Gast-Review by Herr Werner: Rock am Ring 2009
Herr Werner goes aerodynamite!
Wie bereits angekündigt war mein Bruder aka Herr Werner während ich beim Rock im Park faul rumhing arbeitenderweise bei Rock am Ring und hat seine Erlebnisse dort für aerodynamite in Textform gebracht. Probs for that! (wie der Spanier sagt)- los geht’s jetzt:
Live from Rock am Ring – Backstage Alterna Stage.
Wenn man beim Ring arbeitet hat das viele Vorteile – man kommt umsonst aufs Festival, wohnt umsonst, kriegt Geld dafür und hat schöne 6 Tage. Zu den Nachteilen komm ich auch noch, keine Angst…
Anreise war also am Mittwoch morgen. 7 Uhr Abfahrt. Großartig. Mit Rock n Roll hat das nicht viel zu tun, aber was solls. Nach endloser Warterei und einem nicht bekommenen aber versprochenen Mittagessen gings ans Truck ausladen. Könnt Ihr Euch vorstellen, was passiert, wenn 40 Leute versuchen, 2 Trucks auszuladen? Genau. Langweilig. Dank einer missglückten Planung haben dann ca. 20 Leute gearbeitet während weitere 20 den restlichen Tag rumgesessen sind. So kann man auch Geld verdienen. Wie dem auch sei. Halb 10 ausgecheckt, ekliges Bitburger getrunken, ins Bett gefallen, schlecht geschlafen. Super.
Donnerstag ähnliches Bild. Da Korn (Headliner Freitag) noch nicht abends zum Aufbauen kam, mussten wir nicht schichten, sondern haben wieder alle 40 Ton aufgebaut. Langweilig. Sonnenbrand bekommen. Yeah. Zum Glück ist Donnerstag abends Titty Twister Time, also andere Hose an und Rock n Roll!!! In Ermangelung eines Jack Daniels Deals gabs nur Jim Beam (igitt), da mussten wir leider eimerweise Havanna trinken. Geht auch. Anekdote am Rande: Ein Kollege hat unbedingt Streit gesucht und hat alle angerempelt um in eine Schlägerei zu kommen. Leider haben sich alle entschuldigt und mit ihm angestoßen, war wohl nix. Halb 5 ins Bett, schlecht geschlafen, weil ab 8 die Hölle los war. Super.
Am Freitag gings also los. Wir hatten Spätschicht, also von 17 Uhr bis es halt vorbei war. Im Jahr zuvor hatten wir ein spitzen System, das der diesjährige Stagemanager mal hopplahopp über den Haufen geworfen hat, weil seins besser ist. Ja genau. Da Marylin Manson sich als Co-Headliner verstand hat der gleich mal mit seinem Scheiß die komplette Bühne belegt, was zur Folge hatte, dass alle anderen Bands ihre Backline über das halbe Gelände verteilt im Freien aufbauen mussten. Läuft. Zum Glück war kein Regen, das hätte uns noch gefehlt.
Unsere Schicht begann bei Shinedown, da bin ich ja Fan von und die Show war echt geil. Danach Papa Roach, hell yeah, meine Jugend. Gott sei Dank haben die von dem neuen Scheiß Album nur zwei Songs gespielt, darunter den einen, den ich gut finde.
Dann Staind. Puh. Bei Staind muss man immer aufpassen, nicht schon beim Namen in ein wohlwollendes Koma zu fallen. Der Inbegriff der Langeweile. Außerdem waren die Affen die einzigen, die ein eigenes Multicore zur Bühne liegen hatten, und während es für die Frühschicht am Morgen ja kein Problem ist, das zu legen, ist es für die Spätschicht ein Riesenspaß, das wieder zu holen. 6 Mann von uns, 8 Securitys und los. Schneise in die Menge schlagen. Das ging bis zum letzten Wellenbrecher echt gut, abgesehen von den Fragen der Leute (‚Ist was kaputt?‘ oder ‚Legt Ihr da noch neues?‘ – Ja genau).
Gott sei Dank sind wir rechtzeitig vor Killswitch Engage wieder rausgekommen. Die haben die Menge ja echt mal auf Links gedreht. Große Show. Und wenn Ihrs noch nicht kennt, zieht Euch die Dio Coverversion von Holy Diver rein. Hau ruck!
Dio – Holy Diver
Killswitch Engage – Holy Diver (Dio Cover)
Dann Manson. Oh je. 40 Minuten Umbau und die komplette Bühne musste geändert werden, weil der Pfosten denkt, er sei was Besonderes. Am besten war die Kabuki Aktion (Kabuki=Vorhang, der magnetisch an der Traverse festgemacht ist und zu einem bestimmte Zeitpunkt fällt): Wir stehen also zu zehnt im Kameragraben und warten auf das Scheiß Ding. Leider hing er erstens viel zu hoch, weswegen die komplette Traverse fünf Meter runtergelassen werden musste. Hat das der Praktikant abgemessen? Jedenfalls hatten wir ihn dann zu fassen bekommen (bei Windstärke 8 gar nicht so einfach).
