Review Teil 3: Rock im Park 2009
Sonntag Morgen. Der letzte Tag. Wir sind alle um 11 Uhr zum Brunchen verabredet. Wieder im Zeit & Raum. Und da mir Alex gestern Nacht noch gedroht hatte, dass er mir im Falle einer Verspätung die Beine bricht oder wahlweise meine Mütze anfasst, hab ich mich tatsächlicherweise pünktlich aus dem bequemen Hotelbett gequält.
Mike, der eigentlich mit fahren wollte, hat hingegen leider etwas verpennt. Was daran liegen könnte, dass er noch vier Stunden vorher versucht hatte mich (nachdem er mich aus dem Schlaf gerissen hatte) zu überreden jetzt noch an der Hotelbar ein trinken zu gehen. Was danach passierte weiß nur der Hundegott…
Nun gut- ich also fast pünktlich im Taxi auf dem Weg in die Innenstadt- klingelt mein Handy. Alex spricht oder vielmehr er stammelt: Kannst Du bitte mal im Zeit & Raum anrufen und den Brunch um ne Stunde verschieben? Äh ja…blöd jetzt. Ich fahr einfach mal hin, besetze unseren Tisch und warte auf Euch. Beeilt euch halt.
Eine Stunde später, nachdem ich allein allein an nem 8-Mann-Tisch via Handy schon alle aktuellen News, Bundesliga (Trainer)Wechsel und Blogs durchforstet hatte, trudelte die restliche Meute so nach und nach ein. Es konnte endlich losgebruncht werden. Wer Teil 2 der Review gelesen hat, kann sich vielleicht noch an unser gestriges Frühstück im selben Laden erinnern. Der Brunch war ungefähr ‘hund’ert mal so groß und beinhaltete glaub ich alles was sonst so auf der Karte steht (plus die ‘Hundekarte’ siehe Bild oben). Wahnsinn!
Drei Stunden später waren wir dann endlich mal mit den Leckereien durch und frisch gestärkt für den Tag. Also ab zum Festivalgelände. Auf der Fahrt noch kurz von den schönsten Ecken Asiens geschwärmt, erwartete uns am Eingang passenderweise auch gleich strahlender Sonnenschein. Die etwas unmodischen (aber ‘Rock im Park ist ja auch kein Modefestival’) Regenponchos konnten also erstmal in Ruhe wieder weggepackt werden.
Dann selbes Spiel wie die Tage davor. Äh Jungs ich geh dann mal auf die Alternastage und zieh mir The Script rein. Ja also wir bleiben hier und danken Jack (internationaler Code für sich Unmengen Jack Daniel’s in den Kopf zu jagen). Außer Marco- der dankte dem ‘Bauch’. Alles wie immer also.
Keine fünfzehn Minuten später, als ich gerade entspannt im T-Shirt auf der Wiese lag und den sanften Rocktönen von The Script lauschte, zog aus dem nichts eine gigantisch große dunkle Wolke übers Gelände. Sekunden später waren alle nass, inklusive mir, der intelligenterweise sein Regencap bei Jack gelassen hatte. Also kurzer Sprint zurück. Fazit: Nur zehn Minuten von The Script gesehen, aber die waren nicht übel…
Nächste Station: Phoenix. Wieder bei strahlendem Sonnenschein. “Wer zum Teufel war denn nochma Phoenix? Die hatten ein, zwei Hits: ‘If I Ever Feel Better’ (Uralte Disco-Hymne, obwohl es eigentlich ein unglaublich trauriger Song ist) und ‘Everything is Everything’. Ahhhh…na dann.” -Mit genau diesem Dialog konnte ich dann immerhin doch noch drei Leute bewegen mich zu begleiten.
Gelohnt hat sichs nicht wirklich. Sie waren ganz nett, aber mehr auch nicht. Schöne Hintergrundmucke eben. Außerdem haben sie ‘Everything is Everything’ gar nicht gespielt. Aber wenigstens konnte ich mich wieder ein wenig in der Sonne trocknen.
Danach folgte für mich erstmal ne größere Pause. Chillen bei und mit Jack eben. N bisschen Mucke hören. Ziemlich dämlich eigentlich auf nem Musikfestival mit Ohrstöpseln im Ohr rumzuhängen, aber egal.
Mal checken was bei ‘ProDOGy’ so geht. Antwort: einiges!
Rappelvoll sozusagen. Vielleicht etwas doof, dass Prodigy spielt wenns noch hell ist- weil so ne fette Lightshow hätte bestimmt ganz geil gepasst. Dafür waren die Jungs aber mächtig gut drauf. Die Crowd hats ihnen gleich getan. Mega Stimmung, mega Auftritt!
