Digital DJing 2.0 alder
Wie vielleicht schon ein paar Leute mitbekommen haben bin ich vor rund drei Wochen auf DJing mit Serato umgestiegen. (Und hab mir nebenbei dafür auch n Mac Book zugelegt, was für Leute die mich bisher als eingefleischten Mac-Hasser kannten auch sehr strange war…)
Der Umstieg (wenn man es denn überhaupt so nennen kann- hab jetzt halt nur zwei CDs und nen Laptop statt 300 Cds dabei) hatte natürlich mehrere Gründe. Einer davon sehr simpel: ich hatte keine Lust mehr Tracks zu sortieren, mir dann ein sinnvolles Brennsystem zu überlegen, zu brennen und dann noch zu beschriften (leserlich natürlich). So muss ich tatsächlicherweise lediglich Schritt eins noch machen und spar mir damit natürlich auch jede Menge Zeit.
Sortierung ist an sich eh schon so ne Sache und ne gute einfach das A und O. Ausschlaggebend war dabei für mich ein Ereignis vor ein paar Monaten im Moloko als Matze, der Chef, zu mir kam und sich ‘Rollin’ von Jay-C wünschte. Ich war damals in einer ‘ich hab seit nem guten halben Jahr nicht mehr sortiert und jede Woche einfach die neuen Tracks willkürlich gebrannt und per Hand beschriftet-Situation’, was natürlich absolutes Chaos hinter dem DJ-Pult nach sich gezogen hat. Da lagen dann immer wild CDs links und rechts und ich geb zu, wenn die Zeit mal knapp wurde hab ich einfach den nächsten guten Track genommen, der mir unter die Augen kam. Jedenfalls sagte ich zu ihm, ‘ja klar, wenn ichs find…’, woraufhin er nur ganz locker meinte ‘na schau doch unter J’…
Tja was soll man sagen- das geht jetzt einfach. Allerdings hab ich mir die Entscheidung wirklich nicht leicht gemacht und lange überlegt. Bisher konnte ich mich einfach nicht richtig damit anfreunden mit Laptop auflegen zu gehen. Dann sieht man auch noch ein paar Negativ-Beispiele, die seit sie mit Serato, Traktor Scratch, MixVibes oder ähnlichem auflegen schlecht oder faul geworden sind. Ganz zu schweigen davon, dass die Laptop Konstruktionen an vielen DJ-Pulten waaghalsig bis grob fahrlässig sind und zu späterer Stunde selten gesittet mit dann doch nicht ganz billigem Equipment umgegangen wird.
Aber irgendwas is ja eben auch immer. Die Entscheidung zwischen Traktor und Serato ist mir wiederum ziemlich leicht gefallen-Traktor lag mir einfach noch nie und Serato hat mich irgendwie immer schon von der Oberfläche her angesprochen. Ist jetzt zwar für jemand der meist auf elektronischer Basis spielt eher ungewöhnlich, aber ganz ehrlich: normal war ich ja eh noch nie.
Außerdem ist mir aufgefallen, dass ich auch irgendwo zwischen den- ich vereinfach das jetzt mal- Housern und den Hip Hop Atzen steh- zeigt sich schon ganz simpel an der Anzahl der Tracks, die man in einer Stunde spielt (kann ich ja jetzt super nachvollziehen dank Serato)- Houser spielen so 10-15, Hip Hoper 30-40 und ich so ungefähr 20-25.
Ich hatte da früh die Erkenntnis, dass elektronische Tracks in den seltensten Fällen wirklich über eine komplette Dauer von 8 Minuten gut sind und man die deswegen auch nicht mehr oder weniger auspielen muss. Und DJs, die meinen jedes Lied nur 30 Sekunden bis ne Minute spielen zu müssen, gingen mir schon immer auf die Eier. In beiden Fällen hab ich auch noch nie ne gute Party erlebt.
Aber ich komm vom Thema ab. Ich hab natürlich vor und seit dem Umstieg mit vielen Leuten drüber diskutiert und mir kamen dabei sehr viele Meinungen entgegen. Hier mal ein kurzer Querschnitt:
Kool DJ Swist: ‘Ich rat Dir dazu, ist schon praktisch aber ich hab in meinem Leben noch niemand gesehen bei dem ein Laptop beim Auflegen gut aussieht.’
Don Parrang (from Buschwerk Bouncesystem): ‘Endlich- das einzig Wahre!’
Manu (from Dilution Two): ‘Braucht kein Mensch.’
Matze (Moloko Cheffe & Nick Farrel): ‘Wird ja auch endlich Zeit!’
Phil Garant (DJ Kollege seit der ersten Stunde): ‘Okay…aber warum Serato???’
Denson: ‘Ja ich bin natürlich dafür aber die meisten werden halt irgendwann einfach faul ist meine Erfahrung…’
DJ Reg (der die letzte Überzeugungsarbeit leistete): ‘Du wirst viel Spaß damit haben.’
Ja und das hatte ich bisher durchaus. Auch wenn meine Freundin mich die ersten drei Tage nach Ankunft des Pakets nicht gesehen hat, weil ich erstmal meine komplette Mucke einsortiert hab, hat sie sich dann mittlerweile an die Dreier-Beziehung gewöhnt
Hab jetzt drei mal damit gespielt und muss sagen, dass ich bis dato durchweg zufrieden bin und mich aufgrund von akutem Zeitmangel noch nicht mal mit allen Funktionen genau beschäftigen konnte. Was übrigens letzte Woche zu nem ganz witzigen Panikanruf bei meinem Kollegen Baris von ‘Denson&Busy Icer’ geführt hat, als ich einen Track reingeladen hatte und der auf einmal blau war:
‘Hey Baris, vielleicht ganz blöde Frage, aber ich steh hier grad im Club, hab nen Track in mein Deck geladen und der ist blau- was bedeutet das? Ist das schlimm?’
Baris: ‘*Lachanfall*…nein Mann, den hast du wohl von irgendjemand der auch Serato hat und der hat den Track schon mal bei sich reingeladen und nach Farben sortiert- das geht auch…’
‘Abgefahren…’
Ihr seht also, ich werde noch viel Freude haben…und ich hab mir natürlich vorgenommen auch nicht faul zu werden. Wobei ich jetzt hier auch nicht den Eindruck erwecken möchte, dass man nichts mehr tun braucht- die Tracks pitchen sich nicht von alleine ein- man kann jetzt halt auch den Beat sehen statt ihn nur zu hören…so mal als Beispiel für ganz Unwissende unter euch.
Außerdem sind wir (leider) mittlerweile an nen Punkt im Aufleg-Business gekommen, an dem es Dir niemand mehr anrechnet wenn du tatsächlich ohne jedes visuelle Hilfsmittel auskommst- es ist schlicht und einfach total normal geworden. Aber damit wären wir jetzt wieder beim Thema Anspruch- dem des DJs und dem des Gastes- was definitiv ein anderes und zu großes Thema ist, um hier jetzt auch noch auszudirkutieren.
Ich persönlich denke jedenfalls, dass Leute die vorher nicht auflegen konnten es auch mit Serato, Traktor oder was auch immer nicht grundlegend besser hinbekommen…ein bisschen Verständniss für Musik, Songauswahl, Timing, etc. gehört halt auch noch dazu- und Gott sei Dank- kann uns das keine digitale Maschine oder digitales System abnehmen…