Dann wurden wir komplett von der Bühne verbannt, da Herr Manson nicht dabei beobachtet werden will, wie er an seiner Sauerstoff Flasche nuckelt. Und dann noch scheiß Songs gespielt. Nee, das war nix.
Da lob ich mir doch Korn. Die waren schließlich Headliner und hatten 0 !!!!! Sonderaufbau. Rock n Roll pur eben. Die hatten nicht mal nen Lichttechniker dabei. Respekt. Auch für 2 Stunden Riesenshow, auch wenn ich wenig gesehen habe, weil wir ja 2 Trucks Manson verpacken mussten. Da machte es auch nichts, dass vor der letzen Zugabe die Monitoranlage einem Stromausfall zum Opfer fiel. Wäre eh Another brick in the Wall gewesen und das braucht ja kein Mensch.
Bleibt zu erwähnen, dass der Papa Roach Drummer, neben dem ich die Show verfolgt habe, ein echt netter Mensch ist, der mich und Gott und die Welt umarmt hat, weil wir alle so toll sind und das Festival soooo toll ist. Zitat: ‚The crowd is not good – it’s amaaazing‘. Stellt Euch vor, Ihr würdet das mit 20 Bier aussprechen, dann habt Ihr die richtige Aussprache. Cooler Typ. Genauso wie die Korn Crew übrigens. Sehr nette Leute, sehr schnelles und entspanntes Abbauen. Spät ins Bett, gut geschlafen.
Samstag. Der Mädchen Tag. Was ein Line Up. Hätte eher zu nem Teenie Tanzkurs gepasst als zu Rock am Ring. Außerdem hats aus Eimern geschifft und war schweinekalt. Wir haben um 16 Uhr angefangen, da hatten wir gerade die Ehre mit White Lies. Die sind ebenso wie Phoenix und The Script eigentlich keine Erwähnung wert.
Madness waren ganz cool. Die alten Gassenhauer wie ‚Our House‘ mal live. Witzig.
Jetzt Reamonn. Ui. Die gehören halt auf ein Rockfestival wie ne Kuh in nen indischen Eintopf. Würde mich interessieren, was die Jungs zu Hause erzählen, die während Reamonn aus der Menge gezogen wurden und ins Rot Kreuz Zelt gebracht wurden. ‚Ich musste mich besaufen, weil meine Freundin mich zu Reamonn geschleppt hat.‘ Irgendwie so was muss es sein.
Bloc Party gehören wieder in die Kategorie ‚Was ist denn das denn?‘.
Jan Delay war gut. Abgesehen davon, dass seine Background Mädels den Quick Change benutzt haben, der uns tagsüber mit zwei Heizlüftern wenigstens warme Füße beschert hat. Tja, da hieß es wieder frieren. Jan Delay macht sich übrigens total witzig warm: Knie an den Bauchnabel und komplett durchs Gelände gehoppelt. Dann pinkeln nebens SWR Zelt und zurück gehoppelt. Wir sind halt alle nur Menschen.
Bei Mando Diao haben mich nur schwere Kopfschmerzen davon abgehalten, live im Fernsehen zu sein. Wenn ich nicht von der Bühne hätte müssen, dann hätte ich nen Lichtumbau gemacht. Naja, muss die Welt noch ne Weile auf meine 15 Minuten Ruhm warten. Wären eh nur 15 Sekunden geworden. Die Band war echt gut, bisschen nervig mit der Zeit aber ok. Der Abbau lief sehr geordnet und freundlich. Nette Crews sind toll. Nette Tourmanager auch. Jan Delay und Mando Diao hatten den gleichen, den sieht man auch immer und überall. Begrüßt alle mit Handschlag und hat einfach alles im Griff.
Gott sei Dank kam Peter Fox erst am Sonntag morgen, sonst wären wir in dieser Eiseskälte noch Stunden gestanden. So hatte die Frühschicht ne Menge Spaß mit Peter Fox. Dank einem der drei (!!!!) Stagemanager kamen wir relativ früh ins Bett.