Aber dieses Gedrängel nervt mit der Zeit einfach ein bisschen und am dritten Tag hat man auch schon mal Rücken. Von daher also wieder zurück in die Basis. Kraft tanken. Im Nachhinein vielleicht meine beste Entscheidung des gesamten Festivals- weil cirka zwanzig Minuten vor dem Ende von Prodigy hatte Petrus noch spontan nen kleine Aggro-Anfall. So mit Hagel, Sturm und natürlich jeder Menge Wasser…mit der Folge, dass die Centerstage beim letzten Lied quasi leergefegt war. Ca. 30 000 Leute waren komplett durchnässt und am Ende.
Ziemlich blöde Situation für Bloc Party, die danach spielten. Aber die werden eh überbewertet!
Der Sturm war sowas wie der vorzeitige Abpfiff- jetzt gabs nur doch hart gesottenen und die vorbereiteten…und das sind nicht mehr so viele. In keine der beiden Kategorien fiel zum Beispiel Mike, der war zwar bei Prodigy noch fünf mal Crowd surfen (Probs!), sah aber danach auch genauso aus.
Wir fragten uns unterdessen, ob Chuck Norris das auch geschafft hätte. Alex warf aber direkt ein:
Chuck Norris surft nicht die Crowd, die Crowd wird unter Chuck Norris durchgetragen.
Nun ja da waren wir also- die übrig gebliebenen. Mit Rücken, Kopf und Hals. Aber jetzt aufgeben wär auch uncool und überhaupt nicht Rock’n'Roll. Also kämpfte ich mich zu Jan Delay, während die anderen Slipknot auscheckten.
Das mit dem früh hingehen und Platz sichern weil Angst vor Einlassstop hätte ich mir dieses Mal aber auch sparen können, weil wie gesagt es war nicht mehr wirklich viel los. Aber das Gehirn schien wohl auch schon ausgesetzt zu haben…
Als Jan Delay dann endlich anfing konnte ich kaum noch stehen. Ich glaube ich hab jedes Lied von ner anderen Position gesehen, weil ich ständig in Bewegung war um auf keinen Fall stehen zu bleiben und meinen Rücken zu spüren. Hört sich vielleicht alles nach Pussy an, aber es war wirklich die Hölle
– oder ich bin wirklich ne Pussy…
Egal- trotz Schmerzen- war Jan Delay fett! Fing erst mal mit ‘Last Night A DJ Save My Life’ an, um danach direkt ‘Türlich, Türlich’ zu droppen.
Im nächsten Lied wollte er dann ‘was hören’ von Rock-am-Ring- ouhhh- schwere Fehler- da flogen dann erstmal Becher, gefolgt von einem Pfeifkonzert. Aber in seiner gewohnt ignoranten Art hat der gute Jan seinen Fehler einfach mal überspielt und im gleichen Song noch dreimal Rock-im-Park gesagt. Dann war alles wieder gut…
Dann kam schon mein persönliches Highlight- ne 8 Minuten Coverversion von Backstreet Boys’ ‘Everybody’, Usher’s ‘Yeah’, ‘How We Do It’ (ich glaub von Montell Jordan???) und House Of Pain’s ”Jump Around’ mit den ‘Beginner’ Texten von ‘Gustav Gans’ und ‘Füchse’ draufgerappt. (eh meine zwei absoluten Lieblingstracks von den Beginnern)…
Und nur zehn Minuten später packten Jan und die Discocrew dann auch noch ihre bald erscheinende neue Single ‘Oh Johnny’ vom bald erscheinenden neuen Album aus:
Ich wage es einfach mal die Behauptung aufzustellen, dass der Song ein Hit wird.
Alles was nach Jan Delay passierte hatte leider nicht mehr viel mit Rock’n'Roll zu tun. Die Crew war back together, aber ein einziger jammernder Trümmerhaufen. Und da wir noch dreißig Minuten hätten warten müssen um Dredg (Drätsch) zu sehen, was uns aber wie Stunden vorkam, schmissen wir die Flinte ins Korn und krochen wie ein Häuflein Elend zum Bus.
Ein Happy End sieht vielleicht anders aus, aber das war uns egal (Happy Ends sind eh nur was für Leute die zu Polarkreis 18 gehen)- wir waren glücklich, zufrieden und hatten sehr viel Spaß die letzten drei Tage- dank Jack und Mike, mit Jack und Mike- und der restlichen Crew selbstverständlich: Alex, Marco, Phillip, Marco und Sascha.
In diesem Sinne bis zum nächsten Mal- irgendwie, irgendwo und irgendwann.





Juli 6th, 2009 at 01:18
JA MAN! RiP 2010!