “Some people do it all for money, and some do it all for the love”. Beides okay. Und legitim. Man muss nur dazu stehen. Nichts ging mir mehr auf den Sack als die, deren Gier nach Geld oder Anerkennung ihren eigenen Idealen im Weg standen, sofern sie überhaupt welche hatten. Das bringt es wohl am besten auf den Punkt und musste noch mal gesagt werden.

Zum Glück hielten sich die Kritikpunkte an meinem letzten Gig echt in Grenzen. Habe schließlich nicht umsonst die letzten Jahre fleißig aussortiert. Und ich bin auch davon weg gekommen Leute zu zuspammen. Eine einfache Information muss reichen, um ehrliches Interesse zu wecken. Alles andere ist nur ein großes Spiel, bei dem unfassbar viel Energie vergeudet wird. Mein Theorie.

Party ist echt nicht alles im Leben. Menschen haben irgendwann etwas besseres zu tun am Samstag Abend. Und die Suche, wie ich das gerne nenne, ist irgendwann auch vorbei. Oder sie geht, wie in meinem Fall, einfach nur in eine andere Richtung weiter.

Dabei fällt mir ein, hat sich schon mal jemand überlegt, dass “die Party” sowohl vergänglich als auch zeitlos ist. Sie wird immer gefeiert weiter, irgendwo und irgendwie. Nur mit anderen Personen und aus anderen Intentionen heraus. Wie Liebe. Zum Beispiel.

Meine letzte, vergangenen Samstag, in der Corso, meinem dritten Wohnzimmer, mit sehr, sehr vielen Leuten, die ich mag und die gekommen waren, um noch einmal erbarmungslos mit mir zu feiern, war, trotz all jener geradezu fantastischer Vorraussetzungen, nicht die allerbeste Party meines Lebens bisher. Aber sie wird mir immer in Erinnerung bleiben. Und sie zählt schon auch zu den Top-Five, keine Frage.

Mein Set war nur etwas verstörend. Dafür aber auch umso authentischer, schließlich fühlte ich mich auch total verstört. Erst die ganzen Menschen, dann die ganzen Glückwünsche (ich habe in meinen Geburtstag rein gefeiert, falls ich es bisher vergessen habe zu erwähnen) und dann die ganze Party. Viele Impressionen und so.Vielleicht zu viele für nur eine Nacht. Einschließlich den vorher ausgeschriebenen Sex-Angeboten auf dem Klo, die ich dann aber doch ausgeschlagen habe. Man muss eben auch mal nein sagen können im Leben.

Habe dann übrigens auch bewusst nicht auf mein Handy geschaut beim Auflegen. Und weder Bilder noch Videos gemacht. Wollte diesen Moment mal nicht digital speichern, sondern eher so oldschool. If you know what i mean.

Und, was soll ich sagen, es hat geklappt. Habe ich endgültig gemerkt, als die Glückseligkeit beim letzten Lied die Trauer darüber verdrängt hat. Das Leben ist immer noch gut. Nur anders. Genau wie die Zeiten, die wir alle erlebt haben, gerade erleben und noch erleben werden.

In diesem Sinne, Freunde, bevor es zu melancholisch wird, sage ich einfach Danke für die letzten fünf Jahre Party.

xoxo

p.s.: Ich könnte jetzt tausend Songs dazu posten, aber das ist der beste davon. Inklusive dem Video dazu.

Kid Cudi – Pursuit Of Happiness

Pursuit of Happiness (Nightmare) [feat. MGMT & Ratatat] - Man On the Moon - The End of Day (Expanded Version)

Nachtleben #7 – Struktur

November 14, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

Mir fehlt gerade etwas die Struktur. Das ist der dritte Text, den ich in nur sehr kurzer Zeit anfange. Ich versuche Gedanken zu sammeln, aber ich kann sie nicht miteinander verbinden. Ein Fließtext scheint unmöglich. Zu verwirrend alles. Jetzt brauche ich einen guten Song. Oder besser, ein gutes Album. Am besten eines, das genauso verwirrend ist und keine zusammenhängende Geschichte erzählt. Glücklicherweise ist das ja bei den meisten so…

Ich denke über die oft in Frage gestellte Definition des DJs nach. Meine ist: Wenn Du keine zwei Songs auf Vinyl ineinander mischen kannst, bist Du keiner! Ernsthaft. Dann hast Du einfach schon mal das Grundding nicht verstanden. Gott, würde ich gerne mal jemandem im Club seine Midi-Konsole zerstören, so wie im Video ‚Smack My Bitch Up‘ von The Prodigdy. Und dann stelle ich ihm einen vollbepackten Plattenkoffer hin. Kommentarlos. Geile Idee!

Fast so gut wie die, die irgendeinen, der das jetzt liest, unermesslich reich machen wird. Die ‚Resteficken-App‘. Dabei kann jeder User noch während der Party angeben wie weit er bereit ist zu sinken, um jetzt noch einen wegzustecken. Abgerechnet wird natürlich pro Annonce, bei der zudem auch angeben kann in welcher körperlichen und mentalen Verfassung man sich gerade befindet- stark angetrunken, sexuell frustriert, abenteuerlustig, einsam, generell ungeliebt, oversexed and underfucked, und so weiter. Bild hochladen geht zwar, wird aber nur in wenigen Fällen auch angeraten.  P.s.: Der erste, der damit wirklich reich wird, bitte mich in den Credits erwähnen, als Visionär. Danke.

Seit neustem glaube ich übrigens, dass, wenn dem Erfolg einer Party irgendetwas im Wege steht, das im Wesentlichen fehlender Respekt ist. Respekt der Gäste, DJs und Veranstalter- untereinander. Oder es ist doch nur mangelnde Intelligenz. Ach, ich weiß es nicht. Spielt es überhaupt eine Rolle? Eine andere Theorie von mir besagt schließlich, dass ab zwei Uhr nachts eh nichts mehr richtig zählt.

Diese Widersprüche in mir machen mich fertig. Und sie sind die Legitimation von grau in meinem Leben, wenn Ihr versteht was ich damit meine.

Im Hintergrund läuft gerade mein Fernseher. Ein Konzert von Revolverheld. Es ist wie ein Sinnbild dafür, dass überall wo Sonne scheint auch ein Schatten fällt. Warum gibt es eigentlich niemand, der sowas einfach verbieten kann? Wie die GEMA, nur in cool. >>Leider kann dieses Konzert nicht bedenkenfrei ausgestrahlt werden, da es Musik enthält, für die die Geschmackspolizei nicht die erforderlichen Rechte eingeräumt hat. Das tut uns leid. <<

Wunschvorstellung, ich weiß. Wie die, dass das Radio endlich stirbt. Mir fällt echt nichts ein, was noch schneller gewachsen ist, als mein Hass auf das Medium Radio. Und es macht mittlerweile auch so gar keinen Sinn mehr, das Radio. Zumindest für Leute, die bis drei zählen können. Mal ernsthaft, wer heute noch überzeugt Radio hört, besitzt auf gar keinen Fall die Intelligenz Musik überhaupt verstehen zu können. Geschweige denn die Leidenschaft sie wirklich zu fühlen.

Apropos Leidenschaft, erst letzte Woche haben wir noch darüber gesprochen, dass sich jeder in einen Club stellen kann und Tracks abspielen. Aber die wenigsten haben ein Gefühl dafür. Weder für den Club, noch für das Publikum, aber vor allem nicht für die Musik.