Am Sonntag haben wir uns eigentlich den ganzen Tag auf den Crewverkauf gefreut. Da wird der Rest vom Merch für die Hälfte an die Crew verkloppt. Nachdem wir also den halben Mittag durch die Boxengasse gestiefelt sind (im Regen), weil dort letztes Jahr der Verkauf war, haben wir mitbekommen, dass er dieses Jahr wo ganz anders ist. Und erst ab 18 Uhr. Super. Da arbeiten wir schon. Als wir es geschafft hatten, um 20 Uhr kurz dort vorbei zu gehen war schon alles vorbei. Blöd gelaufen.
Also zurück zu Tomte und Kettcar und den anderen grandiosen Scheiß auf unserer Bühne. Vor Peter, Björn und John kam der kürzeste Sturm aller Zeiten, der allerdings sogar die beiden Alterna Stage Banner neben der Bühne runtergerissen hat, so dass komplett aus Sicherheitsgründen der Bereich zwischen den ersten Barrikaden geleert werden musste. Mal was Neues.
Mit etwas Verspätung gings dann weiter. Bei Chris Cornell war dann wieder strahlender Sonnenschein. Der Wettergott hat halt Ahnung von Musik. Cornell hat neben ein paar eigenen Songs (aber nicht den grässlichen Bond Song) noch ein paar Klassiker von Soundgarden und Audioslave ausgepackt. Das Highlight an diesem Tag. Nebenbei bemerkt der geilste Basssound, den ich seit langem gehört habe. Peter Fox hat sich das ganze übrigens Backstage angeschaut. Scheint auch Ahnung von Musik zu haben.
MIA. Fällt mir nicht viel dazu ein. Waren halt auch da. Hab dabei nur vom Videotechniker gelernt: ‚Soll die Leinwand lange halten, benutze stets die alten Falten‘ Gewusst wie. Die Scheiß Leinwand hat auch das ganze Backstage zugestellt. Dass es da keine blauen Flecken gab…
The Kooks haben mich wahnsinnig aufgeregt. Wie kann man auf so ner großen Bühne spielen und sich dann auf den Füßen stehen. Das macht doch keinen Spaß.
Dann war endlich Peter Fox dran und die Enge hinter der Bühne vorbei. Wir mussten wegen dem Kerl tatsächlich den ganzen Tag die gleiche Seite zum Rein- und Rausrollen verwenden, was echt stressig und langwierig war. Aber der Peter hat ja alles zugestellt. Diese komplette Riserkonstruktion hatte es echt in sich. Zu zehnt rausgeschoben und versucht, auf Position zu bringen. Nicht hilfreich die Ansagen durch die Monitoranlage: Noch 10 Minuten, noch 5 Minuten usw.
Wer hatte übrigens die Ehre, das Teil zu wischen? Ich natürlich. Vor 40000 Leuten den Mopp schwingen muss ich eigentlich nicht haben. Hab auch Applaus bekommen. Von der Show hab ich überraschend viel gesehen, trotz Kooks einladen und Peter Fox Crew Meeting während der Show.
Neben unserer Show Crew kamen 35 zusätzliche Helfer um direkt nach der Show alles rauszureißen. Leichtes Chaos. Hier zeigt sich halt, wer organisieren kann. Nicht alle, kann ich Euch sagen. Glücklicherweise war ich für Set eingeteilt, also Riser auseinanderbauen. Das war ok und hat ne Weile gedauert. Während ich unter den Dingern rumgekrochen bin um die Schrauben zu lösen, hab ich tatsächlich meine Mütze verloren, weil die irgendein dämlicher Techniker ins Publikum gekickt hat. Außerdem ist mir jemand auf die Hand getreten, das nur am Rande.
Als es dann ans Laden ging ist mir einer der neuen Crew tatsächlich mit nem Case in die Hacken gefahren. Ich dachte, so was passiert nur Anfängern, aber es passiert wohl auch geistig deutlich zurückgebliebenen 1 Euro Jobbern. Das waren vielleicht alles Trottel, was da alles schief ging würde den Rahmen hier sprengen. Kleines Beispiel am Rande: Der Trucker wollte eine Kiste auf Rollen nach links oben, die Jungs haben sie auf die Seite nach rechts unten gestellt. Mehrfach.
Nachdem um ca. halb fünf Peter Fox verarztet war ging der Stress erst richtig los. Allerdings eher mit unserem Chef. Nach LANGEM Hin und Her haben wir tatsächlich nach 11 Stunden was zu essen bekommen und nach noch längerem Hin und Her haben wir dann noch die restliche Produktion abgebaut, nicht ohne einen Stapler auszugraben oder diverse andere kleine Missgeschicke. Na ja, um 7 Uhr morgens war der Spuk vorbei. Ab nach Hause und schlafen, schlafen, schlafen. Rock n Roll.
















November 2nd, 2009 at 18:41
Einmal ein Review aus ner anderen Perspektive, sehr geil!