Plattenchecks September 09
Aufgrund der Sommerpause (wohlverdient natürlich) beim SOKO Mag aus Aalen, gab es letzten Monat auch keine Plattenrezis (Fachjargon für subjektive Meinungen zu teilweise ewig erarbeitenden musikalischen Lebensinhalten). Erstaunlicherweise, so sagt mir das zumindest mein ‘Google Analytics’ sind die Rezis (Abkürzung des Fachjargons) eine der beliebtesten Rubriken hier in meiner Blog-Welt. Find ich dufte!
Daher war es mir auch diesen Monat wieder eine Freude meinen Senf zu Neuerscheinungen in der Musikwelt zu geben. Dabei war fast alles- gutes, schlechtes, überflüssiges, aber auch überraschendes…
Dizzee Rascal – Tongue N Cheek
Release: 18.09.2009
Nach den absoluten Hitsingles ‚Dance Wiv Me‘ zusammen mit Chrome und Calvin Harris und seiner aktuellen Auskopplung ‚Bonkers‘ zusammen mit Armand Van Helden kommt nun das dazugehörige Album ‚Tongue N Cheek‘ in die Plattenläden. Dass Dizzee Rascal aber schon deutlich länger im Musikbusiness aktiv ist und bereits drei Alben veröffentlicht hat vergessen oder wissen die meisten nicht. Dabei hat sich sein Grundsound nicht wirklich verändert, er ist lediglich ein gutes Stück elektronischer geworden. Natürlich hatten die oben genannten Feature-Künstler auch einen gehörigen Einfluss dabei und die Vermutung liegt nahe, dass genau diese Kooperationen den kommerziellen Erfolg gebracht haben. Und ganz unrecht hat man damit auch nicht. Die eigenen Nummern sind irgendwie gewöhnungsbedürftiger und schwerer zu verdauen. Die Eingängigkeit der Melodien und Texte dauert jedenfalls deutlich länger oder kommt erst gar nicht. Alles in allem also eher eine durchwachsene Nummer, die der gute Dizzee da abgeliefert hat. Sicherlich mit ein paar ganz netten Tracks ausgestattet, aber meistens befällt einen dann doch der Gedanke, dass man schlicht und einfach versucht hat krampfhaft ein Album hinterher zu schieben und dafür halt Füllstoff gebraucht hat. Fans der Singleauskopplungen würde ich daher raten sich das Album vor dem Kauf auf jeden Fall noch mal anzuhören. Diejenigen, die Dizzee Rascal aber schon immer toll fanden, werden auch mit dem neuen Album glücklich werden, sofern ihnen die stark elektronische Note auch zusagt.
(3 von 5 Punkten)
Air – Love 2
Release: 02.10.09
Web: www.aircheology.com
Myspace: www.myspace.com/intairnet
Jean-Benoit Dunckel und Nicolas Godin alias ‚Air‘ alias eines der erfolgreichsten Pop-Duos der Welt bringen zwei Jahre nach ‚Pocket Symphony‘ nun ihr neues Album ‚Love 2‘ auf den Markt. Wie man sich als Fan der Band vorstellen kann, bleiben sie sich mal wieder treu. Keine großen Experimente, einfach Musik zum Entspannen. Mal fröhlich, mal traurig und immer sehr elektronisch. Klangfarbe ist das Stichwort wenn sich die beiden dransetzen und Songs produzieren. Das haben sie übrigens bei diesem Album das erste Mal im komplett eigenen und neuen Studio. Auch ein Novum: dieses Mal wurden Texte und Melodien wirklich zu hundert Prozent selbst geschrieben und komponiert. Der Musik hat es aber keinen Abbruch getan. Vielleicht fehlen die ganz großen Hits, aber darum geht es bei den beiden Franzosen ja auch nicht- es war und ist eben alles ‚just Air‘, aber auf keinen Fall nur heiße Luft.