Ich habe viele DJs getroffen, die okay waren. Die wenigsten waren aber mit der Professionalität und Leidenschaft dabei, mit der sie dabei sein hätten sollen. Und, wenn ich ehrlich zu mir selber bin, glaube ich, dass ich im Laufe der letzten Jahre und Gigs ein Stück eben jener Leidenschaft verloren habe. Kein großes, aber trotzdem ein bedenkliches. So bedenklich zumindest, dass ich meine Entscheidung noch nicht ernsthaft in Frage gestellt habe. Was mich aber noch viel mehr fasziniert, ist die Tatsache, dass ich seit meiner Ankündigung, frei und vor allem viel entspannter aufspiele, als davor.

Vorletzte Woche zum Beispiel. Ein Club im nirgendwo. So sehr im Nirgendwo, dass wir Kühe riechen und Ziegen hören. So sehr im Nirgendwo, dass Leute zu Danza Koduro (ich bin echt zu desinteressiert und faul, um zu recherchieren, ob das richtig geschrieben ist!) ausflippen, mit ‚Woiza‘ in der Hand und Gehirn im Schoß. So sehr im Nirgendwo, dass mein Shirt definitiv zu cool dafür ist. So sehr im Nirgendwo, dass Menschen sich tatsächlich erst Bushido und dann Bryan Adams wünschen (True Story!), während im Hintergrund Jason Derulo gerade mal wieder am Anfang eines Songs seinen eigenen Namen singt. Es ist zusammengefasst nicht mehr als ein ‘Ey ho, let’s’ go, wie Taio Cruz sagen würde.

Normalerweise wäre ich aus dem Kopf schütteln nicht mehr rausgekommen, aber dieses Mal konnte ich nicht mit Grinsen aufhören. Selbst dann nicht als ich diesem einem, unbeschreiblich absurden Typen erklärte, dass hier zwar offensichtlich scheiß Musik läuft, aber auch das ein Grenze hat. In diesem Fall halt Bushido.  Des weiteren konnte ich mir es nicht verkneifen zu erwähnen, dass ‚Summer of 69‘ das zweitschlechteste Lied der Welt ist, nach ‚Sweet Home Alabama‘. Man möge sich an dieser Stelle ja gar nicht erst vorstellen, was für eine Kindheit der Nachwuchs solcher Menschen durzustehen hat.

Kurze Zeit später fällt mir, immer noch grinsend, auf, dass ich wirklich zu alt für den Scheiß bin, es  aber wenigstens erkannt habe und nicht nur ständig darüber rede. Und das wiederum lässt mich glauben, dass ich so einigen einen Schritt voraus bin. Dann blicke wieder in die Menge, wir spielen mittlerweile abwechselnd, der Langeweile wegen. Mein Kollege, auf den nichts Negatives aus diesem Text zutrifft, spielt 2Pac mit ‚Changes‘, ein absolutes No Go für jede Party, die etwas mit Coolness zu tun haben möchte, aber es spiegelt die Situation eben so gut wieder. Gib dem Affen Zucker lautet die Devise. Ich spiele mit ‚Hip Hop Is Dead‘, einen wirklich fetter Track und wir feiern uns selber für die Message der Kombination der beiden Tracks. Kapiert natürlich keiner. Aber wir sind ja auch im Nirgendwo. Dabei bestätigt sich mir aber meine eigene, vor Jahren aufgestellte Theorie, der Frage nach dem, was es dir bringt einen Schritt voraus zu sein, wenn alle anderen zwei hinterher hinken.

Guter Satz, um ihn jetzt einfach mal so im Raum stehen zu lassen. (Finde, dafür hab ich auch ‘nen Bambi verdient. Kategorie egal.) Werde dann wieder darauf eingehen, wenn ich eine zufriedenstellende Antwort parat habe. Bis dahin rate ich allen, denen es ebenfalls an Struktur und Antworten mangelt, als Gegenbewegung quasi, und bis eine Besserung in Sicht ist, zu unkontrolliertem und rüdem Aufhüpfen. Und wenn’s nur für die Seele ist.

In diesem Sinne, ein aus dem tiefsten Herzen kommendes

xoxo

Der Song dazu:

Black Machine – Funky Funky People (Other Mix)

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Black Machine

Nachtleben #6 – Vorwärts leben, rückwärts verstehen

November 01, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

Aktuell gilt in meinem Leben nur eines hauptsächlich, ich verstehe wie ich zähle: Rückwärts. In 26 Tagen werde ich meinen letzten Übergang im Club spielen. Welche zwei Songs das sein werden weiß ich noch nicht. Sind derzeit so knapp zehn in der engeren Auswahl. Ich weiß nur, dass ich danach einen Hammer und einen Nagel nehme, um selbigen erst in die Wand hinter mir zu schlagen, um dann wiederum meinen Kopfhörer daran aufhängen zu können. Der Symbolik wegen und so.

Dann habe ich ein Statussymbol weniger. Also den Kopfhörer, nicht den Hammer. Aber Leute mit Charakter brauchen auch keine, habe ich mir neulich überlegt. Also Statussymbole. Und was mich persönlich angeht, sage ich außerdem auch: I don’t need no groupie love. Egal ob mit oder ohne Kopfhörer.

Vergangenes Wochenende war lang und auch ergiebig. Brücken-und Feiertag. Insgesamt also eigentlich fünf Tage, beziehungsweise Nächte. (Ich zähle Donnerstag mit.) Die ersten drei war ich mit dabei. Eine Seltenheit in den letzten Jahren, wie mir gerade auffällt. Man ist halt echt keine achtzehn mehr und wacht am nächsten Tag auch nicht mehr ohne ‘Kopf’ auf. Knapp acht Jahre später muss man sich leider eingestehen, dass es rapide abwärts geht. Ich hab dann oft den Gedanken, hätte ich das vorher gewusst, hätte ich es irgendwie anders gemacht. Generell klasse Weisheit für Leute, die genauso ungern im Voraus planen wie ich. Und überraschender Weise noch nie der Refrain eines deutschen Singer-Songwriter Songs. Oder es gibt doch einen und er ist nur an mir vorbeigegangen. Könnte jetzt Google fragen, aber der Satz lebt irgendwie davon, dass ich die Antwort eben nicht weiß.

Jedenfalls denke ich mir dann, solange ich noch nicht jeden Sonntag Mittag den gleichen mitleidserhaschenden Satz auf Facebook poste, ist alles noch irgendwie im Rahmen. Allen anderen, die genau das tun, möchte ich auf diesem Weg mal mitteilen, ja, “Ihr seid wirklich zu alt für den Scheiß!” Hört einfach auf damit und sucht Euch reale Freunde, die Ihr vollheulen könnt! Wenn Ihr Glück habt findet Ihr vielleicht auch jemand, der Euch mal dezent darauf hinweist, dass ‘ne Flasche Schnaps am Abend, weil man es sonst nicht erträgt, nicht weit davon weg ist, irgendwann mit gleich bedauernswert schwachen Persönlichkeiten in “Kur” zu gehen. Aber ganz ehrlich jetzt, was kümmern mich eigentlich die Alkoholprobleme von anderen?

Mit irgendwas muss man ja schließlich die Abgründe erklären, die sich da so auftun. Und warum Selbstkritik am eigenen Anstand, wenn man es so einfach auf den unkontrollierten Konsum von Hochprozentigem schieben kann?

Nicht zuletzt deswegen nehme ich einfach schon lange nichts mehr ernst, was nach zwei Uhr nachts passiert. Stichwort Wahrnehmungsverschiebung. Alternativ auch back to the roots. Jäger und Sammler-Triebe, die sich von den ursprünglichen höchstens im dabei lang zurecht gelegten Outfit unterscheiden. Manchmal warte ich zwischen vier und sechs Uhr nur noch darauf, dass einer mit ‘ner Keule reinkommt, ein paarungswilliges Weibchen erlegt, auf die Schulter wirft und grunzend wieder von dannen zieht. Wäre nicht nur voll Retro, hätte oft auch noch mehr Stil als alles andere was sich jetzt abspielt, um noch irgendjemand begatten zu können. Resteficken eben. Oder Tiefseeanglen. Trifft es beides ganz gut.

