Plattenchecks November 09
Monatlich grüßt das Murmeltier. Hier die neuesten Plattenchecks aus dem Hause SOKO Mag brandheiß rezensiert by moi.
Anzubieten hätten wir für die kalten Novembertage das neue Lexy Solo-Album, Birdy Nam Nam, Weezer oder den ‘Luna City Express’. Außerdem am (Fehl)Start: die Tronic Love Compilation, Norah ‘Schlaftablette’ Jones und ein ‘ich mach noch mal irgendwas um Geld zu verdienen’-Album von Lady ‘Marketing’ GaGa. Online-Tipp ist dieses Mal die Seite von ’22 Tracks.nl’.
Birdy Nam Nam – Manual For Successful Rioting
Release: 13.11.2009
Birdy who? Birdy Nam Nam sind vier Pariser DJs die ganz abgefahrene Sachen machen. So abgefahren, dass man selbst beim hinschauen und hören ihrer Live-Auftritte einige Zeit braucht bis man kapiert hat was die Jungs da so treiben. Da stehen nämlich fünf Plattenspieler und vier Mixer auf der Bühne und die Jungs scratchen sich einen ab, fingern sich gegenseitig in den Mischpulten rum und bewegen fröhlich die Köpfe zum Beat bis am Ende ne Melodie dabei rauskommt- schwierig nur in Worten zu beschreiben, aber dafür gibt es ja youtube. Soundmäßig bewegt sich die Kombo wie man es heutzutage aus Frankreich erwartet in Kreisen von J.U.S.T.I.C.E., die nebenbei auch am Album mit produziert haben, Ed Banger Sound und Hip Hop 2.0. Da werden mal schnellere, mal langsamere Töne angeschlagen und zwischendrin ordentlich abgeraved. Die Performance dazu macht den Sound dann an sich doch schon ziemlich experimentell und mitunter gewöhnungsbedürftig. Der künstlerische Anspruch ist dafür aber auf jeden Fall gegeben und ein Probehören sei an dieser Stelle einfach mal zu empfehlen. (Bewertung: 3 von 5 Sternen)
Lexy – Color Me Music
Release: 27.11.2009
Yes- es ist der Lexy von ‚Lexy&K-Paul, der jetzt auch auf Solo-Pfaden wandelt. Mit seinem Album ‚Color Me Music‘ will er überraschenderweise Farbe ins Spiel bringen. Wer Lexy kennt weiß, dass das alles bedeuten kann. Da wird zwischen (Tour)Trip und (Musik)Rausch gerne mal experimentiert. Gereicht hat’s auf jeden Fall für zwölf Songs, die es schlussendlich aufs Album gepackt haben. Und nicht ganz so überraschend wird der Begriff oder vielmehr das Feeling ‚Deep‘ dabei groß geschrieben. Die Komposition der Songs wirkt erstaunlich konzipiert und wie für eine Partynacht a la Lexy gemalt- von A bis Z und mit allem Pipapo. Da werden musikalische Kurven gefahren, Berge erklommen und Täler durchwandert, Körper werden bewegt und verbraucht und die Zeit wird systematisch und mit Vorsatz verschwendet- alles eben wie in einer Nacht wie Lexy sie feiert oder vielmehr lebt. Wer ihn und seinen Weggefährten K-Paul schon mal live gesehen hat kauft ihnen das auch spontan ab. Die Platte wirkt ein bisschen wie Lexy’s Leben, das er am Wochenende mit ein paar von uns teilt und, zwar nie alleine aber dafür vielleicht einsamer als zuerst vermutet, lebt. Seine Passion zu Musik treibt ihn dabei immer wieder an, was er nicht nur selbst verinnerlicht hat, sondern auch schafft auf zwölf kleinen Meisterwerken zu transportieren. ‚Color Me Music‘ hält was es verspricht und bekommt daher hier auch mal die Höchstwertung. (Bewertung: 5 von 5 Sternen)
Luna City Express – Hello from Planet Earth
