Plattenchecks Oktober 09
Diesen Monat mit den neuen LP’s von Robbie Williams, Oliver Koletzki (der hier schon neulich etwas ausführlicher besprochen wurde), Kid Cudi, Bela B., Mathias Kaden, Nelly Furtado und Deadmau5 (bei der ich schon auf den Hasserfüllten Kommentar von Benny zu meiner Bewertung warte). Dazu außerdem wieder ein Online-Tipp – dieses Mal zu Chemical Jump.
Robbie Williams – Reality Killed The Video Star
Release: 06.11.2009
The born entertainer is back. Nach drei Jahren Abstinenz und sehr ruhiger Ruhepause tritt Robbie Williams nun wieder zurück ins Rampenlicht. Mit ‚Reality Killed The Video Star‘, was einer der besten Albumtitel ist, die ich je gehört habe, will Robbie mal wieder großes hinterlassen. Und sind wir ehrlich, er wird es so oder so wieder tun. Selbst für den Fall, dass sein neuer Longplayer nicht den gewünschten kommerziellen Erfolg bringt, hat er halt einfach etwas mehr ‚Kunst‘ gemacht, was ganz nebenbei irgendwie auch schon wieder Kunst ist. Robbie erfindet sich auch 2009 mal wieder neu und irgendwie doch nicht- Hits inklusive. Prognose: Das Warten wird sich gelohnt haben. (4 von 5 Punkten)
Oliver Koletzki – Großstadtmärchen
Release: bereits erschienen
Oliver Koletzki, zu recht bekannter und gefeierter House und Techno Produzent und DJ, goes Pop der 80er und 90er Jahre. Klingt strange und ist es auch. Man glaubt da gar nicht so richtig dran und kaum hat man auf Play gedrückt wird man schon abgeholt vom Sound. Es geht auf eine Reise quer durch fröhliche und traurige Melodien und treibende und einen sofort fesselnde Beats, die in Kombination richtig schöne und gute Musik erzeugen. Ein Großstadtmärchen ohne plumpe Passagen und dafür mit einigen bekannten und noch unbekannten singenden Passagieren, die allesamt überzeugen- Mieze Katz (von Mia) beim grandiosen Opener ‚This Is Leisure‘, Alex Bosse (von Bosse) beim melancholisch elektronischen ‚U-Bahn‘, Fran beim sehr treibenden ‚Hypnotized‘, Kate Mosh beim feinfühlig schönen ‚Headshaped Box‘, Pyur beim unglaublich traurigen Ende ‚These Habits‘ oder die von Koletzki selbst entdeckte Juli Holz bei ‚Zuckerwatte‘. Aber auch die drei reinen Instrumental-Stücke ‚Kusskompatibel‘, ‚Warschauer Strasse‘ und ‚Kleines Zwischenspiel‘ bereichern das Märchen ungemein und sorgen vielleicht auch für die schlussendliche Homogenität. Alles in allem würde ich jedem der Musik mag-und egal welche Richtung normalerweise- raten in dieses Album zumindest mal rein zu hören. (5 von 5 Punkten)
Mathias Kaden – Studio 10
Release: bereits erschienen
Ich hab mir im Vorfeld der Rezension hier sagen lassen, dass Mathias Kaden ein sehr talentierter Mann ist und für seinen tiefsinnigen Sound in der Szene hoch gefeiert wird. Auch mein Chefredakteur drohte mir unterschwellig an mich rauszuwerfen, sollte Kaden bei meiner Bewertung nicht gut abschneiden. Die Möglichkeit war aber eh relativ schnell vom Tisch, schon als ich mir die ersten Töne durch die Gehörgänge jagte. Erfrischend anders, abwechslungsreich, deep, elektronisch, sanft und einfach fließend, mit schönen Vocals verpackt und gepaart mit einem Hauch von Minimalismus- so viel hatte tatsächlich nicht erwartet. Fans verurteilen mich jetzt vielleicht für mein vorausgegangenes Unwissen, aber ich denke die Hauptsache ist immer noch, dass man offen ist für andere und neue Sachen. Und solange ich dabei auch noch so positiv überrascht werde wie bei eben jenem Mathias Kaden Album hat sich der Aufwand ja auch schon wieder gelohnt. Daher der Tipp an alle die es auch nicht kannten: unbedingt kennen lernen! Alle anderen ignorieren am besten die letzten Zeilen und kaufen sich das Album einfach so. (4 von 5 Punkten)
Kid Cudi – Man On The Moon – The End Of The Day