Ich will einfach nicht wissen warum und wie genau andere Menschen leichtfertig Geschlechtskrankheiten in Kauf nehmen. Und wofür? Kosten und Ertrag stehen dabei auf keinen Fall in Relation, um das jetzt auch mal so unsexy auszudrücken wie es meistens auch ist. Bringt mich zu der Theorie, dass Nachtleben eine noch größere Hure ist, als die Hure selber.

Das einzige was dabei am Ende für mich persönlich und meinen gerne ausgelebten Beobachtungsfetischismus hängen bleibt, ist der Beweis der Existenz von Menschen, die RTL schauen und im Zweifelsfall auch gleich noch die Vorlage für die Scripter liefern. Den Job könnte ich übrigens wirklich sofort und ohne Probleme antreten, wenn ich nicht doch noch eine gewisse Restmoral besitzen würde.

Ich mag sehr wenige Menschen aus dem Nachtleben ist mir aufgefallen. Also  zumindest in Relation zu denen, die ich dabei kennengelernt habe. Mein scharfsinniger Verstand sagt mir aber, dass das vermutlich auch am Tag nicht anders ist. Der Unterschied ist nur, dass die meisten am Tag versuchen so gut wie möglich zu verstecken, was für riesengroße Idioten sie eigentlich sind. Nachts dagegen mutiert ja jeder irgendwie. (Wollte nicht verwandeln schreiben, weil mutieren viel drastischer klingt.) Ist zwar auch irgendwie ehrlicher, dafür aber auch umso bedenklicher.

Besondere Menschen sind rar gesät. So oder so. Und für mich gilt: Um so besonderer, umso weniger Klischees erfüllen sie. Nikes im Club und Stiefel im Bett, das ist die wahre Coolness, Mädels! Zumindest für mich ginge das schon mal Richtung die Richtige. Aber was mache ich mir vor? Liebe ist ja mittlerweile auch nur so ein verficktes Gefühl, dass einem von Hollywood vorgegaukelt wird. Völlig übertriebene Happy Ends, die ehrlich gemeinte ausgesprochene Liebe als nicht besonders genug abstempelt. Echt super Nummer. Danke Julia Roberts und Co.!

Nichts ist einfacher als Leute im Kino glücklich zu machen. Die Kunst ist sie zum Weinen zu bringen. Emotionen statt Triebe. Oder eben Emotionen und Triebe. Egal was Du tust, tu‘s einfach mit Liebe. Sei eine Hure, kein Problem, aber sei endlich auch Dein eigener Zuhälter!

Vielleicht klappt’s ja irgendwann mal, wer weiß? Weil wenn es eines sicher ist, dann dass Zeiten sich ändern. Und Dich. Wie Bushido schon wusste.

Dazu passt auch meine neue Lieblingsweisheit, die ich neulich in einem Songtext gehört habe und seitdem auf Wahrheit prüfe: „Wer nie vom Weg abkommt, bleibt meistens auf der Strecke.“ U2! Wie Bono Vox sagen würde.

In diesem Sinne, i might like you better, if we slept together. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur sehr unreif, weil die Antwort kenne ich ja schließlich schon.

Booka Shade vs. Amanda Blank – In White Rooms I Might Like You Better (Second Letter & Junior’s Party Banga)

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Amanda Blank

xxx

Update

(via perfect-heels.blogspot.com)

Nachtleben #5 – Die Stille nach dem Sturm

Oktober 26, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

Ich habe irgendwann mal geschrieben, dass Stille die zweitbeste Sache der Welt nach Musik ist. Ist mir neulich wieder eingefallen. Warum weiß ich nicht. Aber ich habe dann wieder darüber nachgedacht, kam allerdings zu keinem befriedigenden Ergebnis. Genau wie bei der Aufhören-mit-Auflegen-Sache. Ja, es beschäftigt mich sehr. Ist kein Geheimnis. Kann man ja hier alles nachlesen. Versuche mir das irgendwie selber schlüssig zu erklären mit jedem Text, den ich seit dem Entschluss schreibe. Und ich möchte mal festhalten, Entschluss ist Entschluss. Oder um den Lieblingssatz einer Freundin zu zitieren, es ist wie es ist!

Trotzdem ist es nicht einfach für mich. Denn, wenn ich ehrlich bin, wird es mein Leben schon irgendwie auch grundlegend verändern. Letzte Woche hatte ich den Gedanken, dass es ja zum Glück bald alles vorbei ist. Ich weiß nicht genau warum. Ich glaube, es belastet mich mittlerweile zu sehr. Also nicht wie einen Sebastian Deisler oder einen Ralf Ragnick. Aber ich spüre schon unterbewusst diesen Druck auf den Punkt da sein und abliefern zu müssen. Und das geht meist auf Kosten der Zeit drumherum. Eine gewisse Nervosität vor dem Club konnte ich mir bis heute nicht abgewöhnen. Ist aber vielleicht für den Club dann auch nicht so schlecht. Ähnlich wie Lampenfieber bei richtigen Künstlern.

Nach dem Club fällt dann immer alles von mir ab. Entspannung setzt ein. Und trotzdem kann ich nicht richtig schlafen. Der Tag danach, und der danach, sind oft total im Arsch. Erkennt man daran, dass mein Handy lautlos ist und ich wirklich nur das nötigste beantworte. Außerdem rede ich sehr wenig, weil ich keine Lust dazu habe.

Darüber hinaus glaube ich, dass ich einfach nicht dafür geschaffen bin in der Öffentlichkeit zu stehen. Auch wenn es nur eine popelige Dorf-Öffentlichkeit ist. Wenn ich mal reich und berühmt bin, also mein Pseudonym, dann werde ich auf jeden Fall jemanden dafür beschäftigen, öffentliche Termine für mich wahrzunehmen. Irgendeine Rampensau, die ekelhaft lässig mit der Kamera und dem Publikum spielt.
Ich war schon immer mehr der Typ im Hintergrund. Übrigens auch eine Philosophie von mir was eigene Events angeht: Die besten Veranstalter sind die, denen man es nicht ansieht. Impliziert damit auch schon mal sich nicht ausgiebig selbst zu feiern. Oder generell einen auf dicke Hose zu machen. Nichts ist schlimmer als Leute, die sich für prominent oder wichtig halten, aber weder das eine, noch das andere sind.

Vielleicht habe ich über die Sache mit der Stille nachgedacht, weil es danach ziemlich still werden wird am Wochenende. Zumindest mal stiller als zuvor. Und so sehr ich Menschenmassen hasse, brauche ich auch irgendwie Leben um mich rum. Ich muss dringend mitten in die Stadt ziehen! Stille muss meine Option werden, nicht der Normalfall. Bin echt nicht der Typ für’s Land.

Spitzen Überleitung zu unserer Party vergangenes Wochenende in Esslingen. Kopfhörer-Party. Heißt: Jeder bekommt ‘nen Kopfhörer und kann dann selber zwischen zwei Kanälen wählen, was, beziehungsweise welches DJ Set er hören möchte. Im Hintergrund ist es unterdessen still. Klingt erstmal absurd, und war es auch. Aber im positiven Sinne. Weil: Die kann man ruhig auch mal erweitern. Mal neue Wege gehen und so. Außerdem hat es gleichzeitig unser Hauptproblem gelöst, die Anwohnerbeschwerden. Auch wenn mir Leute, die in die Innenstadt ziehen, um sich dann am Wochenende über echt erträglichen Lärm zu beschweren, immer noch mehr als suspekt sind, musste man es so hinnehmen. Es ist eben wie es ist.

