Plattenchecks Juni 2010
Uffie, Blumentopf, Born Ruffians, Robyn, Kelis, Marina And The Diamonds & The Smoking Gun Backstage Tour
(mehr nachm Jump)
+++ Schock für alle Hip Hop Fans: Guru, legendärer Rapper der Gruppe Gang Starr und Visionär mit seinen vier „Jazzmatazz“ Hip Hop-Jazz Crossover Alben, erlag im Alter von 43 Jahren seinem Krebsleiden und hinterließ tiefe Trauer in der Szene. +++ „Me No Win“, unglücklicher Zweiter der gerade beendeten DSDS-Staffel, ruiniert sich konsequent selber seine eigene Karriere und unterschrieb für mehrere Auftritte bei Richard Lugner einen Viertel-Millionen-Euro Deal, von dem laut Knebelvertrag mit RTL aber eigentlich nur der Fernsehsender was hat. Seine Auftritte enden unterdessen mit Tumulten in österreichischen Einkaufszentren oder mit Flaschenwürfen aus dem Publikum am Ballermann. +++ Der US-Musikkonzern Warner Music hat im ersten Quartal 2010 mit CD-Verkäufen ein Minus von 25 Millionen Dollar eingefahren, immerhin 43 Millionen weniger als letztes Jahr. Auch der Gesamtumsatz fiel um 1 Prozent auf nur noch 662 Millionen. Die britische EMI kämpft derweil gegen den riesigen Schuldenberg ums Überleben. Da könnte man fast ein bisschen Mitleid bekommen, hätten sie sich das alle nicht selber eingebrockt. +++ Und noch ein WM Song, dieses Mal aus England. Russel Brand und Robbie Williams werden den Lightnig Seeds Klassiker „Three Lions“ von 1996 neu aufnehmen. Ob das England in Südafrika wirklich helfen wird bleibt abzuwarten. +++ Nach über 400 Preisen in ihren glorreichen Karriere könnte sich Whitney Houston einen weiteren sichern, nämlich den für das schlechteste Comeback aller Zeiten. Die ersten Konzerte ihrer Europa-Tour endeten mit Buh-Rufen und nur noch halbvollen Hallen. Hätte sie besser mal nicht ihre ganze Kohle für Drogen und Alkohol ausgegeben. +++
***
Uffie – Sex Dreams And Denim Jeans
Release: 11.06.2010
Was wird die Uffie in der Szene gefeiert- es gibt ja fast kein Halten mehr in Sachen Lobeshymnen. Rotzige Stimme, wummernde Elektro Beats, Fashion Victim- alles Dinge, die die umtriebige Amerikanerin verkörpert. Klingt ein bisschen nach Lady GaGa? Ja ist schon richtig, aber fairerweise muss man festhalten, dass Uffie das alles schon vor drei Jahren, so oder zumindest so ähnlich, durchgezogen hat. Entdeckt von Feadz wurde sie schnell zum weiblichen Ausgleichspart der Ed Banger Posse. Ihre Debütsingle „Pop The Glock“ (2006) verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Plötzlich wollte jeder mit ihr arbeiten, ob Justice, Mr.Oizo oder zuletzt Pharrell Williams, jeder einzelne verpasste ihr einen neuen musikalischen Anstoss. Oder war es vielleicht andersrum? Rausgekommen sind dabei jedenfalls und über die Jahre verteilt viele verschiedene Songs mit unterschiedlichsten Qualitäten irgendwo zwischen Rap, Elektro und Acidhouse. Daher war es eigentlich auch nur eine Frage der Zeit bis der dazugehörige Lonplayer endlich mal erscheint. Ab Mitte Juni wird das Album mit dem vielversprechenden und frei zu interpretierenden Titel „Sex Dreams And Denim Jeans“ dann endgültig in den Plattenregalen dieser Welt stehen und mit insgesamt dreizehn teils schon bekannten, teils brandneuen Titeln auffahren, um- da sind wir uns ziemlich sicher- erneut Herzen im Sturm zu erobern.
(Bewertung: 4 von 5 Sternen)
*
Blumentopf – Wir
Release: 04.06.2010
Zufälligerweise schmeißen die Töpfe vier Jahre nach ihrem letzten Werk „Musikmaschine“ und passend zur WM 2010 ihr neues Album „Wir“ auf den Markt. Astreine Marketing Strategie, bedenkt man, dass die fünf Herren wohl wieder für die Öffentlich-rechtlichen die deutschen Spiele in nem Rap zusammenfassen werden. Aber zum Album: Da geht’s wie gewohnt rhetorisch wertvoll zu. Auf insgesamt fünfzehn Tracks rappen sich die vier Hip Hop Urgesteine um DJ Sepalot querbeet durch alltägliche Themen, soweit man als erfolgreicher Rapper eben von Alltag sprechen kann. Alles in allem zeigt sich „Wir“ äußerst partytauglich und mit ner ordentlichen Portion Rock on top. Der Vergleich zu den Beastie Boys ist deshalb durchaus des Öfteren mal angebracht und so schwelgt man, ohne es zu merken, die ganze Scheibe über zwischen Old-und New School hin und her. Fazit: Quasi perfekte musikalische Balance mit nach wie vor erstklassigen Töpfen.