(3 von 5 Punkten)
Modeselektor – Body Language Vol.8 (Compilation)
Release: 25.09.2009
Gernot Bronsert und Sebastian Szary alias Modeselektor sind nicht nur für den kommerziellen Super-Erfolg von dem Fettes Brot Track ‚Bettina‘ verantwortlich, sondern auch in der ‚Szene‘ gefeiert. Ob mit ihren eigenen Alben oder der Nebenprojekt ‚Moderat‘ zusammen mit Apparat- was sie anpacken wird zum Erfolg. Daher dachte sich das Label ‚Get Physical‘ kurzerhand die Jungs zum Kompilieren und Mixen der mittlerweile achten Auflage ihrer Compilation ‚Body Language‘ einzuladen. Rausgekommen ist, wie man es bei Modeselektor schon fast erwartet, eben nichts stereotypisches. Bronsert und Szary synchronisieren gekonnt untypische Ideen auf untypische Weise. So vermischen sie 90er Techno, Missy Elliot‘s R’nB, Major Lazor‘s digitalen Dancehall, Busta Rhymes und Rusties mit ganz viel Dubstep Zeug und natürlich auch den eigenen Produktionen. Klingt nicht nur nach ner abgefahrenen Mischung, ist auch eine! Sprich, man muss drauf stehen und/oder sich drauf einlassen. Dann lohnt sich der Kauf aber durchaus.
(3 von 5 Punkten)
Pixie Lott – Turn It Up
Release: 14.09.2009
Pixie Lott ist der neueste und angesagteste Pop-Import aus dem großartigen Britannien. Die erst 18-jährige Schauspielerin ist nämlich auch als Songwriterin und Sängerin mit Talent gesegnet und so nahm sie der alte Musikbiz-Fuchs ‚LA Reid‘ kurzerhand unter seine Fittiche um kurz darauf mit Ihrer ersten Singleauskopplung ‚Mama (Uh Oh Uh Oh)‘ direkt mal auf Platz der britischen Charts zu stürmen. Nun folgt auch das erste Album und wartet mit einer auf Pop produzierten Mischung aus Soul-und Dance-Tracks auf. Ein bisschen Christina Aguilera und Alicia Keys gepaart mit Lady GaGa und _______ (bitte hier willkürlich eine weibliche Pop-Prinzessin einsetzen) und fertig ist das Produkt namens Pixie Lott. Genauso schön und genauso gut wie die anderen- vielleicht aber auch mindestens genauso überflüssig. Geschmackssache eben.
(1 von 5 Punkten)
Miss Platnum – The Sweetest Hangover
Release: 04.09.2009
„Musik für den Augenblick. Party und Krawall. Heulen und Schreien. Tanzen. Lachen. Liebe. Sex. Das ganze Leben eben.“ Das sagt Miss Platnum wenn sie über Musik spricht die sie mag. Klar, dass sie das Selbe mit ihrer Musik auch erreichen möchte. Und man kauft es ihr ab. Spätestens beim Anhören merkt man wie viele Emotionen in ihren Songs stecken- auch wenn sie nicht immer den eigenen Geschmack treffen. Aber diese Authentizität und diese Dynamik muss man einfach neidlos anerkennen. Dazu kommen ihre Songs auch noch ein Stück reifer rüber, als bei ihrem letzten Album. Mit noch mehr Groove und vor allem noch mehr Kraft. Letzteres ist zu einem großen Teil auch dem Belgrader Orchester zu verdanken, die das Album in den Belgrader Studios zusammen mit Miss Platnum und ihrem Produzenten-Team ‚The Krauts‘ einspielten. Diese wiederum sind schon seit Jahren ein Garant für gute produzierte Musik. Da stehen unter anderem Alben von den Fantastischen Vier, den Beatsteaks oder auch Peter Fox zu Buche. Und letzterer ist bekanntlich ja schon seit Jahren ein großer Fan der Stimme der gebürtigen Rumänin und hatte sie des Öfteren mal live oder bei Ihren Singles gefeatured. Man sieht also, die Kombo stimmt einfach- genau wie das ganze Album. Wer auf eine pikante Mischung aus urbanem, tanzbarem und trotzdem organischem Sound, Balkanbeats und Peter Fox oder Sound im Stile von Santigold oder M.I.A. steht, kann mit ‚The Sweetest Hangover‘ nichts falsch machen!