Mit der Kopfhörer-Geschichte hatten wir also mal was gewagt. Denn Gäste, besonders in Vorstädten, tun sich ja öfters mal ein bisschen schwer damit sich selbst zu darzustellen. Muss man aber, wenn man aber auf ‘ner Kopfhörer-Party steht. Da merkt man dann schon schnell, wem es immer noch wichtig ist, was sein Nebenmann von einem denkt. In der Masse untergehen funktioniert nicht mehr so richtig. Zum Glück haben wir generell gutes Publikum. Haben wir uns ja auch jahrelang hinerzogen, möchte ich jetzt mal so sagen.

Angefangen mit klaren Messages:

Über klare Ansagen: Wenn’s Stress gibt, gibt’s keine Partys. Und wer sich daneben benimmt, braucht auch gleich nie wieder kommen. Nicht mal zum Kaffee trinken mittags. Hat alles gezogen.

So war es, ehrlich gesagt, auch keine riesige Überraschung, dass wir noch mal ein Party-Highlight setzen konnten. Klar, es hat ein bisschen gedauert bis sich die Leute an die Kopfhörer gewöhnt hatten, aber davon war auch auszugehen. Dann war es aber schnell wirklich ausgelassen. Und ziemlich lustig. Mitgrölsongs hatten natürlich ‘nen kleinen Vorteil…

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… was des Öfteren auch mal darin gemu(e)ndet ist, dass der eine Teil den Song auf Kanal A und der andere den auf Kanal B mitgesungen hat. Gerne auch mal auf der Toliette, weil der Empfang war auch bis dahin einwandfrei. Zudem hatte man das Gefühl die Leute haben mehr auf sich und ihre umstehenden Mitmenschen geachtet. Weniger Gedrängel, weniger Grundpegel und ganz einfach weniger Stress, der auf den Gast einprasselt. Und das wirkt sich auch aus. Ich würde sogar so weit gehen und die Stimmung als einzigartig bezeichnen. Kopfhörer auf gleich Partymodus, Kopfhörer ab gleich belustigtes Staunen. Ist einfach wirklich was ganz Eigenes. Ich würde es zwar nicht jede Woche haben wollen, aber ab und zu ist das definitiv ein Highlight. Und das Interesse daran wird wachsen, da bin ich mir sicher.

Zum Glück habe ich mich kurz vor meinem DJ-Ende noch getraut, das hier so durchzuziehen. Als Erster in der Region wohlgemerkt. Hab vielleicht doch einfach die dicksten Eier hier. Oder in meinem Kopf spielen sich eben noch verrücktere Sachen ab als in anderen. So oder so, wir hatten einen schönen Abend. Und das ist das einzige was am Ende zählt.

In diesem Sinne auf noch viele Abende, die einem in Erinnerung bleiben werden.

xoxo

Nachtleben #4 – doing it like Hans Nieswandt

Oktober 20, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, ~stuff Kommentare deaktiviert

Ich spreche ganz selten von Vorbildern. Finde ich grundsätzlich albern. Wie das Wort Fan und seine Bedeutung. Klar, bin ich zum Beispiel Fan vom FC St.Pauli. Aber meine Welt geht nicht unter, wenn die am Wochenende verlieren. Und ich mache mir auch nicht die Illusion, dass alle die ein Pauli Trikot übergestreift haben, deswegen automatisch dufte Typen wären, die man jetzt unbedingt mögen muss.

Ich bewundere eher Eigenschaften oder Eigenarten. Zidanes Technik, Henrys Eleganz oder Messis Kontrolle, um mal beim Fußball zu bleiben. Dazu natürlich auch unbedingter Siegeswille. Nichts nervt mich mehr als Mitstreiter oder Gegner, die nicht gewinnen wollen, um mal beim Sport zu bleiben. Fairer Wettstreit, aber mit entsprechender Mentalität eben.

Letzteres ist übrigens auch wichtig, um ein guter DJ zu sein. Sage ich jetzt einfach mal. In Zeiten, in denen technische Fertigkeit nicht mehr alles ist, muss sich die Spreu ja irgendwie anders vom Weizen trennen. Ich selber hatte wenig Leute zu denen ich irgendwie aufgeschaut habe. Eigentlich stehen nur drei Namen auf dieser Liste: A-Trak wegen seiner Technik, DJ AM (RIP) wegen seiner außergewöhnlichen Auswahl von Songs, die auf den ersten Blick nicht zusammen passen und Hans Nieswandt wegen seiner Vita.

Dieser Typ hat ein Talent, das Schreiben, und eine Liebe, die Musik. Und daraus macht er dann das! Um die Welt fliegen, auflegen und Bücher darüber schreiben. Jackpot. Hätte ich das auch, beziehungsweise würde ich daran glauben ein ähnliches Ding abziehen zu können, würde ich definitiv nicht aufhören. Dann würde ich vielleicht auch irgendwann mal als Pionier bezeichnet werden. Das wäre mindestens so fett wie deine Mutter. In meiner Welt.

Die Bücher von Hans Nieswandt habe ich regelgerecht verschlungen. Einmal angefangen, konnte ich nicht mehr aufhören. Und das passiert jetzt wirklich nicht oft. Ich glaube, ich bräuchte maximal drei Hände, um aufzuzählen wieviele Bücher ich in meinem Leben bisher gelesen habe. Die in der Schule inklusive.

Ich schreibe halt lieber, als dass ich lese. Und, ich glaube, ich höre mittlerweile lieber Musik, als dass ich sie selber auflege. Ist jetzt mal so ein Ausredeversuch. Ob’s wirklich stimmt, werde ich ja dann bald rausfinden. Aber bis es soweit ist, schaue ich am Freitag noch mal einem Kollegen über die Schulter. Kann man das so sagen oder ist das jetzt exorbitant überzogen von mir? Wenn man es genau nimmt, betreibt Lionel Messi ja auch die gleiche Sportart wie ich, nur etwas erfolgreicher eben.

Dabei fällt mir ein, das kann ich auch:

YouTube Preview Image

Trotzdem werde ich nie bei Barca spielen. Der Moment als mir das klar wurde war zwar hart und ernüchternd, aber schön trinken war eben auch noch nie mein Ding.

In diesem Sinne bis Freitag. Auf Nachfrage halte ich auch gerne Monologe über Musik. Oder das Nachtleben. Da bin gerade voll geübt drin.

xoxo

 

Nachtleben #3 – Die Kosten des Exzesses

Oktober 18, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, ~stuff Kommentare deaktiviert

Thema: Ein Exzess und seine Folgen

Samstag Mittag. Mein DJ Kollege RAM schreibt: Du gehst heute mit deinem Set in die Geschichte des Stuttgarter Nighlife ein, ich spür das! Ich schreibe zurück: Ich spür das auch!

In Wahrheit spüre ich aber noch leichtes Unwohlsein aufgrund der letzten Tage. Allerdings habe ich auch schon in schlimmeren Zuständen aufgelegt. Ich beschließe dennoch keinen Alkohol zu trinken. Sicher ist sicher.

Noch während ich mich dieser Illusion hingebe, wächst meine Gästeliste in fast unermessliche Spähren. Fünfundfünfzig Leute haben sich angekündigt, wovon am Ende des Abends auch fast alle da gewesen sein werden. Ich habe ein schlechtes Gewissen und muss das erstmal mit dem Chef abklären. Tolgay nimmt es locker. Das ist wirklich mit Abstand die größte Liste, die ich je hatte. Ich bin ein bisschen stolz und beschämt zugleich. Natürlich habe ich dem Sinne keine fünfundfünfzig Freunde, aber was will ich weiter darüber nachdenken, ich nehm es gegen Ende jetzt auch nicht mehr so genau. Außerdem zeichnet sich so schon mal ein ziemlich erfolgreicher Abend ab.