Release: 23.11.2009
Nach Matthias Tanzmann’s Album ‚Restless‘ aus dem Frühjahr 2008 folgt nun das zweite Künstleralbum auf ‚Moon Harbour‘. Marco Resmann und Norman Weber, beide seit Jahren fester Kern von Moon Harbour und sowohl als DJ als auch als Produzenten unterwegs, stecken dabei hinter dem Projekt ‚Luna City Express‘ und laden mit deren Debüt-Album ‚Hello from Planet Earth‘ auf eine Reise ein. Die Reise führt einen durch groovende Deephouse-Beats und treibenden Tech-House- mal schnell, mal wieder langsam eignet sich der Sound zum Chillen und zum Warmlaufen in die Nacht. Die zwei Berliner vermischen dabei schön klassische und zeitgenössische Elemente und zeigen auch immer wieder ihren Facetten-Reichtum wenn sie zum Beispiel kurzfristig Elemente des Funk in ihren Sound vermischen. Alles in allem eine runde Sache, die allerdings weniger mit Highlights punktet als mit Kompaktheit. Der zusätzliche Hinweis, dass die Scheibe eher was für Fans ist, ist hiermit dann auch noch mal erwähnt, falls es bisher noch nicht raus zu lesen war. (Bewertung: 3 von 5 Sternen)
Weezer – Raditude
Release: 30.10.2009
Weezer is back! College Rock zwischen melodiösen und rotzigen Gitarrenriffs, der erstaunlicherweise immer noch nicht ausgelutscht wirkt. Denn ohne wirklich neues zu liefern schafft es Weezer auch den Abstand zu altem Material immer wieder herzustellen. Dass die großen Hits schon etwas länger zurückliegen stört dabei überhaupt nicht- das Album fruchtet auch so und unterhält einen in seiner Ganzheit. Auch dass sich die Jungs um Frontmann Rivers Cuomo immer noch nicht von der Stilrichtung des ‚College Rock‘ abheben oder entfernen wollen, schadet der Authentizität nicht, was womöglich daran liegt, dass man Rivers sein jugendliches ‚Nerd‘ Image nach wie vor abkauft als würde er seit Jahren eine Hauptrolle in einem Hollywood-College-Film spielen. Der Sound ist und bleibt eben typisch Weezer und ist genau deswegen auch eine Empfehlung wert. Fans werden also definitiv nicht enttäuscht werden und Neulinge sollten mit ‚Raditude‘ ebenfalls gut unterhalten sein. (Bewertung: 3 von 5 Sternen)
Lady GaGa – The Fame Monster
Release: 20.11.2009
Achtung jetzt wird‘s böse: Frau ‘Ladyboy’ GaGa veröffentlicht am 20. November Ihr brandneues Album, was eigentlich Ihr altes plus ein paar neue Songs in der Super-Duper-Special Edition ist. Dazu gibt’s ein paar digital bearbeitete Akustik-Versionen in der Limited Edition, weil wie wir alle wissen hat es Frau GaGa ja nicht so mit den richtigen Tönen treffen oder singen allgemein. Dafür steht sie für ausgefallene Outfits, bedienen von Randgruppen und pompös inszenierten Marketing-Gags. Man wird eben das Gefühl nicht los sie wäre gerne die Madonna des neuen Jahrtausends. Wer dabei dann noch ernsthaft glaubt sie hätte die neuen Songs tatsächlich zwischen Tour-Bus und Video Music Awards selbst geschrieben, der glaubt wohl auch noch an den Weihnachtsmann. Oh- gutes Stichwort- und super Weihnachtsgeschenk für die 15-jährige Chantal und ihren trendbewussten Bruder Kevin, der gerade erfolgreich die Friseurausbildung abgeschlossen hat und nen Vokuhila trägt. In diesem Sinne, ‚let’s have some fun, this beat is sick, i wann take a ride on your disco stick‘. (Bewertung: 1 von 5 Sternen)
