Der X-Faktor
Thema: X-Factor
Casting-Shows. Ich bin abhängig. Zumindest schaue ich immer wieder rein. Suggeriert mir irgendwie am Puls der Zeit zu sein. Außerdem schaue ich eigentlich alles was mit Musik im Fernsehen zu tun hat. Ist eben mein Ding. Was soll ich noch mehr sagen?
Letztes Jahr habe ich da auch schon mal was zur ersten ‘X-Factor’-Staffel in Deutschland geschrieben. Wollte mich damit insgeheim für einen Juroren-Posten bewerben, hat aber nicht ganz geklappt. Jetzt sitzt ‘Das Bo’ in der Jury. Auch okay. Ich mag den irgendwie. Denn trotz den teilweise sehr absurden Geschichten, die man sonst von ihm hört, machte er auf mich immer einen recht sympathischen Eindruck. Das nicht zuletzt auch, weil er, in meiner Zeit in Hamburg, ähnlich viel Kaffee in Straßencafes auf der Schanze zu sich nahm wie ich. Vorteile von Künstlern, Selbstständigen und Arbeitslosen.
Hintergrund dieser neuen Jury-Besetzung war sicherlich das ganze Format ein bisschen mehr in jüngere Richtung zu schieben. Und, wenn wir ehrlich sind, dürfte Das Bo auch nicht so teuer sein. Vielleicht bekommt er aber trotzdem mehr als Till Brönner, besonders kamerageile Menschen machen’s nämlich für ziemlich wenig, habe ich mir aus Insiderkreisen sagen lassen.
Gott, ich hasse Till Brönner! Er alleine wäre ein Grund dafür, dass ich sonntag Nachts weiterzappe. Aber ich habe Schlafstörungen. Und es kommt nichts Besseres als die zwei Wiederholungen der vergangenen Woche. Also beschäftige ich mich, während Till Brönner dummes Zeug labert, mit der Frage, wann Sarah Connor endlich wirft. Und damit was einen dazu treibt was mit Marc Terenzi anzufangen. Bei beidem bin ich allerdings völlig ratlos.
Die Sendung dümpelt so vor sich hin. Ich frage mich jetzt, ob sich dieser Moderator, der die Angehörigen der Kandidaten interviewt und dessen Namen ich schon wieder vergessen habe, eigentlich schon geoutet hat. Kurz möchte ich es googlen, aber dann wird mir klar, dass es mich überhaupt nicht interessiert.
Dass die Show eigentlich ein Gesangswettbewerb sein soll, wird einem, bei objektiver Betrachtung, unterdessen nicht so richtig klar. Keine Mega-Talente. Nur ein paar mehr oder minder verrückte Typen. Hier geht’s eindeutig mehr um Storytelling, als um irgendwas anderes.
Bei den peinlichen Teilnehmern schalte ich weg. Ich kann’s mir einfach nicht mehr ansehen und hören. Das Thema ist langsam wirklich durch, der F(remdscham)-Faktor definitiv zu hoch und meine Lebenszeit dafür einfach zu schade.
Nur kurze Zeit später hänge ich allerdings schon wieder auf VOX und muss mir daraufhin endgültig eingestehen, dass auch ich nur ein Opfer einer Marktanteile-Strategie bin. Ich überlege, ob es sich lohnt, darüber zu schreiben und welche Worte am ehesten meine Abneigung gegenüber Till Brönner ausdrücken können. Ich notiere: Unsympathisch pseudo-intellektuell, am Thema vorbei bewertend, dabei unwitzig, und vor allem unehrlich. Letzteres deswegen, weil ich einfach seinen Playback-Auftritt in der Show im letzten Jahr nicht aus dem Kopf bekomme.
Sicherlich ist es so, dass er live nicht gut, oder gar nicht singen kann, aber dann nehme ich auch einfach keine Songs mit Gesang auf. Schuster bleib bei deinen Leisten, Trompeter bleib bei deinem Geblase. Alles besser als die heiße Luft, die hier unkontrolliert in den Orbit gejagt wird.
Weiterführend komme ich zu der Theorie, dass er weiß, dass er leider nur was kann, das der etwas älteren Hausfrau feuchte Träume beschert, ihm seine insgeheimen Träume von jungen und wilden Groupies allerdings nicht erfüllen kann. Das ist alles so unauthentisch gekünstelt, dass mir fast ein bisschen schlecht wird.
Denken wir da mal an letztes Jahr. Da hat er eine Kandidatin, die alles hat, was eine musikalische Erfolgsgeschichte heutzutage braucht: Edita Abdieski hatte eine Killer-Stimme, Charme, Ausstrahlung, eine Tellerwäscher-Geschichte und war süß zugleich. X-Faktor Jackpot. Eigentlich.
Aber was passiert? Till Brönner “coacht”, und irgendwelche Halbprofis schreiben ihr ein völlig uninspiriert langweiliges Album. Und da wundert man sich, warum man damit keine Platten verkauft. Faszinierend.
Das ist so ein bisschen als ob man sich für viel Geld einen Lotterieschein kauft und dann die Zahlen eins bis sechs ankreuzt. Aber egal, ist einfach viel zu müßig, das hier weiter auszuführen, und außerdem ein ganz anderes Thema.
Bos Outfits entwickeln sich derweil zu dem Interessantesten an der ganzen Sendung. Das einzige was mich sonst noch unterhält, ist das Gesicht von Sarah Connor, wenn sie versucht nachdenklich analytisch rüberzukommen. Das Gesicht hat sie bestimmt nicht gemacht, als Marc Terenzi ihr das erste Mal vorgestellt wurde. Und vermutlich hat ihr damals jemand wie Till Brönner gesagt, “he is a really big rockstar!”
Bei dem Gedanken habe ich jetzt endgültig meinen Faden verloren. Zum Glück haben die ihn auch nicht, sonst würde ich mir vielleicht noch dümmer und ratloser vorkommen jetzt. Ich muss mich sammeln. Ich suche einen griffigen Vergleich.
Casting-Shows sind wie die nächste Liebe: Man sucht den einen, findet aber nur einen anderen.
Die Kunst ist trotzdem etwas daraus zu machen. Vorher muss einem aber erstmal klar werden:
Stop fakin’ the funk!
Edita Abdieski – Rolling In The Deep (Acoustic Cover)
xoxo