Ein paar Stunden, Kaffee und Aspirin Complex später geht’s dann endlich los. Und zwar mit Schnaps. Den ersten kann ich nicht ablehnen. RAM wäre furchtbar enttäuscht. Tolgay auch.
Dann aufbauen und währenddessen über andere DJs und Veranstalter herziehen. Wir sind voll in unserem Element. Ich zähle kurz die Top 5, derer die mich am meisten am Arsch lecken können, auf. RAM ist teilweise verwundert.

Nach einem weiteren Schnaps dehnt sich die Diskussion weiter aus. Wir reden darüber, warum ich aufhöre und warum andere nicht aufhören. Zwischendrin weht mir ab und an mal Verständniss entgegen. Wir trinken noch einen Schnaps.

Das mit dem keinen Alkohol hat ja super geklappt, denke ich mir und finde mich gleichzeitig damit ab das Auto später stehen zu lassen. RAM legt derweil schon, weil sich der Laden schon außergewöhnlich früh füllt. Ich klatsche die nächste Stunde fast ausschließlich Leute von meiner Liste ab. Schnaps inklusive, glaube ich.

Dann will ich selber legen. Bin unterbewusst immer tierisch nervös bis zum ersten Übergang. Wenn der sitzt, weiß ich, dass es schon irgendwie läuft heute. Ich geh gleich in die Vollen. Hab im Moment gar keinen Bock auf diesen Warm-Up-Scheiß. Außerdem, wenn ich etwas im Laufe der Jahre Auflegen festgestellt habe, dann das, dass man am Anfang niemals mit ‘Hits’ sparen sollte. Erstens ist ein gutes Grundgerüst einer Party essentiell für den Erfolg hinten raus, und zweitens fällt einem am Ende immer noch etwas ein, an das man am Anfang nicht dachte.

Ich spiele Crown Jewel, Let Me Blow Ya Mind, Breath, Rude Boy (Reggae Mix), Playa Man, Good Day, Never Stop in der Chilly Gonzales Rap-Version, Good Ol’ Love, No Games, Family Affair, Ms. Jackson, Desole-Traumreise-Traumreise-Desole, I Love My Bitch, Shutterbug, Music Is My Hot Hot Sex, Lady Luck, Just Be Good To Z, Roc Boys vs. Beautiful, Ride With Me, No Strings im Roller Boogie Mix, Electric Avenue, All This Love (Yum Yum Mix), Signed Sealed Delivered by Stevie Wonder, Rolling In The Deep (Remix), Rock Your Body, Count Your Blessings, Funky Sensation und Golden von Jill Scott. Jetzt ist ein bisschen mehr als eine Stunde um. Es ist kurz vor zwei Uhr.

RAM hat die Pause genutzt um weitere Schnaps zu trinken. Außerdem ordert er nach Übergabe des Kopfhörers gleich weitere zwei. Die Stimmung ist prächtig. Es ist mittlerweile so voll, dass ich auf dem Weg von der Bar zum DJ Pult die Hälfte meiner Drinks verschütte, weil ich ständig an jemand hängen bleibe.

Ich hasse es, wenn es so voll ist. Ist für mich als Gast die reine Tortur. Für jede Party und jeden Umsatz aber natürlich super. Ich verziehe mich direkt wieder hinters Pult. Hier schwitze ich auch nur halb so viel. RAMs Stimmung scheint schon auf dem Höhepunkt. Wir machen Witze darüber, dass gleich zwei Uhr durch ist und ab da ja eh alles egal.
Dann, ein paar Songs weiter, will RAM plötzlich zwei Songs spielen, die ich schon gespielt habe. Ich kann ihn gerade noch rechtzeitig davon abhalten. Er ist schockiert ob seiner selbst. Die Geschichte wird ihn auch knapp vier Stunden später noch nicht losgelassen haben.

Wir tauschen wieder. Ich hab höllisch Bock auf deutschen Hip Hop. Will jetzt Füchse spielen. Bin zwar BPM-mäßig viel zu weit weg, aber es ist nach zwei Uhr. Die Lösung lautet: Echo Out und Baby Scratch.
Es ist halb drei und ich spüre, dass heute auch die gewagteren Nummern gehen. Niemand von Joy Denalane zum Beispiel. Bisher immer eine unsichere Nummer. Heute Balsam auf die Stuttgarter Hip Hop Seele.
Dann mein persönliches Meisterstück des Abends: Nie Nett. B-Seite vom ersten Beginner-Album featuring Bo und Ferris. Die Leute feiern es mindestens so wie ich. Ich bin erleichtert und angestachelt.

Ich erinnere mich an die SMS von RAM von heute Mittag. Das ist einer dieser Momente, wo Du weißt, dass es heute etwas besonderes werden kann. Ich bin noch motivierter als am Anfang des Abends. Außerdem drückt mir ständig jemand nen Schnaps in die Hand.

Kurze Zeit später überspiele ich meine Hardcore-Müdigkeitsphase, indem ich bei RAMs Songs mitsinge. Sonst hätte ich absolut keine Probleme jetzt sofort einzuschlafen. Ich ahne Schlimmes für Morgen früh.

Eine gute halbe Stunde später. Es ist immernoch RAMmelvoll. Ich will’s dann auch noch mal wissen. Ooh Wee, Weekends, Could You Be Loved, Crazy Town, Stayin’ Alive mit Party Safari, How Gee, Walk This Way, Ring Ring Ring, This Is How We Do It, Hot In Here, Schüttel deinen Speck, Miami, Roses und dann brechen alle Dämme: Hip Hop Is Dead, A Little Funk, No Melody, Da Funk, The Seed, Türlich Türlich, It Takes Two, The Breaks, She Wants To Move, die Doobie Brothers, Move Your Feet, Dare, Loving You Is Killing Me und als krönender Abschluss wieder zurück zu Empire State Of Mind. Let the people scream und so. Schließlich freut sich auch jeder Affe über Zucker.

RAM macht mir den Scheibenwischer. Dann grinst er und wir klatschen uns ab. Unsere Lieblingsbeschäftigung an diesem Abend. Ich glaube wir haben öfter abgeklatscht, als Uli Hoeneß mit den Basketballern des FC Bayern München nach deren ersten Sieg.

Die restliche Zeit schwebe ich irgendwo umher. Und irgendwie. Hole Drinks, rauche was das Zeug hält und singe lauthals mit. So ungefähr habe ich mir meine letzte Party in rund sechs Wochen an selber Stelle vorgestellt. RAM spielt am Ende eine halbe Stunde lang Rausschmeißer. Esperanto, Mutterstadt, 1ste Liebe und so. Und als Sahnehäubchen Bill Whiters Ain’t No Sunshine. Ein dem Abend gebührendes letztes Lied. Ich bin glücklich. Und fertig mit der Welt. Mein Körper wird mich morgen so bitter für diesen Exzess bestrafen! Aber was soll’s, denke ich mir.

Wir bauen ab. RAM ist immer noch schockiert darüber, dass er fast zwei Leider doppelt gespielt hätte. Und dann sagt er: “Aber was mich noch mehr ankotzt ist, dass Du mich heute an die Wand gespielt hast.” Es ist ein Kompliment in seiner Welt. Und in seinem Zustand. Ich bedanke mich artig. Dann sage ich er soll damit aufhören. Ich kann wirklich nicht mit Lob umgehen.

