Plattenchecks März 2011
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Guano Apes – Bel Air
01.04.11
Die Guano Apes sind zurück. Vielleicht das deutsche Rock-Comeback des Jahres. Nachdem es die letzten Jahre eher ruhig um die Band geworden war und keine der eingeschlagenen Solo-Karrieren nach der Auflösung den gewünschten Erfolg brachte, vereinigten sich die vier 2009 erstmals wieder um große Festivals zu spielen. Ironischerweise gab es hierfür wohl den selben Grund wie für die Auflösung: Geld. Ob sie deswegen jetzt auch ein neues Album aufgenommen haben kann man daher auch einfach mal im Raum stehen lassen. Soll aber egal sein, wenn dabei so Ergebnis wie ‚Bel Air‘ rauskommt. Zwar findet man darauf keine absoluten Hits im Stile von ‚Lord Of The Boards‘ oder ‚Open Your Eyes‘, dafür aber astreine, geradlinige Rockmusik, wie man es von den Guano Apes gewohnt ist. Frontfrau Sandra Nasic blüht bei Songs wie ‚Fire In Your Eyes‘ oder ‚This Time‘ geradezu neu auf. Die Single ‚Oh What A Night‘ ist überraschenderweise auch bei weitem nicht die stärkste Nummer auf der Platte. Die besticht eher im Kollektiv. Und das, nach einer derart langen Schaffenspause, auf fast schon beeindruckende Art und Weise.
(4 von 5 Sternen)
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Hercules & Love Affair – Blue Songs
bereits erschienen
Hercules & Love Affair, das Musikprojekt des New Yorker DJs Andrew Butler veröffentlicht mit ‘Blue Songs’ nicht nur das mittlerweile dritte Album, sondern auch die Fortsetzung einer wahren Erfolgsgeschichte, die sich vor rund drei Jahren mehr oder weniger aus dem Nichts ereignete. Letzteres vermutlich deswegen, weil man den Stil weder einem Genre zuordnen, noch richtig beschreiben kann. Ähnliches kann man auch auf dem neuen Album wieder feststellen. Es ist eine Mischung aus Disco, elektronischen Tanzbeats, früher Housemusik, groovigem Mood und dem was die aktuelle Musikbranche als Indie beschreiben würde. Abwechslungsreich und unverwechselbar. Spannend und eingängig. Neu und doch vertraut. Ein Leckerbissen für die Ohren. Der Zucker im Einheitsbrei. Die Arznei gegen Einfältigkeit. Balsam für die Seele. Und definitiv eine Affäre wert!
(4 von 5 Sternen)
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Beth Ditto – EP
04.03.11
Beth Ditto, ihres Zeichens Frontfrau von The Gossip, wandelt jetzt ein auf Solopfaden. Klar, kann man noch mal ein bisschen mehr Kohle machen, wenn es aufgeht. Hierfür hat sie sich erneut mit Simian Mobile Disco, mit denen sie bereits vor einiger Zeit erfolgreich den Song ‚Cruel Intentions‘ aufgenommen hatte, zusammengetan. Rausgekommen ist vorerst mal eine EP mit vier Tracks. Damit will man vermutlich erstmal austesten, ob sich ein vollständiges Album denn überhaupt lohnen würde. Die Single ‚I Wrote The Book‘ ist zugleich auch die stärkste Nummer, auch wenn sie nicht ganz an die Klasse eines ‚Heavy Cross‘ heranreichen wird. Kommerziell und unkommerziell gesprochen. Mit ‘Do You Need Someone’ liefert man zudem auch noch eine eher balladeske Nummer, die man durchaus als schön bezeichnen kann. Die weiteren zwei Songs ‚Goodnight Good Morning‘ und ‚Open Heart Surgery‘ kann man unterdessen eher als Füllstoff betrachten. Guter Standard, aber eben nicht mehr. Da kann man auch mal eine ganz einfach Rechnung zum Schluss machen: Vier Songs, zwei davon gut, und weil es sich in Sachen Produktion auch mal ein Stück vom Einheitsbrei abhebt und Beth Ditto für Charisma sowieso noch einen Pluspunkt bekommt, gibt es für die gesamte EP ein bisschen mehr als die Hälfte der möglichen Punkte.
(3 von 5 Sternen)
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Große Diskussion die Tage: Deutsche Singer-Songwriter Musik. Gibt es ja wie Sand am Meer. Gerade erst haben Philipp Poisel und Johannes Oerding ihre neuen Alben veröffentlicht. Jetzt folgen mit Bosse und Clueso zwei weitere Vorreiter dieses Genres. Beide sind schon eine ganze Zeit dabei und haben trotz diversen Ähnlichkeiten ganz andere Erfolge vorzuweisen. Ich zum Beispiel dachte im ersten Moment als ich die neue Bosse Single ‚Weit weg‘ hörte „Fuck, jetzt hat Clueso tatsächlich mal einen guten Song gemacht.“ Als sich kurze Zeit später der Irrtum aufklärte war ich ein wenig erleichtert. Wie man merkt bin ich kein großer Freund von Clueso. Und bei aller Toleranz des individuellen Musikgeschmacks, ich kann einfach nicht verstehen, wer und warum man Clueso gut finden kann. Die Songtexte triefen geradezu vor billigen Phrasen und Pseudo-Intellektuellem Geschwafel. Schlichter Indie-Nonsense! Und zudem ist das musikalisch ja wohl auch nicht gerade Spitzenklasse, was der Herr da seit Jahren abliefert. Um es abzukürzen, trotz dem habe ich natürlich wieder einmal versucht so neutral wie möglich ans neue Album ranzugehen. ‚An und für sich‘ ist mir das auch gelungen, hat aber nichts daran geändert, dass ich Clueso nach wie vor für überschätzt halte. Alleine die Single ‚Zu schnell vorbei‘ machte mir schon falsche Hoffnungen. Der Rest des Albums war nämlich äußerst langwierig und vor allem langweilig. Und wo zum Teufel ist eigentlich der Inhalt? Bei Clueso werde ich einfach das Gefühl nicht los, dass hier willkürlich annähernd gut klingende Sätze aneinandergereiht werden. Das Gegenteil passiert bei Bosse. Hier wird sich zuerst der Inhalt überlegt und danach die passenden Worten gesucht. Und weil Bosse deutlich mehr auf dem Kasten hat als Clueso, nicht nur musikalisch, sucht er die Worte nicht nur, er findet sie auch. Bosse ist die Ausnahme der Regel, und das schon seit Jahren. Und Bosses Album wiederum ist nicht überraschend gut, es ist wieder einmal die Messlatte anspruchsvoller, deutscher Singer-Songwriter Musik, die allerdings auch immer noch im ‚Wartesaal Erfolg‘ rumsitzt. Womit wir auch schon wieder bei der traurigen Wahrheit und dem dazugehörigen Resümee wären: Bosse ist der bessere Clueso und dennoch ‚weit weg‘ vom Erfolg den Clueso haben wird. Wieder einmal.
Bosse – Wartesaal ///// Clueso – An und für sich
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Die kompletten Rezis im Aalener Stadtmagazin SOKO Mag gibt es hier.
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