bigFM ‘Tronic Love’ Compilation
Release: 30.10.2009
Radio Show in gepresster Form- das ist die erste ‘Tronic Love’ Compilation der gleichnamigen Show auf bigFM, die sich ausschließlich um die weite Welt der elektronischen Tanzmusik dreht. Dabei werden natürlich keine aktuellen Hits der Szene vernachlässigt- von 08 bis 15 gibt’s alle großen Namen serviert- ob Sebastian Ingrosso, David Guetta, Sebo K. oder Spencer&Hill- alle sind am Start. Insgesamt wartet die Doppel-CD mit 31 Songs auf, die von DJ TOM und Falk Richtberg gemixt wurden und bei der beide jeweils einen exklusiven eigenen Remix beigesteuert haben. Und als ob das noch nicht genug wäre, gibt’s zur Show und zur CD auch noch ne Tour durchs Sendegebiet, die den Release des Doppel-Silberlings zelebrieren soll. Da wurde also an alles gedacht, aber in erster Linie natürlich an den treuen Hörer und Fan, der sich die Show jetzt für nur ein paar Euronen in die heimische Kinderzimmer-Anlage holen kann. Damit gewinnt man zwar nicht den Innovations-Preis, dafür aber bestimmt wieder jede Menge neue Sympathien und einen noch größeren Marktanteil, um die Werbung in Zukunft noch teurer zu verkloppen. (Bewertung: 2 von 5 Sternen)
Norah Jones – The Fall
Release: 17.11.2009
Norah ‚Schlaftablette‘ Jones ist zurück- und alle so schnarch. Nein, aber jetzt mal ehrlich, man kann von der guten Norah ja halten was man will, aber eine Vorreiterin in Sachen Uptempo-Musik oder auch Innovation ist die immer so unschuldig wirkende Frau Jones ja wirklich nicht gerade. Oder anders gesagt- die Musik von Frau Jones hat durchaus ihre Berechtigung, ist allerdings einfach für manche Situationen schwer bis gar nicht zu gebrauchen. Ich denke dabei an Auto fahren, joggen oder fröhlich sein. Ich würde auch spontan die Wette eingehen, dass selbst eingefleischte Fans ihrer lieblichen Stimme beim zufälligen Hören irgendeines Songs von ihr nicht zuordnen könnten von welchem Album dieser stammt. ‚A neverending story‘ Teil 1 bis 100 wären vielleicht bessere Albentitel gewesen. Ich unterdessen frage mich ja beim Titel ‚The Fall‘ ob Norah damit ihre Lieblings-Jahreszeit, den grauen, kalten und traurigen Herbst meint oder vom Fall Ihrer Musik ins unbedeutende Nichts spricht. Wen es interessiert kann sich ab 17.11. selber ein Bild machen. (Bewertung: 2 von 5 Sternen)
Online-Tipp: 22 Tracks
Web: www.22tracks.com
Hinter ‚22 Tracks‘ stecken mehrere Köpfe der Amsterdamer DJ und Club-Szene, die in regelmäßigen Abständen jeweils 22 Tracks aus insgesamt 21verschiedensten Genres wie Disco, Hip Hop, House, Rock, R’n’B, Funk/Jazz, Drum & Bass oder Soul empfehlen und zum Anhören streamen. Dazu gesellen sich dann noch ganz interessante Genres wie zum Beispiel ‚Originals‘, bei dem der eine oder Melodie-, Beat- oder Sampleklau aufgeklärt wird. Zu den Songs gibt’s auch direkt immer den Link zum Künstler und zum legalen Kauf im Internet. Beim Probehören wurden schon wahre Perlen und ‚rare Grooves‘ entdeckt. Die Seite läuft schnell, zuverlässig und ist im Prinzip ein kleines Online-Radio, bei dem ihr die Playlist bestimmt.

