Als wir fertig sind, nimmt er mich noch mal zur Seite und versucht mich zu überreden, dass ich nicht aufhöre. Ich bin abermals peinlich berührt. Was soll ich denn jetzt sagen? Um diese Uhrzeit. Und was nicht in einer ausufernden Diskussion endet. Ich versuche mich aus der Situation zu winden und sage, dass ich darüber nachdenke. Das ist soweit auch nicht gelogen. Ich denke in letzter Zeit ziemlich viel darüber nach. Aber ich werde mich nicht umentscheiden.

Am nächsten Mittag schreibt RAM: Wann legen wir das nächste Mal zusammen auf? Ich antworte, weiche der Frage aber völlig aus und umschreibe nur kurz meine weiteren Stunden nach dem Gig. Ich beende die SMS mit den Worten, ich geh jetzt schlafen, gute Nacht. Es ist 15 Uhr.

Mein Körper wird sich rächen. Dafür kenne ich ihn zu gut. Kurz mache ich mir noch Hoffnung, Dienstag wieder fit zu sein. Als Dienstag Morgen aber der Wecker klingelt, weiß ich, dass auch hier nur der Wunsch der Vater des Gedanken war. Vielleicht ist das der Punkt, an dem sich Rock’n'Roll und Lifestyle endgültig trennen. Ganz ehrlich, ich weiß es nicht. Aber ich werde es noch rausfinden.

In diesem Sinne Freunde der Nacht.

xoxo

Bill Whiters – Ain’t No Sunshine

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Bill Withers

p.s.: Thx again to RAM, Corso Tolgi & all other good people who made this happen.

Nachtleben #2 – Vorfreude

Oktober 15, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, clubs & events, ~stuff Kommentare deaktiviert

Freitag, 14.10., 23.55 Uhr

Nach der geradezu überwältigenden Resonanz auf meinen letzten Text, sitze ich schon wieder am nächsten. Weil, nach der Party ist vor der Party, und morgen ist Blogwart-Treffen. Eine Partyreihe, die mein Freund RAM, Mastermind hinter Stuttgarts Most Famous Blog ever Kessel.tv, und ich ins Leben gerufen haben. Nette Idee, aerodynamite.TV meets Kessel.tv und so weiter. Mittlerweile schon zum fünften Mal. Und natürlich immer noch dort, wo alles angefangen hat, in der Corso.

Letztere ist in den letzten Monaten sowas wie mein drittes Wohnzimmer geworden. Kann man eigentlich immer hingehen. Good people, good music und kein überflüssiges Gehate. Eine Rarität in der Szene, wo sonst ganz gerne mal um 20 Euro mehr oder weniger Gage gefeilscht wird.

In der Corso läuft’s immer straight und fair. Und außerdem gehen die Themen auch oft übers Nachtleben hinaus, was mitunter recht angenehm ist.
Die einzige Schwierigkeit besteht darin nüchtern aus dem Laden zu kommen. Möchte gar nicht wissen wieviel Sambuca hier jedes Wochenende vernichtet wird. Immerhin bekomme ich mittlerweile, exklusiv sozusagen, Vodka (bitte russisch ausgesprochen denken), weil mir dieser Sambuca-Scheiß nicht schmeckt.

Des weiteren bleibt positiv festzuhalten, dass man es auch, ohne sonderlich überrascht oder gekränkt zu sein, akzeptiert, wenn man mal nichts Alkoholisches trinken möchte.
Hört sich jetzt zwar erstmal vernünftig an, aber man glaubt gar nicht wie oft einen Veranstalter oder DJ “Kollegen” blöd schauen, wenn man Wasser bestellt. Im Normalfall ist das auch das erste Anzeichen dafür, dass hier ab einer gewissen Uhrzeit nicht mehr viel zu holen ist, was irgendjemand morgen noch in Erinnerung wäre.
Da sagt man dann auch nichts mehr, wenn der andere DJ binnen fünf Liedern um knapp 30 BPM pitcht oder den verkackten Übergang auf den Crossfader schiebt. Was soll’s? Das einzige was die DJ-Diva neben mir morgen noch maximal weiß, sind seine Facebook-Status-Updates “checked in @…”, “… rockt” und “jetzt noch Döner und dann ab in die Falle, morgen geht’s genauso weiter”.

Für alle Dichties dieser Welt noch besser als ein Tagebuch, dieses Facebook. Aber ja ich weiß, wer frei von Schuld ist, werfe den ersten Stein oder so ähnlich. Ich kann’s manchmal auch nicht lassen. Aber zu meiner Verteidigung, ich bin nachfolgend auch nicht sauer, wenn mich jemand deswegen aus seiner Freundesliste wirft oder auf verbergen setzt. Bin Fän, wenn sich die Spreu vom Weizen trennt.

Ich hätte gerne weniger virtuelle Freunde! Manchmal poste ich sogar was total abartiges, um zu überprüfen, wer danach immernoch zu mir hält. Killer Taktik, um sich noch beliebter zu machen! Ich glaube, wenn ich meine Kopfhörer endgültig an den Nagel gehängt habe, werfe ich erstmal hundert Leute raus. Einfach so.
Aber noch ist ja ein bisschen hin. Und solange bin ich noch top motiviert!

Lag die ganze Woche mit Grippe flach und habe hart daran gearbeitet morgen zumindest so fit zu sein, um ne Schachtel Zigaretten beim Legen zu rauchen. Das ist im Normalfall das letzte Zeichen dafür, dass es meinem Körper wieder gut genug geht. Und ich steh einfach so auf rauchen! Hab jetzt vier Tage nicht und mich dabei schon wieder voll auf die erste gefreut. Super Sache! Also in meiner Welt.

Jedenfalls bin ich so motiviert, dass ich seit Stunden neue Tracks suche, um meinem Set wieder ein bisschen mehr Pepp zu verleihen. Geiles Wort übrigens: Pepp! Klingt voll 80s igendwie.

Ich suche ein Mashup, das ich neulich im Club gehört habe. ‘Hit The Road Jack’, aber ich glaube in der Buster Poindexter Version, mit ‘Roc Boys’ von Jay-Z. Killer Ding. Wirklich.
Aber ich find es nicht! Macht mich wahnsinnig. Fühle mich wie vor fünf Jahren, als man noch ähnlich lang für den neusten Shit gesucht hat. Nix mit ‘lass mich das mal eben googlen’.

Egal. Hab ein paar andere nette Sachen gefunden. Mal morgen Mittag antesten. Wenn das Nachbarskind wieder schreit. Dann reiße ich erst meine Balkontür auf und dann die Anlage. Macht am meisten Spaß so. Und ist fast jeden Samstag das gleiche Spiel. Wie die Bundesliga.

Nun gut, habe ich hier schon wieder fett einen weggelabert. Dabei wollte ich ja eigentlich nur sagen, dass ich mich auf morgen freue. Bin total heiß drauf sozusagen. Kann ich auch noch einmal den RAM ärgern. Dumme Sprüche inklusive. Morgen hau ich alles raus, was ich Dir schon immer sagen wollte, RAM! Wird ein reiner Knaller!

In diesem Sinne bis zum Nachbericht.

xoxo

p.s.: Ich verschenke Gästeliste, weil ich a) so n knorke Typ bin, und b) weil ich es kann. Just message me. Am liebsten über Facebook.

Nachtleben #1

Oktober 14, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, ~stuff Kommentare deaktiviert

Thema: Nachtleben

Nachtleben. Ich bin bekanntlich Fän. Trotzdem muss ich was ändern. Denn mittlerweile benutzt das Nachtleben mehr mich als andersrum. Und so sollte das eigentlich nie werden. Außerdem ist alles was nach zwei Uhr nachts passiert irgendwie nur noch so halbgeil.