(Bewertung: 4 von 5 Sternen)
*
Kelis – Flesh Tone
Release: 28.05.2010
Dear Kelis, what are you doing to us? Jetzt mal ehrlich Kelis, Du warst echt ne Nette. Gerne hab ich Deiner Stimme gelauscht, egal ob Du dich tierisch aufgeregt hast oder einfach nur tanzen wolltest. Du warst ein sehr zuverlässiges R’n’B Mäuschen. Deine Songs waren viel besser als die Deiner Konkurrentinnen. Cooler möchte ich fast schon sagen. Dich hat es nicht gekümmert was die Uncoolen Leute von Dir halten, war zumindest immer so mein Gefühl. Selbiges sagte mir auch, dass es Dir damit auch finanziell nie wirklich schlecht ging. Warum konnte es nicht einfach so weiter gehen? Es war so eine gute, feste und treue Beziehung zwischen uns beiden. Und dann trat auf einmal dieser Typ Will.I.Am in Dein Leben und trieb einen Keil zwischen uns. ‘Before yo my life was acapella‘- das ich nicht lache? Es wäre besser gewesen, wenn es das heute auch noch wäre. Dann müssten meine zartbesaiteten Ohren nämlich nicht dieses sinnlose Elektro-Beat-Gedresche auf Deinem neuen Album ertragen. Er will Dich “so groß machen wie die Peas” hat er gesagt, eine “internationale Sensation” sollst Du werden und nicht “immer nur auf “Milkshake” reduziert” sein. “Deine Plattenfirma sei Schuld und hätte Dich eingeschränkt.” Aber jetzt ist er ja da und bringt dich mindestens soweit wie die Fergie. Pah, Du glaubst wohl jeden Mist. Hättest lieber mal auf den Andre 3000 gehört, als ihr noch zusammen gesungen habt, dann wären wir vielleicht heute noch Freunde.
(Bewertung: 1 von 5 Sternen)
*
Born Ruffians – Say It
Release: 31.05.2010
Das Trio aus Toronto liefert nach ihrem Erfolgsdebüt „Red, Yellow & Blue“ aus dem Jahr 2008 nun den Nachfolger „Say It“. Dabei zeigen sich die Kanadier deutlich experimentierfreudiger, schaffen es aber dennoch nicht ihren stark nach Brit-Pop Band auf Valium klingenden Sound aufzupeppen. Nennt man daher wohl auch Post-Punk. So oder so, sicher ist nur dass sie damit auch weiterhin sehr speziell bleiben, dem wie ein Statement daherkommenden Albumtitel aber nicht gerecht werden. Klassischer Fall von muss man mögen oder eben auch nicht. Das zieht wiederum polarisierende Meinungen nach sich und wir machen deshalb bei der Bewertung auch einen Kompromiss und treffen uns in der Mitte.
(Bewertung: 3 von 5 Sternen)
*
Marina And The Diamonds – Family Jewels
Release: bereits erschienen
Sowas nennt man wohl kometenartigen Aufstieg. Ohne bisher in Deutschland ein Album oder eine Single veröffentlicht zu haben, schaffte es die 24-jährige Waliserin trotzdem mit ihrem Song Hollywood auf Platz 12 der Radio Airplaycharts. Logische Schlussfolgerung: Man wirft das Album so schnell wie möglich auf den deutschen Markt. Veröffentlicht und auch über mehrere Online-Portale zu erhalten
ist es nämlich eigentlich schon seit Januar 2010. Darauf enthalten sind dreizehn Songs, die aber leider nicht ganz an die Qualität ihre Single anknüpfen können. Klingt alles irgendwie ziemlich ähnlich und wird dazu noch oft von ihrer markant nervigen Stimme übertönt. Mal im Radio ist das sicherlich ganz okay, aber so direkt hintereinander schlittern die Marina und ihre Diamanten doch schon sehr nah an der Grenze des guten Geschmacks.
(Bewertung: 2 von 5 Sternen)
*
Robyn – Body Talk Pt.1
Release: 15.06.2010
Die gute Nachricht zuerst, Robyn bringt was Neues auf den Markt. Jetzt die schlechte, dabei handelt es sich um gerade mal acht Songs, von denen nebenbei zwei auch schon längst als Single veröffentlicht sind. Zwar klingen die alle recht spannend, auch wegen ihrer Kooperation mit Snoop Dogg, Diplo oder Röyksopp (as usual), aber das Preis-Leistungsverhältnis ist dann doch mehr als bescheiden. Laut der sonst so bodenständigen Robyn sei die Intention dahinter einfach die, dass ihr während sie tourt so viel Neues einfällt, dass es schade wäre das nicht direkt aufzunehmen und so vielleicht verpuffen zu lassen. Prinzipiell ja echt ein netter Gedanke der sympathischen Schwedin, wäre da nicht ihr Label Ministry Of Sound, das mal wieder stark daran arbeitet, dass CD-Verkäufe in Zukunft noch weiter zurück gehen werden.
(Bewertung: 3 von 5 Sternen)
*
Online-Tipp: The Smoking Gun- Backstage Tour
Web: www.thesmokinggun.com/backstagetour/
Wer schon immer mal wissen wollte was sein Lieblingskünstler oder seine Lieblingsband bei Konzertauftritten so im Backstage treibt ist hier goldrichtig. Auf The Smoking Gun- Backstage Tour haben Veranstalter über Jahre die witzigsten und absurdesten Forderungen der Künstler in ihrem Technical Rider gesammelt. Dieser dient eigentlich dazu dem Veranstalter mitzuteilen was der Künstler für seine Auftritt alles benötigt, angefangen von Technik auf der Bühne, über Catering bis hin zu sinnlosestem Schnick-Schnack ist da ziemlich alles dabei um sich ein entsprechendes Bild zu machen. Da es mitunter Gang und Gebe war teils Utopisches in dieses Rider zu schreiben, um so zu überprüfen ob der Veranstalter auch wirklich diesen teilweise 30 Seiten-Vertrag gelesen hat, wird man beim Lesen quasi durchgehend köstlich unterhalten. Ob zum Beispiel eine Badewanne voll mit brauner Smarties ernst gemeint war, dürft ihr unterdessen selbst entscheiden. Viel Spaß!


