Release: bereits erschienen
Was lange währt wird endlich gut. Das ist beim guten Herr Cudi (wird übrigens ‚Kaddi‘ ausgesprochen) der Fall. Nicht nur sein absoluter Überhit ‚Day’n’Nite‘ ist in Wirklichkeit schon etwas älter (so ungefähr drei bis vier Jahre), auch viele seiner Songs auf dem nun endlich erschienenen Album waren schon länger geschrieben oder komponiert. Sein Erfolg war also wirklich hart erarbeitet und auch dem Support vieler großer Künstler wie z.B. DJ AM zu verdanken, die vom Anfang seiner Karriere an ihn und sein Talent glaubten. Seine ungewöhnliche Art Musikgenres zu vermischen und vor allem gekonnt Geschichten zu erzählen brachten ihn dann schnell zu Fool’s Record, wo sein Sound auf Anhieb passte wie die Faust aufs Auge. Sein Album ist ein kleiner Meilenstein, das mit Vielseitigkeit und wahren musikalischen Perlen überrascht. Dabei verliert er aber keines Falls das Gespür für Hits wie z.B. bei ‚Make Her Say‘ featuring Kanye West und Common, das auf dem Sample von Lady GaGa’s ‚Poker Face‘ basiert und in der Version zur Abwechslung auch mal nicht nervt. Die eigentlichen Highlights sind aber andere. Mit ‚Soundtrack 2 My Life‘, ‚Up,Up & Away‘ oder auch ‚Cudi Zone‘ setzt Kid Cudi Maßstäbe und bleibt dabei noch unglaublich bescheiden. Hätten wir mehr Künstler dieser Sorte würde es dem Musikbusiness wahrscheinlich deutlich besser gehen. (5 von 5 Punkten)
Bela B. – Code B.
Release: 02.10.2009
Bela B. zieht die Maske aus- wenn das nicht mal ein Plattencover ist, das zum Interpretieren einlädt. Da schließ ich mich natürlich an und hab genau zwei Thesen dazu- die erste wäre die Tatsache, dass Bela dieses Mal im Gegensatz zum ersten Album, bei dem mehrere Musiker beteiligt waren, fast alle Songs selber geschrieben und komponiert hat. Die zweite These ist, dass die Texte an sich etwas banaler, simpler und ungeschminkter oder natürlicher sind, wenn Ihr wisst was ich damit meine. Man würde Bela aber auch zutrauen, dass er sich einfach über Sido lustig macht. Wie auch immer, musikalisch sind wir immer noch dort wo wir bei Bela immer waren- die passendste Beschreibung kommt von Bela selber- ‚glamouröser Trash zwischen den Hinterhöfen von Las Vegas, Spandau und Paris‘. Ich weiß ehrlich nicht ob man das noch treffender formulieren kann. Des weiteren wäre wohl noch zu erwähnen, dass Marcel Eger, seines Zeichens Fußballprofi des FC. St.Pauli bei dem Song ‚Schwarz und Weiß‘ Schlagzeug spielt und Produzentenlegende Chris Spedding (Roxy Music, Elton John, Brian Eno, etc.) als Gast-Gitarrist fungiert. Fazit: Fans werden mit dem Album auf jeden Fall glücklich werden. (3 von 5 Punkten)
Deadmau5 – For Lack Of A Better Name
Release: 06.11.2009
Bevor ich zum neuen Album von Deadmau5 komme möchte ich noch kurz Aufklärung in Sachen des Names betreiben: der kommt nämlich tatsächlich von ‚dead mouse‘ und wird dementsprechend auch so ausgesprochen. Der Ursprung kommt von einer Maus, die Joel Zimmermann (das ist sein richtiger Name) mal in seinen PC gelaufen ist und dabei starb. Die Abkürzung rührt ganz einfach daher, dass ‚dead mouse‘ zu lang war für einen Internet Log-In. So dann hätten wir mal das- kommen wir also zum Albumtitel: nach seinem Debüt-Album ‚Random Album Title‘ war Joel auch dieses mal wieder sehr kreativ und steigert sich auf ‚For Lack Of A Better Name‘. Nun zum Inhalt: ‚Ghosts’n’Stuff‘ kennt wohl jeder der auch weiß was elektronische Musik ist, ‚Hi Friend‘ hat im Club-Business auch schon seine Runden gedreht und ‚Word Problems‘ könnte auch schon der ein oder andere kennen. Alles andere, und das ist nicht viel, ist ganz einfach gesagt technoides, wahrscheinlich ziemlich schnell zusammengebasteltes und überflüssiges Füllwerk eines auf Verkaufszahlen ausgelegten Albums. Da bekleckert sich der ‚Best-Selling-Artist on Beatport 2008‘ nicht gerade mit Ruhm. Außerdem- das muss man mal nebenbei erwähnen- legt Deadmau5 live mit Ableton- also mit einem Computer und einer Maus auf, was nicht nur uncool aussieht, sondern auch uncool ist. Der letzte Nebensatz gilt übrigens auch als Fazit. (1 von 5 Punkten)