Meine Erklärung: Die Wahrnehmung verschiebt sich. Ganz einfach. Und zwar bei jedem einzelnen, der jetzt noch irgendwie unterwegs ist. Das ist das größte Problem, dass das kommerzielle Nachtleben hat. Da bin ich voll von überzeugt.

Die Uhrzeit wird zur Ausrede. Menschen, die jeden Tag mit der gleichen S-Bahn, um die gleiche Uhrzeit, zu ihrem von  Langeweile geprägten Bürojob fahren, um die Hälfte ihrer Arbeitszeit heimlich auf Facebook zu hängen, weil ihr ganzes Leben von Regeln geleitet wird, die sie nicht aufgestellt haben, werden auf einmal zu anarchischen Monstern, die aus dem Trott ausbrechen wollen. Sie tragen jetzt die Maske der Nacht.

Und Alkohol hin oder her, das Nachtleben ist ein Sammel-/Auffangbecken für Vieles was bei Tag schlichtweg undenkbar scheint. Hier wird phasenweise das Bewusstsein so erweitert, dass selbst der kühnste Beobachter ins Staunen gerät.

Ich persönlich habe mir angewöhnt nach zwei Uhr nachts nichts mehr für bare Münze zu nehmen. Außer meine Gage, klar. Alles andere ist meist eh nur heiße Luft, die schneller verdampft, als sie kondensiert ist. Teilweise faszinierend, teilweise erschreckend. Aber in so gut wie keinem Fall, in Betrachtnahme des vermutlichen Ertrags, lohnenswert zu atmen.

Manchmal möchte ich mir ununterbrochen mit der flachen Hand auf die Stirn schlagen, wenn ich da so drin stehe, im Sog der nächtlichen Unterhaltungsbranche. Aber das würde vermutlich ziemlich dämlich aussehen. Stattdessen verwahrlose ich lieber vor mich hin. Und beobachte.

Ich sehe Menschen, die sich darüber profilieren DJ zu sein, mit Mitte dreißig aber noch bei Mama wohnen. Ich sehe Menschen, die mir Schnaps ausgeben, obwohl sie mich offensichtlich nicht leiden können. Ich sehe Menschen, die mir Affären unterstellen, ohne dabei wenigstens noch gleich mit zu behaupten, dass ich ein Sexgott wäre. Ich sehe Ex-Freundinnen, bei denen es noch nicht mal dafür reicht noch Facebook-Freunde zu sein.
Ich sehe Menschen, die sich mit jedem Gang zur Bar mehr verändern. Ich sehe Menschen, denen ‘Resteficken’ geradezu auf der Stirn geschrieben steht. Ich sehe DJs, die mit jedem Drink schlechter werden und besser nach Hause gehen sollten. Ich sehe Menschen, die schlechte Laune haben, weil sie offenbar nüchtern sind und fahren müssen.

Irgendwie ist alles hier verdammt unspannend. Langeweile ist wohl das einzige, was mich jetzt noch antreibt.  Ich frage mich, ob das wirklich alles ist. Ist das das Leben, das passiert, während ich noch Pläne schmiede? Und kann ich in dieser Atmosphäre eigentlich überhaupt Pläne schmieden? Ich weiß es nicht! Aber ich bezweifle es immer mehr.

Eine Nacht später definiere ich Spaß neu. Zumindest für mich. Ich lege auf und bin total entspannt. So entspannt wie selten zuvor. Muss an der Gleichgültigkeit liegen, die mich umgibt. Ich stehe versteckt. So versteckt, dass Leute teilweise gar nicht wissen, dass hier gerade ein DJ auflegt. Ich mag das. Aber ich gehöre ja auch nicht zu der Sorte DJ, denen es am wichtigsten ist sich selber zu inszenieren und zelebrieren.

Ich konzentriere mich auf die Musik. Heute spiele ich zwar Trash- von BRAVO HITS eins bis heute- aber das kann man auch gut tun. Der Mixer vor mir ist zwar totale Rotze, weil Clubs gerne mal am falschen Ende sparen, aber auch das lässt mich kalt. Früher hätte ich mich darüber aufgeregt. Heute nehme ich es hin. Das ganze Chaos und Unwissen, dass diese Szene fast schon nährt. Nachhaltigkeit ist in diesem Business für fast jeden ein Femdwort. Leider.

Und das schlimme daran ist nicht, dass sie es nicht verstehen, sie sind einfach zu sehr von sich selbst überzeugt, als dass sie irgendeinen Misserfolg mal in Frage stellen würden. Aber das ist jetzt ein genauso komplexes wie anderes Thema.

Es bleibt festzuhalten: Über die letzten Jahre betrachtet hätte ich einfach noch viel mehr Menschen persönlich beleidigen sollen!

Auf einmal sprudeln mir alle negativen Ereignisse durch den Kopf, die mir in den letzten knapp sechs Jahren Nachtleben wiederfahren sind. Es ist für einen Moment fast so, als ob es gar nichts positives gab. Ich erinnere mich nur noch an absurde Aktionen und Dialoge. Teilweise witzig, aber im Prinzip meistens ausschließlich traurig. Ich mache mir so meine Gedanken. Habe ich zwar schon immer, aber mit der Zeit werden es immer mehr. Man könnte an dieser Stelle getrost von ‘bedenklich vielen’ sprechen.

Ehrlich, ich glaube ich könnte ein Buch darüber schreiben. Geschichten und menschliche Abgründe hätte ich genug- wie RTL. Würde aber wahrscheinlich trotzdem niemand lesen wollen, weil im Vergleich zu Hans Nieswandt zum Beispiel, erscheint es geradezu lächerlich was ich beim Auflegen so erlebt habe.

Ha! Vermutlich ist genau das das Problem! Es ist alles in allem einfach so total lächerlich! Und dazu in keinster Art und Weise nachhaltig.

Jetzt mal ehrlich: Von Dorf zu Dorf zu tingeln, um vor irgendwelchen in ihrer Wahrnehmung schon längst verschobenen Spasten Musik zu spielen, die sie nicht verstehen, mich dabei von Veranstaltern, die den Unterschied zwischen 33 und 45 nicht kennen, messen zu lassen mit anderen DJs, die sich so nennen, um endlich ein bisschen Aufmerksamkeit zu bekommen, weil sie ihre Mama nicht geliebt hat, und die für ein Drittel meiner Gage spielen, und diese dann komplett für “professionelle” Pressebilder und die dabei getragene Sonnenbrille ausgeben, um damit wiederum bei anderen Veranstaltern, die Usher für OldSchool halten, Gigs abzustauben, die sie nicht verdient haben, weil sie leider noch nicht mal ihr kack digitales Auflegsystem so einrichten können, dass sie nicht vier Minuten dafür brauchen den nächsten Song zu suchen, der ganz nebenbei vor zwanzig Minuten schon mal lief. Es ist einfach alles so lächerlich. So provinziell lächerlich, dass es alle, die dabei mitspielen, automatisch zu den Hinterwäldlern macht, über die sie sich sonst so gerne aufregen.

Irgendetwas in meinem tiefsten Inneren sagt mir, dass ich nie wieder über andere DJs und Veranstalter reden möchte. Ich habe die Schnauze voll!
Gut, wäre ich jetzt der Typ dafür, nachts um Fünf noch alles wegzuknallen, was ich in meinem Zustand noch sehen könnte, wäre das sicherlich genau das richtige Ding für mich. Aber irgendwie, nennt mich ruhig verrückt, möchte ich mit meinem Leben noch irgendwas Vernüftiges anfangen. Was genau, weiß ich natürlich nicht. Aber wer weiß das schon?

Ich kann ja mal mit dem Buch anfangen. Vorher sollte ich aber besser mit dem Nachtleben aufgehört haben. Also zumindest in dieser Form. Sonst fühle ich mich am Ende wie Philipp Lahm. Und wer will das schon?