(4 von 5 Punkten)
Max Herre – Ein geschenkter Tag
Release: 18.09.2009
Eines Tages zog Max Herre los mit seinem ‚Freundeskreis‘. Gemeinsam musizierten sie. Voller Gefühl und Soul. Sie spielten mit Worten und Reimen, erschufen Melodien und Sounds und schafften so etwas Zeitloses, was sie nebenher auch noch ziemlich bekannt machte. Dann widmete sich der Max ‚seiner ersten Liebe‘ und seiner bezaubernden Wegbegleiterin Joy Denalane. Doch auf einmal verschwand die ‚Freude‘ aus seinem Leben und der Max wusste lange nicht was er jetzt tun soll. Nachdem er wieder kurz mit seinen Freunden loszog um alte Zeiten aufleben zu lassen entschied sich Max für etwas ganz neues. Weil er auch schon immer Probleme mit ‚zu elektrischem‘ hatte, tauschte Max kurzerhand seinen bis dato gesammelten Geschmack gegen ‚ein leeres Blatt Papier, einen Stift und eine Akustik-Gitarre‘. Zwei Jahre später und nachdem er während dieser Zeit einfach mit den falschen Leuten ‚Out Of Space‘ rumgehangen hatte, war das Blatt voll, der Stift leer, die Akustik-Gitarre abgenutzt und der Soul endgültig verflogen. Nur ‚ein geschenkter Tag‘ war übrig geblieben, der aber selbst geschenkt noch zu teuer zu bezahlen war.
(1 von 5 Punkten)
Sean Paul – Imperial Blaze
Release: bereits erschienen
Wer von Sean Paul neue Sachen erwartet, wartet lang. Schon sein letztes Album war nicht wirklich eine Weiterentwicklung, geschweige denn eine Offenbarung in Sachen Dancehall. Schwimmt halt irgendwie alles mit der Masse und hatte Glück den Sound vor Jahren mal erfolgreich im Pop platziert zu haben. Das ein oder andere Feature mit Rihanna und Co. taten das weitere und machten Sean Paul’s Sound zum Selbstläufer. Zu einem nicht gerade aufwendig produzierten nebenbei. Das ändert sich auch auf ‚Imperial Blaze‘ nicht wirklich, dennoch zeigt die Kurve deutlich nach oben, auch wenn die großen Zeiten von ‚Get Busy‘ oder ‚Like Glue‘ einfach vorbei sind. Dafür muss man ihm aber auch noch mal zu gute halten, dass ein Album mit 20 Tracks, auf dem man fast alle auch anhören kann, auch sehr selten ist. Von daher lautet das Fazit: Bewährter Sound der statt Highlights lieber auf Kontinuität setzt.
(4 von 5 Punkten)
Online-Tipp: Hypem
Web: www.hypem.com
Hypem.com ist schon seit einiger Zeit ein in hoher Besucherzahl frequentierter Musik-Blog im Worldwide Web. Täglich kommen mehrere neue Einträge dazu-immer mit mindestens einem neuen Track. Spartenreicher Sound und viele auch sehr rare Remixe zeichnen die musikalische Auswahl vor allem aus. Dazu gibt’s außerdem mit nur einem Mausklick mehr ausführliche Infos über Titel, Interpreten, Artwork oder ähnliches. Vorbei schauen lohnt also auf jeden Fall. Aber man sollte Zeit mitbringen- für den geneigten Musikliebhaber ist es wirklich sehr kurzweilig dort.


