Nelly Furtado – Mi Plan
Release: bereits erschienen
Mann, Mann, Mann- warum müssen alle Pop & Rock Künstler mit spanischen/portugiesischen/südamerikanischen Wurzeln immer irgendwann ein komplettes Album auf spanisch machen? Warum, warum, warum? Ich mein vielleicht steh ich jetzt mit der Meinung allein im Wald, aber die meisten spanischen Songs klingen irgendwie automatisch wie deutsche Volkmusik. Mit dem einzigen Unterschied, dass man kein Wort versteht, sich dafür aber beim Hören schon denkt, dass der Text genauso unglaublich kitschig sein muss wie die Melodie. Leider überkommt mich dann auch immer spontan ein Gefühl von Brechreiz, dass selbst Nelly’s famos gut gebauter Körper nicht mehr wettmachen kann. (1 von 5 Punkten)
Online-Tipp: Chemical Jump
Web: chemicaljump.com
Chemical Jump ist ein weiterer Blog aus der weltweiten Electro/House/Nu Rave-Szene. Überzeugen tut er neben seiner wirklich schönen Aufmachung mit den neuesten Releases aus allen drei Bereichen und vor allem meistens mit bester Soundqualität. Dazu gesellen sich dann auch noch oft exklusive Remixes oder Bootlegs, die selten in den offiziellen Verkauf gehen. Zudem sind die Macher um Regelmäßigkeit bemüht und updaten die Seite täglich.


















Oktober 5th, 2009 at 16:25
ahhhhhh!
die scheiß bewertung vom deadmau5 album geht mal gar nicht!
aber das hab ich dir schon erklärt mr. “ich leg jetzt auch mitm rechner auf”
Oktober 5th, 2009 at 16:34
na da ist ja der hasserfüllte kommentar
aber immerhin klick ich nicht mit der maus irgendwas rum un zieh dann nur noch den regler hoch…gut soll ja auch leute (speziell dj duos) geben die so auch mit serato oder traktor auflegen, nach dem motto einer klickt und einer posed…
aber da wären wir ja wieder bei der leidigen diskussion über auflegtechniken und nicht über die eigentliche musik…und da find ich nagt herr tote maus ganz schön am analogsparkäse (boah-was ne metapher
)
p.s.: nochma zu der auflegtechnik: hat herr swist neulich schon treffend auf den punkt gebracht in dem er mir zu serato geraten hat und im nebensatz aber noch anfügte: ‘hab aber noch nie jemand gesehen bei dem auflegen mit dem rechner gut aussieht’…
Oktober 5th, 2009 at 17:27
deswegen sind ja auch so dj-booth-rumzappler wie der herr puentez entstanden. weil es den leuten auf einmal ums “aussehen beim auflegen” geht.
des ist genauso wie wenn sich einer in der kunstausstellung ein gemaltes bild anhört.
absurd.
Oktober 6th, 2009 at 10:38
jooo
ehrlich gesagt finde ich die mitm rechner auflegerei auch nicht so wild, wollte nur eben mal hier nen statement bringen
naja es gibt eben unterschiede was das auflegen angeht, ich denke jedoch das wenn man deadmau5 live erlebt, also auch wenn er live spielt, das ganze sicherlich ein einmaliges erlenbnis ist und in meinen augen ist er zurzeit sicherlich auch einer der top producer!
aber vielleicht bin ich da auch zu sehr “fan” von ihm
Oktober 6th, 2009 at 15:06
naja das streite ich ja auch nicht ab…ebenso wenig wie die Sache mit dem Top-Producer…aber ich war vom ‘restlichen’ Album einfach enttäuscht und es kam mir so als ob es halt schnell mit Tracks gefüllt wurde ums dann die Hits verpackt in einem Album nochma rauszukloppen…
That’s Marketing not Music!
Oktober 8th, 2009 at 11:04
hätte ich da ein wörtchen mitzureden gehabt, wärs ne glatte null geworden! jetzt mal im ernst… schon mal kalten kaffee wieder aufgewärmt?