Während dieser erkenntnisreichen Gedanken läuft die Party übrigens wie am Schnürchen. War mir auch klar, dass Leute diesen Britney Spears und Backstreet Boys-Scheiß immer wieder feiern werden. Es ist so eine Art gemeinschaftlich mit der Leiche im Keller auf der Tanzfläche spazieren gehen. Vielleicht bin ich aber auch nur ein verdammt guter DJ!

Mein Selbstbewusstsein beeindruckt mich an dieser Stelle. Könnte aber vielleicht auch am Schnaps liegen. Oder an den Groupies, die ich eher nicht knallen möchte.
Irgendwie scheint der Abstand, den ich mir für die Zukunft wünsche, schon ein Stück weit da zu sein. Ich genieße den restlichen Abend. Bin ja nur einmal jung. Und außerdem nicht mehr lange dabei.

Ein paar Stunden später. Ich blicke auf die Uhr. Es ist sowas um halbzehn Uhr morgens. Und hell. Ich trinke Bier. Immernoch. Mittlerweile vom Supermarkt. Ich war schon frühstücken. Also richtig frühstücken. Eier, Toast, Kaffee, frischer O-Saft. Ich habe mehr Geld in der Tasche als am Anfang des Abends. Zwar nicht so viel, dass ich mit meinem exzessiven Lebenstil weit damit kommen würde, aber immerhin. Und, ich hatte keinen Sex mit der Ex meines besten Freundes. Wahnsinn! Ich bin einfach ein Knaller-Typ. Und ich weiß jetzt wieder, warum ich definitiv mit dieser Nachtleben-Scheiße aufhören muss…

In diesem Sinne, nach der Party ist immer auch vor der Party:

Das ist der entsprechende Mix dazu:

DJN – Corso 13:31

Und demnächst kommt dann auch der entsprechende Text.

xoxo

Der schlafende Riese

Oktober 02, 2011 Von: DJN Kategorie: * music music music *, ~stuff Kommentare deaktiviert

Hat ein bisschen gedauert, aber jetzt ist es soweit. Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem ich Frau K. aus Doppel-A Lügen strafen will. Nicht dass ich es nötig hätte, aber sonst habe ich gerade auch nicht viel anderes vor. Erstaunlicherweise wurde ich in den vergangenen Tagen auch des Öfteren persönlich darauf angesprochen, wo meine Antwort bleibt. Hat mich zugegebenermaßen ein bisschen unter Druck gesetzt.

Des weiteren gebe ich zu, ich habe lange darüber nachgedacht. Also nicht am Stück. Das wäre ja verrückt. So in unregelmäßigen Abständen. Während ich einer körperlich stupiden Arbeit nachgegangen bin. Muss man auch mal gemacht haben. Sonst kann man ja nichts drüber sagen…

Jedenfalls habe ich erstmal Ideen gesammelt. Was ist uneingeschränkt gut? Also ohne Nebensatz. Mein erstes, erwähnenswertes Ergebnis war: Schlafen! Und vielleicht Bifi. Ist immerhin das einzige, dass man nachts an der Tankstelle kaufen kann, wenn man keine Kohlenhydrate mehr zu sich nehmen möchte. Aber jetzt mal ernsthaft, wer schläft nicht gerne? Da erscheint mir die Kombination beider, also erst Bifi, dann schlafen, spontan als paradiesähnlicher Zustand.

Aber bleiben wir beim Schlafen. Super Antwort fürs Erste. Träumen steht ja auf einem anderen Blatt, um das hiermit, nicht als Nebensatz, mit abgeklärt zu haben. Damit war das Thema aber noch nicht abgehakt. Muss ja noch ein Text dazu. Geht zwar, wäre aber vermutlich total langweilig. Wirklich. Selbst Frau K. würde das nicht lesen wollen. Denke ich jetzt einfach mal.

Und außerdem, voll wichtig, wäre das auch nicht wirklich autonom, äh authentisch von mir. (Insider) Ist mir in dem Zuge klar geworden. Bin ich vielleicht schlicht und einfach nicht der Typ für. Oder es ist, ganz simpel gesagt, eben nicht mein Ding. Wie auch immer man das jetzt beschreiben möchte. Ich gehe an Themen einfach, und lieber, anders ran.

Dabei ist mir dann auch der wesentliche Unterschied zwischen mir und und Frau K. aufgefallen. Die Erklärung warum wir die Dinge hier in diesem Fall anders wahrnehmen.

Die Wahrheit liegt, wie so oft, im Grundsatz. Nicht am Alkohol, wie im Nachtleben.

Frau K. ist die Sorte Mensch, und ehrlich, ich bewundere sie dafür, die offen durchs Leben gehen, jeden anderen Menschen erstmal für gut und vernüftig halten. Die Bösen sind die Ausnahme. Die Unwitzigen, Dummen und Assozialien auch. Und selbst die, die nur nicht auf der selben Wellenlänge surfen. Hier wird noch klassisch ausgesiebt. Das birgt aber leider eine, ich sage jetzt einfach mal, ziemlich große Gefahr enttäuscht zu werden in sich. Immer und immer wieder.
Bei mir hingegen ist es genau andersrum. Ich bin in allererster Linie einmal misstrauisch, denn ich glaube auf gar keinen Fall blind an das Gute im Menschen. Da mache ich es mir auf den ersten Blick vielleicht ein bisschen leicht, auf der anderen Seite erfreue ich mich erheblich mehr, wenn mir dann aber mal ein tatsächlich gut zu mir passender Mensch über den Weg läuft.

Besitz muss uns glücklicher machen, als Verlust unglücklich. Dann ist alles gut.

Ich glaube früher habe ich das auch mal anders gesehen. Verschwommene Erinnerungen machen mich glauben, dass ich wahrhaftig mal dachte, alle Leute, die ich kenne, sind auch meine Freunde. Und nett ja sowieso. Diese Seifenblasen-Traumwelt ist allerdings relativ schnell zerplatzt und hat sich dabei gleichzeitig, um mal eine paradoxe Metapher zu benutzen, hart in mein Bewusstsein gebrannt.

Ich traue Menschen absolut alles zu. Ehrlich! Keine noch so schockierende Nachricht über die Abgründe Einzelner kann mich noch annähernd verwundern. Der Zustand der Fassunglosigkeit in meinem Leben ist ein chronischer, gar  permanenter, der mich nicht im Geringsten aus dem Konzept bringen kann, weil er schon vor langer Zeit die Thesis des selbigen war.
Eine Nebenwirkung dieser mehr oder minder unfreiwilligen Umorientierung: Gefühlsarme Rationalität, die es einem zwar auf der einen Seite nach wie vor ermöglicht ganz viele Dinge persönlich toll oder positiv zu finden, aber im Gegensatz eben auch jedem Versuch von Schönrederei einen umöglich überwindbaren Riegel vorschiebt.

Und jetzt mal ehrlich (immer noch) Frau K. (und das restliche worldwideweb), das ist in meiner kleinen, von Egoismus gedüngten Traumwelt ein uneingeschränkt positiver Effekt.

p.s.: Ich weiß, so hast Du Dir das wahrscheinlich nicht vorgestellt. Und so wolltest Du das auch nicht lesen jetzt. Aber hey, nur eines ist so sicher wie das Amen in der Kirche: Erstens kommt alles anders, und zweitens als man denkt. Denn wenn dem nicht so wäre, hätte ich mein Geld schon längst mit Sportwetten gemacht.

In diesem Sinne, ich gehe jetzt schlafen, ich bin müde. Und ich kann es.

xoxo

The Guts – And The Living Is Easy

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Guts

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